Auf der Gamescom in Köln hatten wir die Gelegenheit, sowohl Gran Turismo 5, als auch Need for Speed: Shift anzutesten. Während Sony bei seiner neuen Rennsimulation eher auf konsequente Weiterentwicklungen setzt, wagt Electronic Arts einen kompletten Neubeginn. Wir lassen beide Titel gegeneinander antreten und schauen, welcher die besseren Karten hat, dieses Jahr der Referenztitel im Rennspiel-Genre zu werden.
Runde 1: Der Umfang
Die
Gran-Turismo-Reihe war schon immer für ihren gigantischen Umfang bekannt. Auch im nunmehr fünften Teil bleiben die Entwicker von Polyphony Digital der Tradition treu und bieten mit rund 1000 Autos und 20 Strecken in 50 Variationen ein riesiges Paket für Rennspielfans. Mit der unglaublichen Wagenanzahl dürfte
Gran Turismo 5 sogar einen neuen Rekord im Genre aufstellen.
Need for Speed: Shift fällt im direkten Vergleich deutlich weniger umfangreich aus, kann sich aber an und für sich noch immer sehen lassen: Ca. 70 Autos und 16 Strecken sollen hier geboten werden. Mehr als nur ausreichend. Dennoch muss EA's Spiel in dieser ersten Runde den Kürzeren ziehen.
1:0 für Gran Turismo 5
Runde 2: Die Fahrphysik
Gran Turismo 5 erweist sich als äußerst realistisches Rennspiel. Wer hier nicht rechtzeitig vor einer Kurve abbremst, hat das Nachsehen und gewinnt keinen Blumentopf. Dank der zahlreichen Fahrhilfen dürften sich aber auch Einsteiger schnell zurechtfinden und schon relativ rasch erste Erfolgserlebnisse einfahren.
Need for Speed: Shift schlägt in die gleiche Kerbe. Während es bisher in der
NfS-Serie nur sehr selten nötig war, die Bremsen-Taste zu betätigen, ist dies in EA's neuem Raser von entscheidender Bedeutung für den Sieg. Wie im Konkurrenztitel von Sony fahren sich die Autos sehr realistisch, aber auch hier können Anfänger sich Fahrhilfen hinzuschalten und es erstmal langsam angehen lassen. Insgesamt betrachtet nehmen sich beide Spiele in Sachen Fahrphysik also nicht viel und stehen auf gleicher Ebene, sodass wir hier keinen Sieger kühren können.
1:1 für beide Spiele
Runde 3: Die Steuerung
Sehr wichtig bei einem möglichst realistischen Rennspiel ist natürlich auch eine gute Steuerung. Denn ohne eine solche läuft gar nichts.
Gran Turismo 5 konnten wir mit einem Force-Feedback-Lenkrad anspielen und, oh Wunder: Es steuert sich fantastisch! Sowohl die Lenkung, als auch die Beschleunigung und das Bremsen funktionierten tadellos.
Need for Speed: Shift hingegen konnten wir nur mit einem Gamepad spielen. Jedoch konnten wir so quasi den "Härtetest" durchführen, denn gute Lenkräder kosten nunmal auch viel Geld, sodass viele Spieler sich mit dem normalen Controller zufrieden geben müssen. Da ist es natürlich wichtig, dass man auch mit diesem vernünftig zocken kann. Im Falle von
Shift ist das definitiv der Fall. Mit dem Analogstick lassen sich die Wagen sehr gut lenken und auch Gasgeben und Bremsen sind kein Problem. Und mit einem vernünftigen Lenkrad kann das ganze ja eigentlich nur noch besser sein. Die Frage ist jetzt nur: Wie steuert sich
Gran Turismo 5 per Gamepad? Das bleibt noch abzuwarten, weshalb EA's Raser erstmal einen kleinen Vorteil hat. Da wir aber nichts bewerten können und wollen, was wir nicht selbst ausprobiert haben, gibt es keinen Sieger in dieser Runde, da sich beide mit dem jeweiligen Eingabegerät hervorragend spielen ließen.
