Für jeden Videospiel-Fan stellt die Film-Umsetzung seines Lieblingsspiels zugleich große Freude und großen Frust dar. Klar, freut man sich, dass der geliebte Stoff nun bombastisch über die große Leinwand flimmern soll. Andererseits muss man angesichts von Streifen wie „Alone in the Dark“ oder „Resident Evil“ mit dem Kopf schütteln, was dort aus den geliebten Helden gemacht wurde. Die Thematik verlässt die Hinterzimmer der Konsolenzocker und wird einer breiten Masse zugänglich gemacht, um so mehr Akzeptanz für das zu unrecht teils negativ behaftete „Killerspiel“-Hobby zu erhaschen. Allerdings sieht man als Kenner der Materie oder wie man im Fall von "Final Fantasy" auch sagen kann, als Kenner der Materia, dass die Kompromisse teilweise zu groß sind. Ich bin der Angelegenheit aus der Perspektive eines „Street Fighter“-Fanboys nachgegangen, denn besonders hier liegen gelungene und verkorkste Umsetzungen nah beieinander.
Street Fighter – The Animated Movie
… Oder "wie ich auf Anime aufmerksam wurde". Denn das beste Beispiel für eine Videospiel-Umsetzung findet ihr bei diesem Film. Hier ist noch alles so wie es sein sollte. Die Idylle wie man sie aus der Spielanleitung von "Street Fighter II" kennt. Was ich damit meine? Capcom hat nach dem sensationellen Erfolg des Nachfolgers zum recht bescheidenen „Fighting Street“ der Serie immer neue und unsinnige Aspekte hinzugefügt, so dass man die einzelnen Teile gar nicht mehr für voll nehmen kann. Immer mehr überhäufte Capcom die Charaktere, so dass man sich mit "SF Alpha 3" den Charakter-Overkill mit über 30 Recken geben konnte. Auch das immer comic-artigere Design der Kämpfer gipfelt darin, dass sie in der "Marvel vs. Capcom"-Serie neben Größen wie Spiderman oder Wolverine nicht als Fremdkörper, sondern vielmehr als erweitertes Universum der Marvel-Reihe wirken.
Bei „Street Fighter – The Animated Movie“ hingegen ist man wieder zu seinen Wurzeln zurückgekehrt. Hier hüpft weder ein Guy noch ein Cody aus dem Capcom-Sidescroller „Final Fight“ herum, noch gibt es die lebende Parodie auf SNKs „Art of Fighting“-Helden Ryo Sakazaki, der auf den Namen Dan hört. Bereits die Eröffnung des Films ist klassisch, denn wir erleben den Kampf zwischen dem gefühlten 3-Meter-Mann Sagat, der vor Muskeln kaum mehr gehen kann, gegen Ryu, der den Kampf anschließend für sich entscheidet, indem er mit letzter Kraft den genretypischen Feuerball verwendet. Nicht auszudenken, dass in guten Kämpfen diese Projektile zu Dutzenden über den Screen flitzen. Der Soundtrack ist bombastisch und die Kämpfe packend inszeniert. Einziger Kritikpunkt: Die Story ist absoluter Blödsinn, denn der böse General Bison versucht mittels seiner Psycho-Energie die Welt zu kontrollieren. Und da Ryu nur damit beschäftigt ist umherzuwandern, schnappt sich der Bösewicht kurzerhand Ken, der seine phänomenale Kampfkraft in seinen Dienst stellen soll. Aber wen interessiert das denn, wenn Ryu den Dragon Punch in der Schrankwand-großen Brust von Sagat versenkt und ihm so seine charakteristische Narbe zufügt.
