Es muss nicht immer Nintendo sein… Geht es um das mobile Gaming, haben auch andere Anbieter attraktive Konzepte entwickelt. Die südkoreanische Firma Game Park Holdings wartet mit einem anderen Ansatz auf und bietet insbesondere Retrofans eine echte Alternative für unterwegs. In der GameRadio-Redaktion ist der GP2X Wiz eingetroffen und hat dort für Aufsehen gesorgt. Lest in unserem Bericht, warum uns die kleine Konsole auf Anhieb überzeugt hat.
Mit etwa 600 verkauften Geräten in Deutschland, zählt der
GP2X Wiz nicht unbedingt zu den Verkaufsschlagern im Videospielbusiness. In den Media Märkten und Saturn-Filialen sucht man das Gerät vergebens. Dennoch erfreut sich das Handheld einer treuen Fangemeinde, auch in Deutschland!
Der
GP2X Wiz ist eine Open-Source-Konsole für unterwegs, die auf Linux basiert. Damit geht Game Park Holdings einen gänzlich anderen Weg als die Mitbewerber aus dem Hause Sony und Nintendo und öffnet die Konsole für alle Heimentwickler. Die offene Plattform hat bereits zahlreiche Hobbyprogrammierer angezogen, die das Gerät regelmäßig mit kostenfreier Software versorgen.
Eine besondere Bedeutung kommt allerdings der Emulation alter Videospielsysteme zu. Eine ganze Reihe von Emulatoren wurde bereits für das Gerät angepasst. Mittlerweile kann das
GP2X Wiz nahezu die gesamte Bandbreite der Videospielgeschichte abdecken. Ob SEGA Mega Drive, C64, Amiga oder Arcadeautomaten, für nahezu alle Systeme hat das Handheld einen Emulator parat. Dies macht den
Wiz zu einem attraktiven Gerät für Nostalgiker und Retrofreunde.
Ein wenig Basteltrieb solltet ihr allerdings schon mitbringen, um das Gerät so zum Laufen zu bekommen, wie ihr es euch wünscht. Gerade die Emulation alter Videospielsysteme birgt einige Tücken. In der deutschen Community finden sich aber stets hilfsbereite Fachkundige, die euch an ihrem Wissen teilhaben lassen.
Technische Daten:
• Chipset: MagicEyes Pollux System-on-a-Chip
• CPU: 533 MHz ARM9 3D Accelerator
• NAND Flash ROM: 1 GB
• RAM: 64 MB SDRAM
• Betriebssystem: GNU/Linux-basiertes OS
• Speichermedien: SD Card
• PC-Verbindung: USB 2.0 High Speed
• USB Host: USB 2.0
• Stromzufuhr: Interner 2000 mAh Lithium Polymer Akku
• Display: 320 × 240 2,8 Zoll AMOLED Touch Screen
• Mikrofon-Eingang
• Abmessungen: 121 mm x 61 mm x 18 mm
• Gewicht: 98 g (ohne Batterie), 136 g (mit Batterie)
Interview mit Michael Mrozek (Geschäftsführer des deutschen Vertriebs), in der Community besser bekannt als „Evil Dragon“
GR: Hallo Michael! Bevor wie loslegen, stellst du dich unseren Usern am besten mit ein paar kurzen Worten vor.
MM: Ich bin der böse Drache. ;) Nein, okay. Also, mit "normalem" Namen heiße ich Michael Mrozek, bin inzwischen schon über die 30 Jahre hinausgeschossen (auch wenn ich oft auf 24 geschätzt werde) und bin von Beruf eigentlich Mediengestalter Bild / Ton. Beschäftige mich seit meinen Kindertagen mit Computern... habe so 1988 mit C64 und Amiga angefangen, später, als der Amiga wirklich ein wenig zu langsam wurde, musste ich gezwungenermaßen auf den PC wechseln.
GR: Klingt nach einer klassischen Karriere, die ich selbst ähnlich durchlaufen habe. Heute betreibst du die Website des deutschen Vertriebs der Game Park Handhelds. Wie kam es dazu?
MM: Nun, ich bin ja mit Computern (und auch Konsolen) aufgewachsen. War schon immer ein Fan von klassischen Spielen, weil die von kleinen Teams mit viel Liebe gemacht wurden. Daher konnte ich mich auch in späterer Zeit mit neueren Spielen nie so recht anfreunden. Wenn ich mir den Spielspaß ansehe, den ein
Turrican 2 bringt, gemischt mit genialer Grafik und Sound... und das von einer Handvoll Entwicklern.