1:1 für beide Spiele
Runde 4: Die Grafik
Gran Turismo 5 wartet mit einer äußerst schicken Grafik auf. Besonders die Modelle der Autos stechen mit ihrem Detailreichtum hervor. Aber auch die Streckendetails scheinen sich im Vergleich zur
Prologue-Version gebessert zu haben. Zumindest sah die in der Messe-Demo verfügbare Piste optisch sehr gut aus.
Need for Speed: Shift sieht allerdings auch alles andere als schlecht aus. Ganz besonders das Innere der Autos, sprich das Amaturenbrett etc. wurde extrem aufwändig nachgebaut und scheint 1:1 aus der Realität entnommen zu sein. Aber auch die Strecken sehen sehr gut aus. Besonders die Bäume wirken, als wären sie echt, gerade wenn diese an der Seite an einem vorbeiziehen. Auch die Wagenmodelle machen einen exzellenten Ersteindruck. Welches Spiel also das grafisch Schönere ist, konnten wir so auf Anhieb also nicht feststellen. Deswegen gibt es auch hier für beide erneut einen Punkt.
1:1 für beide Spiele
Runde 5: Die Atmosphäre
In Sachen Geschwindigkeitsgefühl lässt sich
Gran Turismo 5 nichts zu schulden kommen. Anders sieht es bei Unfällen aus: Zum ersten Mal in der Serie ist ein Schadensmodell im Spiel enthalten, Gerüchten zufolge soll dieses jedoch auf gerade einmal 170 der 1000 Autos beschränkt sein. Ob wir es dennoch in der Demo begutachten konnten, können wir gar nicht sagen. Denn irgendwie gelang es uns nicht, die Kameraperspektive zu ändern. Und leider war eine aktiviert, in der wir nichts von unserem Wagen sahen.
Dafür können wir sagen, dass Unfälle längst nicht so spektakulär wirken, wie in
Need for Speed: Shift. Hier wird der Bildschirm nämlich leicht grau und verschwommen, wenn man gegen die Leitplanke knallt. Zudem geben die detaillierten Cockpits mit ihren Anzeigen das Gefühl, wirklich in einem Auo zu sitzen. Weiterhin kann man sämtliche Bildschirmanzeigen deaktivieren, was das Ganze nochmal etwas realistischer macht. Das Geschwindigkeitsgefühl ist ebenfalls ausgezeichnet umgesetzt worden. Wenn, wie oben bereits erwähnt, die Bäume links und rechts an einem vorbeiziehen und das Innere der Wagen bei hoher Geschwindigkeit verschwimmt, ist das einfach nur grandios. Die Zuschauer am Streckenrand, die einem zujubeln - was uns in
Gran Turismo 5 fehlte, tragen das i-Tüpfelchen zur grandiosen Atmosphäre bei. Die Motorensounds, auch kein unwesentlicher Punkt bei einem Rennspiel, sind in beiden Titel mehr als nur überzeugend. Dennoch hat
Need for Speed: Shift in Sachen Atmosphäre ganz klar die Oberhand.
1:0 für Need for Speed: Shift
Das vorläufige Fazit
Halten wir fest: Der Endstand unseres Vergleichs lautet 4:4. Ein Unentschieden also. Somit können wir nur sagen, dass sich auf den ersten Blick kein klarer Sieger feststellen lässt, beide Spiele scheinen ungefähr gleichwertig zu sein.
Need for Speed: Shift ist atmosphärisch besser,
Gran Turismo 5 wird das deutlich umfangreichere Spiel sein. Die Frage, die sich nun stellt: Welcher Titel wird letztendlich den besseren Singpleplayer, den besseren Karriere-Modus bieten? Welches Spiel wird im Multiplayer als erstes über die Ziellinie gehen? Und wie wird es mit der Langzeitmotivation aussehen? All das lässt sich erst im jeweiligen Test sagen, sodass wir jetzt noch keinen Sieger küren können. Beide Spiele haben gute Chancen auf die Genre-Krone. Hoffen wir, dass die Entwickler sie nutzen.