Wer kennt das nicht? Ihr liegt abends gemütlich auf dem Sofa und bekommt unverhofft eine Stunde Freizeit, weil der Familienbesuch oder ein anderer Termin noch auf sich warten lassen. Und weil ihr hier auf Gameradio surft, weiß ich ganz genau, was unser nächster gemeinsamer Gedanke ist. Schnell der Griff zum Joypad und noch eine Runde gezockt. Aber was damals zu seeligen Modul-Zeiten noch kein Problem war, ist heute wirklich die sprichwörtliche Qual der Wahl. OnLive will euch genau in solchen Situationen Abhilfe verschaffen und nebenbei die ganze Videospielwelt revolutionieren. Was dahinter steckt und ob die Ziele erreicht werden können, habe ich im ersten Feldtest für euch erkundet.
In der Geschäftswelt bald Alltag
Der aktuelle Trend ist, dass Daten nicht mehr zentral gelagert werden, sondern dank Internet-Zugang überall abrufbar sind. Im Berufsleben laufen bereits die ersten Praxisphasen an, wo Kunden sich im Rechenzentrum ein komplettes Betriebssytem mit individuellen Programmen erstellen und es nach wenigen Minuten benutzbar z.B. im Browserfenster vorfinden. Aber auch im Privathaushalt steigt die Nutzerzahl so genannter Cloud-Dienste von Google oder Dropbox ungemein. Es ist einfach praktisch, die PDF-Datei unterwegs mit dem Smartphone, aber auch daheim vom Büro-Rechner aus abrufen zu können. Natürlich tun sich dabei auch Bedenken auf z.B. beim Thema Datenschutz oder wenn der entsprechende Dienst plötzlich bankrott ist, ob dann die wichtigen dort hinterlegten Daten einfach verschwinden. Ich meine, dass es in der schnelllebigen EDV-Landschaft ein echter Zugewinn ist und nur eine konsequente Nutzung der allgemeinen Vernetzung durch schnelle Internetzugänge ist. Klar, rate ich noch niemandem dazu, seine Geheimdokumente ausschließlich auf fremden Platten zu sichern, doch finde ich es selbst sehr angenehm, ein im iBook-Store gekauftes Buch genau an der Stelle beim Arzt auf dem Smartphone weiterlesen zu können, wo ich die Nacht zuvor das iPad aus der Hand gelegt haben. Kleine Funktion, aber großes Feature.
Wo bleibt der Spielspaß?
Klar, werdet ihr sagen, dass dieser neue technische Ausblick nicht viel mit der Videospielwelt zu tun hätte – wäre da nicht die Firma
OnLive. Diese will nämlich genau für Gamer die entsprechende Umsetzung der Möglichkeiten in Angriff nehmen, die eigentlich für Schreibtischarbeiter und Bürohengste ersonnen wurden. Also vergessen wir die Szenarien, dass euch der Chef im Urlaub nervt und für den wichtigen Kunden schnell die Ausarbeitung der aktuellen Excel-Umsatzzahlen will, ihr aber nur auf eurem privaten Laptop von vor zehn Jahren surft oder weil ihr als Außendienst-Mitarbeiter nicht am Zoll des Krisenlandes XY vorbeikommt und eure EDV-Hardware nicht einreisen darf.
Widmen wir uns viel lieber angesprochenem Szenario in unserer Rolle als Couch-Potato. Mir persönlich Ende jedes Mal bei einer Runde
»PES 11. Nicht weil ich total auf Sportspielen hängen geblieben bin, sondern vielmehr weil es genau die richtige Dosierung für diese hektischen Zeiten mit Termindruck sind. Kurz ein paar Runden mit der Lieblingsmannschaft bringe ich schnell hinter mich, aber in einem Rollenspiel einzusteigen und dabei immer die Dreiviertel-Stunden-Marke im Hinterkopf zu behalten, ist schwer. Auch sich mit Kratos durch gegnerische Wesen aus der griechischen Mythologie zu schlagen, klappt nicht immer, weil dann gerne auch Stress mit der realen Welt angesagt ist. Der Besuch kommt in 15 Minuten, wir brauchen aber noch acht um zum nächsten Savepoint – hoffentlich haben wir dann noch die Chance, den Geschirrspüler auszuräumen und und und…
Seit kurzem läuft das bei mir aber anders ab. Jetzt starte ich gelegentlich auch den Streaming Client von
OnLive, um eine Runde zu daddeln. Dabei ist es egal, ob ihr gerade den angegrauten Laptop der Tochter oder euren überzüchteten Spiele-PC Griff bereit habt. Und wer kennt das Szenario nicht, dass euer Nachwuchs den Riesen-LCD blockiert, um darauf sinnlose Flashspiele der gängigen Kindersender zu spielen?
Die Lösung für sowas funktioniert folgendermaßen: Mit diesem kaum einen MB großem Programm schaltet ihr euch auf den Dienst der besagten Firma auf. Sofort könnt ihr euch ein Spiel aussuchen, müsst nicht auf die Hardware-Anforderungen schielen und seid mittendrin. Klar, das Intro und das Einstiegs-Tutorial müsst ihr noch selbst durchklicken, aber das entfällt nach dem ersten Savegame ja von alleine. Die Technik dahinter ist nämlich genau die Gleiche wie die im Geschäftsleben – weshalb ich euch auch mit dem kleinen Ausflug in die Cloud-Computing-Welt gelangweilt habe. Sprich, das Spiel wird gar nicht auf eurem PC bearbeitet, sondern läuft im Rechenzentrum von
OnLive. Dieses wird nur per Stream, ähnlich eines YouTube-Videos, übermittelt. Der entscheidende Unterschied ist aber, dass eure Eingaben an der Tastatur empfangen werden.