Dann nimmt man ein aktuelles
Final Fantasy ... klar ist das beeindruckend, aber bei der Anzahl an Leuten, die dahinterstehen ... da bin ich eher der Fan von
Turrican 2. Auch waren das oft Programmierer, die aus Eigeninitiative entwickelt haben und dann einen Publisher gesucht haben. Die haben ihr Herzblut reingesteckt, um das Beste daraus zu machen. Ein Programmierer unter vielen, der einen Auftrag für einen kleinen Teil eines Spiels bekommt, macht das eher selten. Tja, also sammelte ich zunächst alle Retrokonsolen. Als ich diese dann so langsam hatte, habe ich mich nach selteneren Geräten von kleinen Firmen umgeschaut. Die fand ich selber interessanter. Da bin ich dann auf den
GP32 gestoßen, einem kleinen Handheld aus Korea. Bessere technische Spezifikationen als der damals aktuelle GBA - und SMC-Karten Unterstützung. Also gängige Speicherkarten, keine Eigenentwicklungen der Konsolenhersteller. Das machte mich neugierig. Bestellt, ausprobiert - und natürlich im Internet gleich nach Ressourcen gesucht.
Das hat mich alles positiv überrascht: Nicht nur war das Gerät von einer kleinen Firma - in der Community gab es auch Entwickler, die selber Spiele dafür schrieben. Die waren zwar eher schlicht, aber es waren Spiele von Menschen, mit denen man sich unterhalten konnte. Die sich über Verbesserungsvorschläge gefreut haben. Damals war die GP32x.com-Community noch klein (Ich bin Mitglied Nr. 205, inzwischen sind es 18.387). Ich selber habe mich dann fleißig am Forum beteiligt - das erste Forum, in dem ich mich wohlgefühlt habe. Ich konnte zwar nicht programmieren, aber ich wollte den Usern auch was zurückgeben.
Als Hando, der Board-Admin dann nach Hilfe geschrien hat, da er zuwenig Zeit hatte, aktuelle News zu posten, habe ich mich gemeldet. Und bin Newsposter geworden. Schnell ist die Seite zur größten
GP32-Ressource geworden - denn ich habe mit den Entwicklern aktiv Kontakt gehalten und wir hatten die News oftmals zuerst. Nach etwa einem Jahr hat sich ein Problem rausgestellt: Es gab zwar tolle Spiele, aber die meisten User, die neu hinzugekommen sind, mussten sich durch alte News wühlen, um an die alten Spiele zu kommen. Falls die Seiten der Entwickler überhaupt noch existierten.
Die Lösung: ein Dateiarchiv. In dem alles schön einsortiert ist, nach Kategorien unterteilt, mit Bildschirmfotos versehen. Schön aufbereitet. Ich hab mir damals also einen Webserver angemietet und das Archiv aufgebaut. Ich hatte ja seit Beginn alle Spiele auf der Festplatte und musste sie nur noch einsortieren. Das kam gut an - die Verkäufe des
GP32 gingen in die Höhe. Besonders, als der
GP32 von Mitsui auf der Games Convention vorgestellt wurde. Leider kam er in Deutschland nie raus, der Deal ist geplatzt. Aber es war eine gute Werbung.
Ein Jahr später meldete sich die Firma GamePark Holdings. Entstanden aus GamePark, die sich geteilt hatten, wollten sie wieder einen offenen Handheld rausbringen: den
GP2X. Ich selber fand es schade, dass man diesen wohl wieder nur schwer in Deutschland bekommen würde. Also hatte ich die Idee, eine Sammelbestellung zu machen, um so für alle Rabatt zu bekommen und Versandkosten zu sparen. Ich war ja schon bekannt in der Community, so dass das leicht möglich gewesen wäre. Craig, der Distributor für den
GP32 und auch
GP2X in England (selber auch aktiv in der Community), hat mich gefragt, warum ich nicht gleich einen Shop eröffnen möchte. Er würde mir die Geräte auch in kleinen Mengen zum Einkaufspreis weitergeben.
Ich überlegte ein wenig und dachte mir, probieren kann man es mal. Dazu sollte aber auch eine deutsche Community her. Diese wurde pünktlich zum Start des
GP2X gegründet - und ist mittlerweile gut etabliert. So bin ich irgendwie durch mein Hobby zu einem Shopbetreiber geworden - und mittlerweile selber zum Produzenten.