Street Fighter Alpha
Welchen Spruch bekommt man zu hören, wenn der meist deutsche Nachwuchs rotzfrech das ganze Restaurant mit lauter plärrender Stimme unterhält und mir zum zweiten Mal gegen das Schienbein tritt? Genau, den Klassiker. „Waren Sie nie jung?“ Doch, aber ich scheine wohl privilegiert aufgewachsen zu sein, weil ich auf eine Erziehung zurück blicken darf. Nichts desto trotz habe ich mir das Gesicht des kleinen Halunken eingeprägt und werde in einigen Jahren meine Kinder instruieren ihm gekonnt mit einigen Tritten gegen das Schienbein mein Humorverständnis näher zu bringen. Ryu jedenfalls war auch mal jung. Gut, wohl auch so jung, dass er in Restaurants herumgerannt ist und sich die Eltern voller anti-autoritärer Erziehung selbst vor das Schienbein getreten haben, aber mit „Street Fighter Alpha“ überspringen wir diese Episode und blicken gleich auf seine Jugendjahre. Denn damit es ihm bei dem ganzen Training nicht zu wohl in seinem Dojo wird, verstirbt kurzerhand sein Lehrmeister, was ihn auf eine Reise in die große weite Welt zwingt. Kurz nach Reiseantritt rettet Strahlemann Ryu auf der Straße ein Kind vor Agenten der bösen Bison-Organisation Shadowlaw und rennt dabei gleichzeitig in Chun-Li, die auch damals bereits für Interpol ermittelte. Die Fronten dürften damit also geklärt sein. Und als Ken und Ryu vor dem Grab des verstorbenen Meisters ihre Blumen niederlegen, kommen ihm Visionen des neuen Obermotz Akuma. Nachdem wir auch noch Ryus kleinen Bruder kennengelernt haben, läuft alles geradlinig auf den finalen Showdown hinaus.
Der ganze Film wirkt so, als ob jemand eine Fan-Fic über den Arcade-Mode von „Street Fighter Alpha 2“ geschrieben hätte. Auch die Zeichenqualität reicht nicht an die des „Animated Movie“ heran. Die Geschichte ist durchschnittlich, aber unterhaltsam. Im Großen und Ganzen muss man den Film nicht gesehen haben, aber es schadet auch nicht, einen Blick zu riskieren.
Street Fighter: Alpha Generations
Komplett eigenständig und nur für den englischen Markt produziert ist „Street Fighter Alpha Generations“. Und so fühlt sich der Streifen auch an. Der Zeichenstil entstellt die liebgewonnen Charaktere, so dass man doppelt hinschauen muss, um die Protagonisten zu erkennen. Nichts desto trotz stammen die Animationen alle aus japanischer Hand. Die Geschichte wirkt ungemein düster und erinnert mehr an den Anime „Akira“ als an die vorangegangen Filme. Erneut wird die Geschichte um den toten Lehrmeister von Ryu zum Thema gemacht, nur dass man auch etwas über den mysteriösen Akuma in Erfahrung bringen kann. Zumindest hat man alles nach rund einer Dreiviertel-Stunde hinter sich gebracht, um festzustellen, dass der Karate-Kämpfer auch Tetsuo statt Ryu heißen könnte, so sehr fühlt sich „Alpha Generations“ als Fremdkörper im Capcom-Universum an.
Street Fighter: Die entscheidende Schlacht
Im Mittelpunkt dieser Inszenierung stand aufgrund einer Umfrage beim amerikanischen Zielpublikum ausnahmsweise nicht Ryu, sondern Captain William Guile von der US-Airforce. Mit Jean Claude Van Damme hatte man auch einen Martial-Arts-Film erfahrenen Darsteller für sich gewinnen können, wenn dann nicht dieses dämliche Film-Script die Realverfilmung nicht nur zu einer Lachnummer unter Videospiel-Fans, sondern auch unter normalen Zuschauer hätte werden lassen. Schade, denn grundsätzlich war der Ansatz mutig, auf eine ernst zu nehmende Story zu bauen, anstatt auf das stetige Samurai-Gehabe à la „Ich bin immer auf der Suche nach dem größten Kampf“. Aber alles von Anfang an. Im asiatischen Staat Shadoloo macht sich General M.Bison daran, von der freien Weltbevölkerung 20 Milliarden Dollar zu erpressen, indem er mit dem Tod der 60 gefangen gehaltenen UN-Mitarbeiter droht. Kein Wunder, dass Guile da nicht mehr ruhig schlafen kann. So schleust er Ryu und Ken, die hierzu kurzerhand zu Kleinkriminellen degradiert wurden, in das Verbrechersyndikat von Sagat ein, das eng mit dem von Bison verknüpft sein soll. Zu guter Letzt kommt Guiles Rettungsplänen auch noch die Fernsehreporterin Chun-Li zu Hilfe, die mit ihrem Kamerateam Balrog und Honda auf schlagkräftige Unterstützung hoffen kann. Ihr merkt schon, dass man sich hier kaum an die Vorgaben aus den Spielen gehalten hat. Aber nicht nur deswegen ist der Film zum Davongelaufen. Einzig und allein die Aspekte, dass sich erstmals Kyle Minogue als Cammy nach längerer Pop-Abstinenz auf die Leinwand zurückmeldete, der verstorbene Bison-Darsteller Raul Julia hier seinen letzten Film ablieferte und die Verfilmung an sich so dermaßen schlecht ist, dass sie wieder sehenswert ist, machen „Die entscheidende Schlacht“ interessant. Wer gelungene Fight-Action sehen will, der schaut sich lieber die „Street Fighter“-Parodie in Jackie Chans „City Hunter“ an, der übrigens ebenfalls auf einem Anime basiert.
