Wer PSP-Spiele auf dem grossen TV-Bildschirm erleben will, braucht entweder eine Portierung des Spieles für eine stationäre Konsole oder eine modifizierte PSP Slim & Light. Diese lässt sich durch ein zusätzliches Kabel nämlich an den TV anschliessen, offiziell allerdings nur für die Wiedergabe von Fotos und Videos. Mit der alten, dicken PSP ist das leider nicht möglich. Wir haben uns nach einer Lösung umgesehen...
Abfilmen oder abgreifen?
Wenn man nach einer Lösung sucht, findet man zwei verschiedene Ansätze: Es gibt Aufsätze, die das Bild der PSP vom Bildschirm abfilmen und dann auf den TV übertragen und richtige Einbaukits, die das Bildsignal direkt zwischen PSP-Hauptplatine und Display abgreifen und über einen eigenen Port ausgeben. Wir haben uns für unseren Test für die zweitere Lösung entschieden, da uns diese als qualitativ besser erscheint – Kratzer und dergleichen auf dem Display dürften hier das Bild ja nicht beeinflussen.
Phase 0: Wie funktioniert das?
Beim Einbau wird die Frontschale der PSP entfernt (hierbei erlischt auch der Garantieanspruch!), das Display muss samt Rahmen entfernt werden und die Tastenblöcke werden ausgetauscht. Das alles hat einen Grund: Zwischen das PSP-Mainboard und dem Display wird eine neue flexible Platine geschaltet. Diese fungiert im Grunde als Verteiler – das Signal gelangt an das Display, aber auch an einen Port, der später unterhalb der PSP erreichbar ist. Gleichzeitig sorgt dies auch dafür, dass die Tasten des Handhelds später über das PS2-Pad bedient werden können.
Phase 1: Der Einbau
Vor dem Spielspaß steht aber erstmal der Einbau. Im Paket ist alles enthalten: Drei Austausch-Faceplates (mattsilber, mattschwarz, transparent-blau), die Docking-Station, eine superdünne Soft-Platine, AV- und S-Video-Kabel, zwei Schraubendreher und diverse Kleinteile. Als Anleitung müssen englischsprachige, dafür immerhin (schwarz-weiss) bebilderte, Einbau-Hinweise herhalten. Die sollte erfahrenen Schraubern aber vollkommen ausreichen.
Zunächst müssen der Akku sowie das Front-Cover der PSP entfernt werden. Hiermit erlischt jedoch auch die Garantie des Sony Handhelds. Ist die Abdeckung entfernt, muss eine Sicherheitshalterung vom Display sowie die Schultertasten herausgenommen werden. Mit einem flachen Schraubendreher wird vorsichtig das Display aus seiner Halterung gehebelt, bevor man sich daran machen kann, dessen Stromversorgung und I/O-Connection zu lösen. Die Metallplatte, die das Display gehalten hat, kann dann nach dem Lösen sechs weiterer Schrauben ausgebaut werden. Nun müssen die Tastenfelder, bzw deren flexible Platinen entfernt werden und die PSP liegt so vor euch, wie ihr sie auf unserem ersten Bild seht. Als nächster Schritt wird die flexible Platine der PSP2TV angeschlossen – diese ersetzt zugleich die nun fehlenden flexiblen Platinen der Tastenblöcke. Danach geht es an das Zusammensetzen: Display-Halterung rein, Display anschliessen und Sicherheitsbügel drüber. Nun müssen aus der Front-Abdeckung der PSP alle Plastikteile entfernt und in die neue Frontabdeckung eingebaut werden. Diese kommt nun auf die PSP, bekommt am neuen TV-Ausgang eine Abdeckung und der Einbau ist überstanden.
Liest sich hier recht leicht, stellt aber auch für geübte Bastler eine Fummel-Arbeit dar.
Phase 2: Anschluß am TV
Hat man den Einbau erst einmal hinter sich gebracht, ist der Rest ein Kinderspiel: Die PSP in die mitgelieferte Docking Station einsetzen, diese an das Ladekabel der PSP anschliessen sowie mit einem der mitgelieferten Kabel (die beste Qualität liefert hier ganz klar der Anschluß per S-Video) an den Fernseher anschliessen und schon kann es losgehen. PSP starten, passenden Kanal am Fernseher einstellen... perfekt.
Zusätzlich dürft ihr noch festlegen, ob ihr das Bild in 4:3 oder 16:9 am Bildschirm sehen wollt. Da sich die PSP, in die Docking Station eingesetzt, nicht mehr komfortabel halten lässt, empfiehlt sich der Anschluß eines PS2-Controllers. Dies funktionierte in unseren Tests leider nicht mit einem Funk-Controller, mit dem kabelgebundenen Dual Shock 2 stellte es aber kein Problem dar. Hierbei muss man beachten: R3 fungiert als "
Home"-Button, mit L1+R1 lässt sich die Lautstärke regeln. Die UMD-Lade lässt sich glücklicherweise auch öffnen, wenn die PSP in der Docking Station klemmt.
Mit der Bildqualität punktet PSP2TV erneut, auch wenn diese von Situation zu Situation schwankt. Vor allem bei kleineren Schriften werden einzelne schmale Buchstaben (besonders das "i") gerne mal "verschluckt".
Gutes System mit Schwächen
Das Paket hinterlässt aufgrund der Ausstattung (Kabel und alles enthalten) einen sehr positiven Eindruck. Dieser wird aber sehr bald getrübt: Aufgrund der veränderten Bauform passt die PSP nicht mehr in die handelsüblichen PSP-Taschen, zudem stört der neue Port unter Umständen beim normalen Spielen (also nicht über PSP2TV, wo die PSP ja in der Docking Station sitzt). Dazu kommt das 60Hz-Signal, das ältere TV-Geräte leider nicht mögen.
Am schwerwiegensten jedoch wird der positive Eindruck durch einen Fehler im Standby getrübt, der dazu führt, dass ein fehlerhaftes Bild an das Display der PSP gesendet wird, sobald man diese aus dem Standby "weckt". Woran das liegt, konnten wir leider nicht herausfinden. Das Problem bezieht sich lediglich auf die Ausgabe auf dem PSP-Display selber, am TV-Ausgang liegt das richtige Signal an. Schon seltsam, zumal das XMB der PSP davon offensichtlich verschont bleibt.
Ob sich das Gerät als Alternative zu einer Slim & Lite rechnet, muss jeder für sich selbst beantworten. Die preisliche Differenz zwischen den beiden Lösungen fällt jedenfalls recht gering aus.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