GR: Das war aber mal wirklich eine ausführliche Antwort! Es ist auf jeden Fall eine spannende Geschichte und gibt uns einen schönen Einblick in die Hintergründe der Szene.
MM: Ja, die ich selber nie aus den Augen gelassen habe. Deswegen lief wohl auch der Shop - ich habe mich selber um alles gekümmert und immer versucht, zu helfen, wo ich kann. Ich bin nicht nur ein Händler, der irgendwas verkauft - ich nutze die Geräte selber aus Spaß. :)
GR: Wie würdest du den GP2X in drei Worten beschreiben?
MM: In drei Worten...? Oha... Homebrew für Alle. :D Naja, ist schwer. Man kann soviel mit machen. Handheld für Geeks. :P
GR: Was sind die Haupteinsatzgebiete für das Gerät?
MM: Nun, ich denke, die meisten erleben mit Emulatoren ihre Kindheit wieder. :) Viele finden es aber auch toll, abends heimzukommen und wieder neue Homebrewspiele auszuprobieren. Und mit Verbesserungsvorschlägen und Diskussionen im Forum diese zu verbessern.
GR: Das Thema "Emulation" ist ja auch nicht ganz unumstritten. Wie sieht es da mit der rechtlichen Situation aus?
MM: Emulatoren an sich sind weder verboten noch illegal. Illegal ist lediglich, urheberrechtlich geschütztes Material zu spielen. Aber das ist es am PC auch. :) Man darf sich in Deutschland selber Privatkopien von nicht kopiergeschützten Spielen machen. Heißt: Wenn ich ein Gerät habe, welches mir SNES oder MegaDrive-Module ausliest, darf ich diese legal auf meinem
Wiz spielen. Beim Amiga haben viele Entwickler ja die Spiele sogar zum freien Download angeboten.
Interessant ist da ein weiteres Homebrew-Projekt namens
»Retrode. Hier kann man SNES / MegaDrive-Spiele per USB einfach am PC auslesen. Das Gerät meldet sich als Massendatenträger und auf diesem sind die eingesteckten Roms. Die Szene ist durchaus interessiert, legal zu emulieren. Viele haben ja Module noch daheim herumstehen.
GR: Einige Emulatoren benötigen ja auch die Original-Roms. Der WinUAE (Emulator des Amiga) z.b. nimmt seinen Dienst erst nach Einbau des Kickstart-Roms auf. Wo kann man diese legal erwerben?
MM: Zum Beispiel mit dem Amiga Forever Paket der Firma Cloanto. Ich selber hatte auch einen
USB-Competition Pro im Angebot, bei dem Amiga Spiele mit Emulator und legalen Roms beigelegt waren. Auch kann man diese auf dem Amiga selber auslesen, wenn man noch einen hat. Es gibt also durchaus Möglichkeiten. Nicht vergessen sollte man die vielen legalen Roms: Die Homebrew-Szene gibt es ja nicht nur für den
Wiz oder
GP2X, sondern auch für GBA, SNES etc. Auf
»www.pdroms.de findet man zig Homebrewspiele für verschiedene Konsolen, die man auch alle am Emulator laufen lassen kann. GPH hat zudem angefangen, einige Spiele zu lizenzieren. So gibt es noch diesen Monat ein Spielepaket von GPH für 17 Euro, in dem neben zwei
Wiz-Spielen auch noch fünf lizenzierte emulierte Spiele dabei sind.
GR: Einige Firmen wie Cinemaware oder auch Factor 5 bieten Roms auf ihrer eigenen Homepage zum Download an. Was hältst du von dieser Vorgehensweise?
MM: Ich finde diese Vorgehensweise fantastisch. Wobei man die beiden unterscheiden muss: Factor 5 schreibt dazu, dass man das Original besitzen muss. Cinemaware gibt die Spiele für alle frei. Gab es ja schon öfter:
Lure of the Temptress,
Flight of the Amazon Queen. Ich finde das wirklich fair von beiden Herstellern: Sie sind mit den Spielen groß geworden und geben als Dank Jahre später die Spiele für alle frei. Auch für die, die sie früher gerne gespielt haben. Ich wünschte, viele Softwarehäuser würden das so machen. Gerne auch für ein paar Euro. Ich kenne viele, die für die meisten Spiele ein paar Euro sofort zahlen würden.