Street Fighter Victory
Wer „Street Fighter“ im Serien-Format erleben will, dem rate ich zu der japanischen Umsetzung „SF: Victory“ anstatt zum missglückten US-Zeichentrickserien-Adaption „SF: Code of Honor“ oder „SF: Soul Powers“, die mehr den Zweck haben, den Absatz von Actionfiguren zu steigern als das Universum zu erweitern. So hält man sich auch komplett blödsinnig an die Serienvorgabe, indem Ken den bekannten Hurricane Kick so inflationär gegen seine Feinde einsetzt, dass man das Gefühl bekommt, er würde mit dieser Attacke auch morgens zur Arbeit fliegen, weil es ja bequemer ist als Laufen. Die Charaktere selbst sind so austauschbar gestaltet worden, dass man locker auch Wolverine oder Spongebob ihre Parts hätte einnehmen lassen können. Wie gesagt, Ziel ist ja nur die bloße Umsatzsteigerung der Spielzeugindustrie. Also vergessen wir schnell die bloße Existenz dieser beiden US-Produktionen und widmen uns „Street Fighter Victory“, die das Prügelspiel auch sehr frei auslegt. Das liegt aber daran, dass sich mit Capcoms Herangehensweise zwar ein gutes Prügelspiel produzieren lässt, aber leider keine gute Anime-Serie.
Wir begeben uns in die alternative Jugend von Ryu, der mit seinem hochgelegten Haaren kaum dem bekannten Vorbild ähnelt, wo er von seinem stinkreichen Freund Ken Masters eine Einladung in die USA erhält. Dort haben die beiden nur Blödsinn im Kopf, so dass die nächste Schlägerei nicht lange auf sich warten lässt. Allerdings haben die Beiden den Fehler gemacht, die Jungs von Captain Guile im Dreieck rumzuschlagen, so dass ihnen auch anschließend das gleiche Schicksal anhand des übel gelaunten Blondschopfs winkt. So gedemütigt beginnt in bester World-Warrior-Tradition eine Rundreise um die Erde, wo sich die beiden Protagonisten in Thailand das Kickboxen beibringen lassen und in Hong Kong mit Fei Long aneinander geraten. Natürlich muss der geneigte Zuschauer auch nicht lange auf die bekannten Serienelemente wie M. Bisons Shadowlaw-Organisation oder Ryus Feuerball warten.
Street Fighter: The Legend of Chun-Li
Hilfe, noch eine Realverfilmung und dann auch noch mit Kristin Kreuk in der Hauptrolle, die mich bereits in Smallville mit ihrer nervigen Rolle in den Wahnsinn getrieben hat. Obwohl ich eine persönliche Antipathie gegen die Besetzung des Films hege, bin ich objektiv genug, um zu sagen, dass sie sich für die Rolle als Chun-Li als äußerst passend erweisen kann. Der Streifen entsteht in Bangkok und soll noch dieses Jahr in die Kinos kommen. Die Trailer machen einen interessanten Eindruck, drängen mir aber das Gefühl auf, dass es sich hier um einen Jason-Statham-Film handelt. Soll heißen, wenn man „Transporter“ & Co. gesehen hat, wurde man blendend unterhalten. Hat man das allerdings versäumt, ist das auch kein Beinbruch. Auch das restliche Star Line-Up kann zwar keinen Brad Pitt oder gar den alternden Keanu Reeves aufweisen, aber Balrog und Bison sind so bezeichnend mit Hollywoods zweiter Garde versehen worden, dass der Streifen meinen Kino-Besuch schon mal sicher hat. Und sei es nur deswegen gewesen, um anschließend darüber hier Kritik üben zu können.