AEG, THQ und SNK – alles Beweise, dass Unternehmen aus drei Buchstabenden bestehende Firmenbezeichnungen lieben. Wohl so sehr, dass die Fantastischen Vier dies schon zu Recht in ihrem Lied „MFG" parodiert haben. Zumindest aber beim letzten Kürzel bekommen Videospielnostalgiker feuchte Augen. Denn SNK steht insbesondere für die Ursprungsstätte vieler herausragender Shooter und Prügelspiele, darunter auch die "Metal Slug"- und die "King of Fighters"-Reihe. Drehen wir also die Zeit zurück und begeben uns dahin, wo die Spiele zweidimensional waren, es noch Module gab und die Sony Playstation noch als CD-Laufwerk zum Super Nintendo geplant war.
Japan – ein Sommermärchen
Es war einmal im Juli 1978. Damals wurde die Shin Nihon Kikaku Corporation gegründet, die wohl wegen genannter Affinität zu Abkürzungen fortan nur SNK genannt werden wollte. Vielleicht versuchte man aber so nur zu verschleiern, dass die Firmenbezeichnung in der Übersetzung so etwas Einfallsloses wie „neues japanisches Projekt“ bedeutet. Das hätte im Nachhinein aber sowieso niemanden interessiert, wenn nach einigen glücklosen Spiele-Veröffentlichungen wie „Safari Rally“ oder „Vanguard“ nicht mit dem Neo Geo MVS der Durchbruch gelungen wäre. In dem Automatensystem konnte der geneigte Spielhallenbesitzer entgegen der handelsüblichen Anzahl von nur einem Titel nämlich bis zu sechs Spiele unterbringen. Das war ein echtes Verkaufsargument für die damalig stark boomende Spielhallen-Branche. Schließlich musste nur die Software ausgetauscht werden und nicht ständig neue Automaten erworben werden.
Bigger, badder, better
Mit noch mehr Ruhm bekleckerte sich SNK als sie mit der Konsole Neo Geo Home System die ersten 1:1 Arcade Umsetzungen für die heimischen vier Wände realisieren konnten. Bei der Portierung der Games für das leistungsschwächere Super Nintendo musste die technische Überlegenheit der SNK-Konsole mit fehlenden Charakteren und weniger Spielmodi teuer erkauft werden. Einziger Haken, der den kommerziellen Erfolg des Ganzen doch verhinderte, war der immense Preis. Die Neo Geo AES-Konsole kostete damals umgerechnet 500 € und die Module dazu schlugen jeweils nochmal mit 200 € aufwärts zu Buche. Im Vergleich dazu müsste man heute also eine Playstation 3 mit Games zum Preis einer Xbox 360 Arcade füttern. Dabei waren den Kosten im Laufe der Lebensdauer der Hardware keine Grenzen gesetzt. Zu Spitzenzeiten mussten für ein neues „Garou – Mark Of The Wolves“ locker über 600 € berappt werden. Grund war die immer geringere Stückzahl der Module, die wegen des schrumpfenden Absatzes in immer kleineren Auflagen produziert wurden. So blieben Meisterwerke wie „The Last Blade“, “ Samurai Showdown“, “ Viewpoint“ oder“ Art of Fighting“ der Allgemeinheit erst mal vorenthalten. Da die Qualität der Titel aber auch heute noch mehr als überzeugt, sind die derzeitigen Sammlerpreise für die Module entsprechend hoch.
King of Ladezeiten
1994 erschien mit dem Neo Geo CD SNKs Versuch, mit der CD als Datenträger die breite Masse anzusprechen. So konnten die Kosten für die Spiele immens gesenkt werden. Die Zeichen standen gut, denn im gleichen Jahr erschien ebenfalls der erste Teil der „King of Fighters“-Erfolgsserie, in dem erstmals die Charaktere der bisherigen hauseigenen Beat’em Up-Reihen serienübergreifend gegeneinander antreten konnten. Zwar gaben „Art of Fighting“-Held Ryo Sakazaki und „Fatal Fury“-Obermotz Geese Howard bereits als Easteregg hier und da ihr Stelldichein, aber dieser Kampf war bereits nach zwei gewonnen Runden zu Ende. Doch SNKs Plan scheiterte schließlich daran, dass die Hardware lediglich über ein zu langsames Single Speed-Laufwerk verfügte und mit 7 MB internem Arbeitsspeicher ständig für die umfangreichen Spieltitel nachladen musste. Mich verfolgen heute noch das jonglierende Äffchen aus „KOF94“ oder das selbstablaufende Kartenspiel aus „Samurai Showdown 2“ als Ladezeitenanimation in meinen Videospielalbträumen.
Der Niedergang von SNK
Während das Neo Geo AES als eine Art Hybrid zwischen 8- und 16-Bit Konsole seiner Zeit weit voraus war, wurde es mit dem Beginn der 32-Bit Ära von Sega Saturn und Sony PSOne letztendlich doch zum alten Eisen gelegt. Nichts desto trotz brauchte der Sega Saturn einen extra RAM-Baustein, um eine 1:1-Umsetzung der Hits des Neo Geo zu gewährleisten. Bei der Playstation ohne dieses Extra musste dann eben auf ein paar Animationen verzichtet werden.
Nun brach SNKs schwärzeste Stunde an: Die 64-Bit Hardware Hyper Neo Geo 64 floppte. Es sollte die Leistungsfähigkeit des alten Neo Geo im 2D-Bereich haben und zusätzlich fulminante 3D-Spiele ermöglichen, um den Rückstand auf die Konkurrenz wieder einzuholen. Jedoch waren die Grafiken der auf der neuen Hardware basierenden Spiele unansehnlich und konnten bereits von der PSOne problemlos dargestellt werden, da sich die Games grafisch auf "Tekken 2"-Niveau befanden. Um dieses Manko auszugleichen, setzte SNK dann auf komplexes Gameplay, was zu einer längeren Einarbeitungszeit bei den Spielen führte - sehr schlecht für den Arcade-Markt und damit fatal für die sowieso schon angeschlagene Spieleschmiede. Doch zumindest der Ruf von SNK wurde durch die guten Dreamcast-Ports der "KOF"-Teile und den Neo Geo Pocket, der eine gute Alternative zum Game Boy für Prügel- und Shoot'em Up-Fans war, etwas wiederhergestellt. Leider floppte auch diese Hardware schnell, weil auf dem Handheld-Sektor gegen Platzhirsch Nintendo kaum zu gewinnen war. Auch Sony tut sich aktuell mit seiner mobilen PSP-Konsole hier mehr als schwer.
Work less, play more
Ganz entgegen der Maxime aus dem Xbox 360-Werbespot, entschloss sich Firmengründer Eikichi Kawasaki, nach dem Konkurs von SNK im Herbst 2000, nicht sich mit seiner persönlichen Niederlage zu Recht abzufinden und gründete Playmore. Die Firma schaffte es nach einer Reihe Akquisitionen, den ehemaligen Firmenbesitz von SNK vom neuen Rechteinhaber Azure zurück zu ergattern, was seither mit ihrem neuen Titel SNK Playmore gehuldigt wird. Fragt sich nur, wann hier der Drei-Zeichen-Abkürzungswahn zuschlägt. Aktuell konzentriert man sich auf die reine Software-Entwicklung und hat genauso wie der einstige Branchenriese Sega komplett Abstand von der Entwicklung einer neuen Konsole genommen, schade.