GR: Wie sieht es mit der Bedienung des Wiz aus? Die Installation der einzelnen Spiele ist mitunter ja nicht ganz einfach.
MM: Nun, man muss nur folgendes können: ZIP-Archive herunterladen und auf SD-Karte entpacken. Wer das hinbekommt, hat schon mal gewonnen. Englisch sollte man auch können - die meisten Spiele und Anleitungen der Spiele sind auf Englisch. Allerdings bekommt man im deutschen Forum auch immer schnell Hilfe.
GR: Vor dem Interview habe ich natürlich auch den Selbstversuch gewagt. Einige Emulatoren sind in der Tat simpel in der Bedienung, wenn man ein wenig die Anleitung studiert. Programme wie MAME (Emulation von Arcadeautomaten) oder GnGeo (Neo Geo) hingegen benötigen schon ein wenig mehr Einarbeitungszeit. Zumindest, wenn man mit der Materie nicht so vertraut ist.
MM: Bei Emulatoren selber, klar. Da hilft einem aber auch die Community schnell weiter. Mit dem
Wiz an sich kommt man aber schnell zurecht. Ich bin jetzt z.B. von Homebrew-Spielen ausgegagen. Da reicht ein Entpacken ja aus. Man sollte aber immer Experimentierfreude mitbringen - denn auch Homebrewgames können Bugs haben. Allerdings finde ich es sehr interessant, wie sich die Spiele vom ersten Konzept bis zum fertigen Produkt weiterentwickeln. Bei welchen Spielen kann man schon alles mitverfolgen, Alphas und Betas testen und selber Ideen, Grafiken oder Sound beisteuern?
GR: Bleiben wir noch einmal kurz bei den Emulatoren. Welchen Emulator empfiehlst du für Anfänger? Welcher Emulator ist besonders komplex in der Bedienung?
MM: PicoDrive (SEGA Mega Drive) ist eindeutig super einfach in der Bedienung und läuft gleich problemlos. Gefolgt von PocketSNES, da muss man aber schon, je nach Spiel, ein wenig an den Einstellungen basteln. Am komplexesten sind wohl - wie in der PC-Welt auch - die Arcade-Emulatoren. Also MAME, gngeo etc. Da muss man sich schon einmal reinfressen. Dann aber kein Problem mehr.
GR: Wie groß ist das Spieleangebot für den Wiz, was die Homebrew-Geschichte betrifft?
MM: Laut Archiv sind es momentan 147 Spiele.
GR: Und stetig wachsend, wie ich annehme.
MM: Ja, es kommt jede Woche neues dazu.
GR: Vielleicht willst du noch ein paar Worte über die Multimedia-Fähigkeiten des Wiz verlieren?
MM: Naja, die sind nicht spektakulär. Er spielt Videos (AVI Divx, xvid) und Musik. Und kann ein bißchen Flash. Wobei das OLED bei Filmen wirklich genial aussieht. :) Ist aber schön, mal unterwegs im Bus neben Spielen auch einen Film ansehen zu können. :)
GR: OK, zum Abschluss vollende bitte die folgenden Sätze. Meine drei Lieblingsspiele für den Wiz aus dem Homebrewbereich sind...
MM: 1. Gianas Return
2. Monster 2
3. Skull
GR: Meine Lieblingskonsole / mein Lieblingshomecomputer ist...
MM: SNES und Amiga
GR: Der beste Videospieldesigner heißt...
MM: Shigeru Miyamoto
GR: Die meiste Spielzeit habe ich verbracht mit...
MM: Keine Ahnung... entweder ein RPG oder
Turrican 2. Oder auch
Bubble Bobble. Oder
Alter Ego. Oder
Mule.... gibt so viele, die ich immer wieder spiele.
GR: Die Anzahl der verkauften Wiz in Deutschland beläuft sich auf etwa...
MM: 600… Tendenz stark steigend.
GR: Möchtest du den Usern von GameRadio noch etwas mitteilen?
MM: Wer mal was anderes möchte, sollte sich hier mal umschauen. :) Ist ein ganz besonderer Spaß. :D Und ich hab Euch alle lieb. :lol:
Wer Michael einmal selbst kennenlernen möchte, sollte sich den 6. März vormerken. Dann hält Michael einen Vortrag über Open Source Handhelds. Im Rahmen der diesjährigen CeBIT wird Michael um 12:00 auf der Linuxhotel-Bühne zu sehen und zu hören sein.