Die Saga des C64 geht weiter. Nachdem wir uns zuletzt die üppigen Jahre 1986 und 1987 angesehen haben, werfen wir nun einen Blick ins Jahr 1988. Langsam aber sicher macht sich die harte Konkurrenz durch starke 16 Bit-Computer wie den Atari ST und den Amiga bemerkbar. Immer mehr Entwickler nutzen die immense Power der neuen Heimcomputergeneration und bringen ihre Software zunächst auf andere Systeme. Unterversorgt wurde der C64 aber auch zu diesem Zeitpunkt nicht. Die treue Fangemeinde und die große Verbreitung des Kultcomputers sorgten für zahlreiche Portierungen und Eigenversionen. So gab es auch 1988 genug zu entdecken für C64-Fans.
Double Dragon (Technos, Beat'em Up)
Wieder einmal erreichte ein Spiel aus der Spielhalle den kleinen C64. Obwohl von der technischen Seite her nicht im Ansatz möglich war, die ganze Grafikpracht der leistungsstarken Arcadeautomaten darzustellen, wurde der Brotkasten immer noch mit reichlich Software aus dieser Sparte versorgt. Mit deutlich abgespeckter Grafik erschien also auch
Double Dragon für den C64. Gleich geblieben war hingegen das Gameplay. In typischer Sidescrollig-Beat'em Up-Manier prügelt sich euer Held – am besten gemeinsam mit einem Freund – durch die Straßen der virtuellen Stadt, um die entführte Freundin aus den Klauen des Oberbösewichts zu entreißen. Klingt alles wenig innovativ, machte aber trotzdem Spaß. Auch die Spielerschaft nahm das Spiel gut auf und sicherte dem Entwickler einen Bestseller, der für etliche Plattformen umgesetzt wurde. Weniger erfolgreich war hingegen der Film zum Spiel, der jedoch auch erst 1993 in die Kinos kam.
Microprose Soccer (Sensible Software, Sportspiel)
1988 galt der Publisher Microprose als eine der ganzen großen Nummern im Videospielbusiness. Neben den Sid Meier-Spielen gehörte auch das kleine Entwicklungsteam Sensible Software zum Team des Publishers. Dieses zeigte sich verantwortlich für eines der besten Fußballspiele für den C64. Zwar wurde
Microprose Soccer auch für leistungsstärkere Rechner wie den Amiga oder den Atari ST umgesetzt, die C64-Version gilt aber als die beste Fassung. Das Spielgeschehen wird aus der Vogelperspektive dargestellt und zeichnet sich nicht unbedingt durch den größten Grad an Realismus aus. Fouls oder gar gelbe und rote Karten gab es bei
Microprose Soccer nicht. Es durfte also gegrätscht werden, was das Zeug hält. Dies war auch so ziemlich die einzige Möglichkeit dem Gegner den Ball abzuluchsen. Dafür schaltete das Spiel von Zeit zu Zeit auf Regenbetrieb um. Auf dem nassen Rasen rutschten die Kicker meterweit und unkontrolliert über das Feld. Ebenso interessant waren die Bananenschüsse, mit denen die Fußballstars ihre Bälle um die Ecke zirkeln konnten. Als kleiner Bonus konnte
Microprose Soccer auch in der Halle gespielt werden. Das kleinere Feld und die Möglichkeit die Bande einzusetzen, waren eine witzige Abwechselung zum Hauptspiel.
Neuromancer (Interplay, Adventure)
Auch vor
Metro 2033 gab es schon Spiele zu Romanen. Eines der ersten Spiele dieser Art war
Neuromancer, das sich auf die textliche Vorgabe von William Gibson stützt. Die komplexe Handlung des Buchs wurde von Interplay vorbildlich in das Spiel übertragen, trotz der begrenzten technischen Möglichkeiten des C64. In klassischer 2D-Ansicht steuert der Spieler sein virtuelles Alter Ego durch die futuristische Stadt Chiba City. Auf den ersten Blick sind zwar Ähnlichkeiten zu den Adventures aus dem Hause Lucasfilm Games zu erkennen, schnell wird die Eigenständigkeit von
Neuromancer jedoch klar. Das Spiel kombinierte diverse Genreelemente vom Rollenspiel bis zum Actiontitel miteinander und zeichnete sich durch sein originelles Cyberpunk-Setting aus.
Pool Of Radiance (SSI, Rollenspiel)
SSIs
Pool Of Radiance bildete den Auftakt zur erfolgreichen Gold Box-Serie, die unterschiedlichen Welten aus dem D&D-Portfolio als geschichtliches Grundgerüst verwendeten.
Pool Of Radiance ist in den Forgotten Realms angesiedelt und nimmt auch großes Teile des Pen & Paper-Regelwerks auf. Wie damals nicht selten, übernimmt der Spieler nicht nur die Steuerung eines einzelnen Charakters, sondern befehligt gleich eine ganze Gruppe von insgesamt sechs Abenteurern. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf den taktischen Kämpfen. Diese werden nicht in Echtzeit durchgeführt, sondern in Runden. Dabei gilt es etwaige Vegetation, Mauerwerk oder sonstige Hindernisse taktisch zu nutzen. Die Kämpfe in
Pool Of Radiance haben es wirklich in sich. In den nachfolgenden Spielen der Serie wurde der Schwierigkeitsgrad dann auch erheblich reduziert.
Zak McKracken And The Alien Mindbenders (Lucasfilm Games, Adventure)
Nach dem großen Erfolg von
Maniac Mansion legte Stardesigner Ron Gilbert nach und veröffentlichte 1988
Zak McKracken And The Alien Mindbenders. Das Spiel basierte auf der bewährten SCUMM-Engine und glich dem Gameplay des Vorgängers. Inhaltlich gab es jedoch keine Überschneidungen zwischen den Welten von Zak und Dr. Fred. Bis auf eine Ausnahme. So findet Zak in einer Marsstation einen Benzinkanister für eine Kettensäge. Leider kann Zak den Kanister nicht mitnehmen. Er quittiert die Aktion lediglich mit einem: "Dieses Benzin ist für ein anderes Spiel." Herrlich! In
Manic Mansion machte sich Bernhard noch auf die Suche nach dem Benzin für eine Kettensäge in der Villa des verrückten Doktors. An diesem Beispiel wird deutlich, dass Ron Gilbert wieder stark auf die humoristischen Qualitäten des Spiels wert gelegt hat. An knackigen – teilweise gar absurden Rätselaufgaben – wurde aber dennoch nicht gespart. Es bedarf schon einiger Hirnknoten bevor man den Abspann dieses genialen Adventures zu Gesicht bekommt. Die gelungene Neuauflage des Spiels
Zak McKracken: Between Time And Space findet ihr
»hier.