Die 80er Jahre neigen sich dem Ende entgegen. Gleiches gilt für die Lebenszeit des C64. Doch auch im Spätherbst seiner Zeit als populärer Heimcomputer bringen die Entwickler noch einige wirklich interessante Spiele für Commodores Brotkasten auf den Markt. Grund genug für uns, einen genauen Blick auf das Computerspieljahr 1989 zu werfen. Wir haben die Perlen für euch herausgepickt. Viel Spaß bei unserer kleinen Reise ins Jahr 1989!
Cabal (Ocean, Action)
Sicherlich hat Ocean das Rad mit
Cabal nicht neu erfunden. Sämtliche Gameplay-Elemente haben wir woanders schon einmal gesehen.
Cabal hat seine Ideen in der gesamten 8 Bit-Historie zusammengeklaut, hat sich dabei jedoch als Meisterdieb erwiesen. Denn unter dem Strich kommt dabei ein hervorragendes Spiel heraus, das insbesondere im Multiplayermodus auftrumpft. Zunächst erinnert
Cabal an einen der zahlreichen Lightgunshooter, wie wir sie so oft gesehen haben in den 80er Jahren. Der Spieler schlüpft in die Rolle eines einsamen Soldaten, der sich durch wahre Horden von Gegnern ballern muss. Dazu verwendet er ein Fadenkreuz, mit dem er seine Gegner von der Bildfläche pustet. Der Spieler selbst wird am unteren Bildschirmrand dargestellt und muss seinerseits dem Kugelhagel des Gegners ausweichen. Dafür stehen ihm einige Barrikaden zur Verfügung, hinter denen er sich verschanzen kann. Ganz wie bei
Space Invaders können diese aber nach und nach von den feindlichen Soldaten zerstört werden. Habt ihr alle Soldaten vernichtet, beginnt das nächste Level.
Curse Of The Azure Bonds (Rollenspiel, SSI)
Nach dem großen Erfolg von
Pool Of Radiance präsentiert Entwickler Westwood das nächste Spiel aus der AD&D-Reihe. Erneut ist das Spiel in den Forgotten Realms angesiedelt, die auch Vorlage für spätere Rollenspielhits wie
Baldur's Gate bilden. Am Konzept hat sich wenig geändert. Immer noch ist der Spieler in einer 6er-Gruppe unterwegs, die sich in 3D-Ansicht durch Dungeons und Städte bewegt. Steht ein Kampf an, schaltet das Spiel in eine isometrische Perspektive um. Dann ist taktische Vorgehensweise angesagt. Umgebungselemente wie Bäume oder Mauern können strategisch eingesetzt werden und auch die Platzierung eurer Partymitglieder ist von entscheidender Bedeutung. Wer stets blindlings mit seinem Magus nach vorne prescht, dürfte den Abspann von
Curse Of The Azure Bonds wohl kaum zu Gesicht bekommen, obwohl der Schwierigkeitsgrad deutlich entschärft wurde. SSI führt die Heldengruppe in viele interessante Orte, die D&D-Fans sicherlich bekannt sein dürften: Tilverton, Hap, Zenthil Keep, Yulash und Myth Drannor. Dank der interessanten Geschichte und der dichten AD&D-Atmosphäre, ist
Curse Of The Azure Bonds ein echter Anspieltipp für Rollenspieler.
Kick Off (Fußball, Anco)
Bis heute sind die Meinungen zu Ancos Superhit
Kick Off gespalten. Während die einen die äußerst unhandliche Steuerung kritisierten, lobten die anderen das actionreiche Geschehen auf dem Platz.
Kick Off zeichnete sich insbesondere dadurch aus, dass der Ball – im Gegensatz zu anderen Fußballspielen – nicht am Fuß des Spielers klebte. Mit jeder Ballberührung wurde der Ball ein kleines Stückchen vorgelegt. So bedurfte es schon einige Zeit, um mit Ancos Fußballsimulation warm zu werden. Das erste Tor wird damit zum euphorischen Erfolgserlebnis. Zudem brachte
Kick Off auch das Foulspiel und somit auch gelbe und rote Karten ins Spiel. Bei vielen Konkurrenten wie
Microprose Soccer war es schlichtweg nicht möglich, ein Foulspiel zu begehen. In
Kick Off war es ein wesentliches Spielelement. Rüde Blutgrätschen wurden meist (aber nicht immer) mit dem roten Karton bestraft und führten von Zeit zu Zeit auch zu Verletzungen des Gegenspielers. Mir selbst hat die
Kick Off-Reihe viel Spaß bereitet, auch wenn sie nicht den Tiefgang bietet wie einige der hochklassigen Konkurrenten.
