Die Augen sind eckig, alle Fallout-Teile sind bereits mehrmals durchgespielt und beim Arzt habt ihr Hausverbot, weil ihr die dort herumliegenden Spritzen für Stimpacks gehalten habt? Dann hilft euch nur noch eine weitere Dosis Endzeit-Spiele, um den Fallout-Entzug erträglich zu machen. Bei Risiken oder Nebenwirkungen konsultiert einfach unser Special oder fragt einen Spieletester eures Vertrauens.
The Fall: Last Days of Gaia
Mitte dieses Jahres wurde bereits der Weltuntergang befürchtet, weil in Genf am Elementarteilchen-Labor CERN der größte Teilchenbeschleuniger der Welt in Betrieb genommen wurde. Dabei befürchteten einige Verschwörungstheoretiker, dass das Experiment schwarze Löcher erzeugen könnte.
Dieser Existenzangst nimmt sich auch das 2004 erschienene
The Fall: Last Days of Gaia an, wo ein auf der Erde durchgeführtes Experiment dafür sorgt, dass das hiesige Ökosystem in sich zusammenbricht. Fortan kämpft ihr euch mit einer sechsköpfigen Heldenschar durch die Ödnis der Wastelands, um die eigene verschollene, teils umgebrachte Familie zu rächen bzw. wiederzufinden. Da es damals nach der Schließung der Black Isle Studios ruhig im RPG-Genre wurde und die Add-Ons zu
Neverwinter Nights wie auch das Spiel
Vampire: Bloodlines keine Endzeit-Thematik aufwiesen, wurde
The Fall: Last Days of Gaia als inoffizieller
Fallout-Nachfolger gehandelt. Leider konnten die Entwickler dieser hohen Erwartungshaltung nicht gerecht werden, da das Spiel überhastet auf den Markt geworfen wurde. Viele Bugs und verschenktes Potential waren das Ergebnis. Dank der nachgeschobenen, fehlerbereinigten Reloaded-Version machen die abwechslungsreichen Quests doppelt Spaß und
The Fall zu dem, was es von Anfang an sein sollte.
S.T.A.L.K.E.R.: Shadow of Chernobyl
Wer hätte damals gedacht, dass es
»S.T.A.L.K.E.R. – Shadow of Chernobyl nach fast sechs Jahren Entwicklungszeit und unzähligen Release-Verschiebungen noch in die hiesigen Händlerregale schaffen würde. Die ukrainischen Enwickler haben sich jedoch am Riemen gerissen und nun bereits das erste Add-On zum Spiel veröffentlicht.
Zwar handelt es sich bei dem liebevoll „Zone“ genannten Einsatzgebiet von
S.T.A.L.K.E.R. nur um das Sperrgebiet rund um das Atomkraftwerk Tschernobyl, wo wenige hundert Kilometer entfernt die Menschen weiterhin ganz normal ihren Berufen nachgehen. Da ihr aber mitten drin im nuklearen Wahnsinn steckt, interessiert es euch schnell nicht mehr, ob nun die komplette Welt oder nur die Gegend um euch herum dem nuklearen Fallout verfallen ist. Endzeitstimmung garantiert.
S.T.A.L.K.E.R. ist ein packender Ego-Shooter, bei dem euch von Anfang bis Ende das Blut in den Adern gefriert. Dabei haben die Entwickler sehr viel mehr Wert auf Realismus gelegt als
»Fallout 3. So kämpft ihr neben dem etwas eigenwilligen, puristischen Grafik-Stil von
S.T.A.L.K.E.R. auch mit langen Laufwegen. Das sind aber Argumente, die kaum ins Gewicht fallen, da das Spielerlebnis stimmt und damit auch der Spielspaß.
Auto Assault
Wer sagt, dass man in der Ödnis immer alleine unterwegs sein muss? Klar, streng genommen seid ihr in
Fallout & Co. nur so umringt von NPCs, aber andere menschliche Spieler trefft ihr in den Endzeit-Szenarien nie. So versuchte
Auto Assault menschliche Brücken zu bauen. Wie der Titel schon verrät, seid ihr in diesem MMORPG in einem Fahrzeug unterwegs und versuchte mittels Upgrades eure Quests zu erfüllen.
World of Warcraft hatte bereits seinen Siegeszug angetreten und die meisten Spieler waren lieber im Land der Elfen, Orks und Zwerge unterwegs. So schalteten die Entwickler am 1. September 2008 endgültig die Server aus. Schade, denn die schnellere Art der Fortbewegung sorgte für mehr Dynamik im Spielablauf als die ewige Lauferei oder die ständigen Flugreisen eines
WoW.
Restricted Area
Diablo meets
Fallout – so lautete wohl die Devise der Entwickler von
Restricted Area. Im Jahr 2083 übernehmt ihr die Rolle eines von vier Charakteren im Kampf gegen die multinationale Konzernobrigkeit. Dabei habt ihr die Wahl aus dem schwertschwingenden Yakuza-Nachfahren Kenji, des auf seine Feuerkraft vertrauenden ehemaligen Soldaten Johnson, der Psi-begabten Mutantin Nina oder dem Hacker-Girlie Jessica. Eure Aufträge erhaltet ihr in typischer
Diablo-Manier in der Stadt, wo bei den Unterhaltungen mit den dortigen NPCs echtes
Fallout-Feeling aufkommt. Allerdings spätestens, wenn ihr in die Dungeons herabsteigt, werden die Unterschiede offensichtlich. Denn hier ist eindeutig Hack’n’Slay statt überlegten Rundenkämpfen angesagt. Persönlich hat mir das Spiel sehr viel Spaß gemacht, wobei die Kritikliste mit sich wiederholenden Grafik-Sets und vielen Bugs deutlich länger ausgefallen ist. Egal, das Endzeit-Feeling stimmt und als Fan des Pen-and-Paper-Rollenspiels Shadowrun punktet das Game gleich doppelt bei mir.
Blade Runner
Blade Runner ist nicht nur ein Kultfilm, sondern ein echter Adventure-Geheimtipp. Den Rahmen des Geschehens bildet eine Nebenhandlung zu dem bereits 1982 erschienen Science-Fiction-Film. Hier rätselt ihr euch durch die bekannten Szenarien und wandelt dabei auf den Spuren des von Harrison Ford verkörperten Hauptcharakters Rick Deckard. Dabei beschäftigt euch die Kernfrage, ob empfindungsfähiges künstliches Leben, das von Menschen äußerlich nicht mehr zu unterscheiden ist, einfach ausgelöscht werden darf. Denn die Hauptaufgabe eines Blade Runners ist die Vernichtung der von der Tyrell Coporation geflohenen Androiden. Auch heute kann das Spiel noch überzeugen und lädt zum erneuten Durchspielen ein. Die Hintergründe wirken liebevoll und für Fans der Filmvorlage einen hohen Wiedererkennungswert. Allerdings müsst ihr beim Thema Animationen und Grafik ein Auge zudrücken, da hier einige Zeit ins Land gegangen ist.