Oil Imperium (Wirtschaftssimulation, reLine)
Das Spiel von reLine Software ist im Gegensatz zu manch anderem Klassiker gut gealtert und auch heute durchaus noch eine Runde wert. In Anlehnung an die TV-Serie Dallas bekämpfen sich in
Oil Imperium vier finanzstarke Öllieferanten mit allen Mitteln. So mancher Bohrturmbrand geht sicher auf das Konto eines Gegenspielers. Hier helfen oftmals die angeheuerten Detektive, um sich vor so einem Anschlag zu schützen. In erster Linie geht es aber darum, sich möglichst viele Bohrlizenzen und eine möglichst große Tankkapazität zu sichern. Wie im echten Leben, bestimmt auch hier die Nachfrage den Preis. Verkauft ihr in einer Region eine geraume Zeit kein Rohöl, schnellen die Preise rasch nach oben. Abwechslung bietet das Spiel unter anderem auch durch seine zahlreichen Minispiele, die etwa bei den Bohrungen oder bei Verlegungen von Pipelines eine Rolle spielen.
Rick Dangerous (Plattformer, Core Design)
Indiana Jones goes C64. Die kleine Pixelfigur wuselt sich auf der Suche nach Schätzen durch Höhlenschächte, ganz wie sein beliebtes Filmvorbild. Auch die Höhlengänge sind mit ähnlich vielen Fallen gespickt. An nahezu jeder Ecke lauern ein Hinterhalt, scharfe Speerspitzen, eine Falltür oder ein automatisch ausgelöster Bogenpfeil. Zehntausend Tode warten auf den Spieler, denn die meisten Fallen sind auf den ersten Blick kaum zu erkennen. So war für den ehrgeizigen Spieler oft "trial and error" angesagt. Für viele Spieler mag
Rick Dangerous der pixelgewordene Frust gewesen sein. Der Schwierigkeitsgrad lag an einige Stellen hart an der Grenze zur Unmöglichkeit. Aber in den 80er Jahren waren die Zocker wohl eben noch frustresistenter und ließen sich auch durch tausendfaches Ableben nicht vom Weiterspielen abhalten. Aufgrund dessen kann
Rick Dangerous als eines der besten C64-Spiele in die Historie eingehen.
Sim City (Maxis, Wirtschaftssimulation)
Jeder Gamer hat wohl schon irgendwann einmal eine Version von
Sim City angespielt. Auf nahezu jeder erdenklichen Plattform ist die Aufbausimulation zuhause. Und es lohnt sich noch heute, denn im Gegensatz zu vielen anderen Spielen, ist
Sim City gut gealtert. Grafisch war es schon in Jahre 1989 eher schlicht. Was sich jedoch hinter der mauen Optik verbarg, war richtungsweisend. Mit einem kleinen Budget muss der Spieler seine eigene Stadt aufbauen. Durch attraktive Wohn- und Einkaufsmöglichkeiten macht er seine Stadt für neue Einwohner attraktiv, was wiederum Steuergelder in seine Kasse spült. Mit dem Wachstum der Stadt ergeben sich aber auch schnell neue Probleme: Die Parkmöglichkeiten werden immer begrenzter, die Kriminalität steigt, in Downtown ist ein Brand entstanden, die Umweltverschmutzung nimmt zu und auch Naturkatastrophen machen dem Spieler immer wieder zu schaffen. Obwohl es in
Sim City kein echtes Ende gibt, schafft es das Spiel immer wieder aufs Neue zu motivieren. Der Titel schlug bei den Spielern dermaßen gut ein, dass bis heute immer wieder neue Versionen erstellt werden. Zuletzt erschien
Sim City Creator für Nintendo DS und Nintendo Wii. Verantwortlich für das Original zeichnete sich übrigens Entwicklerlegende Will Wright, der in der jüngeren Vergangenheit Spiele wie
»Die Sims oder
»Spore entwickelte.