Einfach loszocken und das mobil
Was sich hier vielleicht mit geschriebenen Buchstaben noch trocken anhört, hat mir bei der Anwendung richtig Spaß gemacht. So spiele ich eine Runde mit Batman in seinem neuesten Schleich-Abenteuer ohne mich vorher minutenlang mit Patches oder Installationsroutinen auseinander setzen zu müssen. Und erfordert es die Lage, dann nehme ich mir einfach meinen Laptop zur Hand, überlasse den Heranwachsenden für Flash-Spiele den Arbeitsplatz und mache beim letzten Savepoint weiter. Dabei bleiben auch alle Schwierigkeiten mit meiner Hardware außen vor.
Außerdem schaue ich so in manche Spiele rein, die vorher gar nicht auf meinem Wunschzettel standen und weswegen ich mir gar nicht die Mühe machen würde diese, nach einem Fußmarsch durch den aktuell eisigen Winter im Laden zu erwerben. Auch die Variante mir z.B. das Knobelspiel per Download von Steam zu beschaffen, klingt auf den ersten Blick uninteressant, weil das wieder in Arbeit ausartet und ich eigentlich nur aus einer Laune heraus eine Runde spielen will. Schließlich kommt bei meinem Ausflug in die Welt der Casual-Games noch die Qual der Wahl hinzu. Selbst wenn ich Lust auf Installationsroutinen und Download-Balken habe, welchen Titel nehme ich? Jetzt noch im Internet recherchieren, welches Spiel meine Aufmerksamkeit in Sachen Spielspaß rechtfertigt? Nein, danke.
Doch jetzt ist das anders. Jetzt drücke ich einige Tasten und bin mittendrin im Knobelgeschehen. Dabei kann ich flexibel entscheiden, ob ich doch wieder zu den bekannten Core-Gaming-Titeln wechsle oder eben nicht. Und das passiert seltener als gedacht, weil ich schnell durch die seichte Unterhaltung umgarnt werde und mich so auf einen Titel einlassen kann, den ich vorher gar nicht im Sinn hatte. Wie gesagt, das geht alles nur dank der kinderleichten Handhabung.
Wie sieht es mit Drum-Herum aus?
Das Konzept
OnLive spielt sich in der Praxis schon mal traumhaft leicht und könnte, wenn der Markt es akzeptiert, ähnlich dem AppStore werden. Die CD im Handel kaufen und dann auf meinen Player überspielen? Nee, da belaste ich lieber meine Kreditkarte und lade mir das Ganze direkt auf das Gerät, auch wenn ich abends kurz vor dem Einschlafen bin und der PC schon aus ist.
Aber gute Ideen sind nur die halbe Miete, denn dem Fisch muss der Köder ja auch schmecken. Und gemäß dieser alten Binsenweisheit ist der Streaming-Client von
OnLive auch nett inszeniert. Gleich nach dem Doppelklick werden wir in eine Art Monitor-Welt mit verschiedenen Optionen gebeamt. Das Herrliche dabei ist, dass im Hintergrund ähnlich dem Film Matrix die streambaren Videospiele ablaufen.
OnLive gibt dabei an, dass es sich dabei sogar um die Spiele anderer Teilnehmer handeln soll. Haben wir dieses schnelle Mittendrin-Gefühl verkraftet, editieren wir schnell unser Profil und laden uns ein Spiel auf den Bildschirm. Das alles so selbst erklärend abläuft, ist aber nicht nur der Übersetzung und der simplen Menü-Struktur geschuldet, sondern auch den wenigen Einstellungsmöglichkeiten. Wollt ihr Sound haben oder nicht? Wie ist euer Motto und welches Avatar-Video wollt ihr Besuchern eures Profils zeigen? Von den Personalisierungsmöglichkeiten eines Mii oder Xbox 360-Avatars sind wir hier noch meilenweit entfernt – aber das kann ja noch kommen.
Sehr schön finde ich auch, dass der angesprochene Spieletitel nicht gleich gekauft werden muss. Zuerst könnt ihr anhand schnell geladener Gaming-Clips einen Eindruck vom Gameplay gewinnen. Und das gefällt mir besonders, weil ich schon öfters YouTube-Clips weggeklickt habe, weil mir diese zu lang geladen haben. Darüber hinaus kann ich aber auch Gamern bei ihrer aktuellen Partie über die Schulter schauen, was eine Art Verbundenheitsgefühl erzeugt. „Hey, irgendwo auf der Welt ärgert sich auch gerade jemand mit diesem Schalterrätsel herum“. Nichts desto trotz sind die Möglichkeiten der Interaktion eingeschränkt. Wir können negativ und positiv bewerten und verharren ansonsten passiv als Zuschauer. Bei den heutigen Umgangsforen einiger Foren-Trolle ist das aber auch fast schon angemessen, weil ich nicht nach dem fünften Ableben am Bildschirm auch noch die gleichen doofen Kommentare lesen will wie „Erster“ oder „Du Loser“.
Für solche Allüren gibt es die so genannten Brag-Clips. Bedeutet, dass ich mittels Tastendruck eine besonders erfolgreiche Spielszene aufzeichne und so der
OnLive-Community als Nachweis meines spielerischen Könnens zur Verfügung stelle. Die Idee ist gut, aber sie lebt natürlich von ihrer Umsetzung. Bislang hat mich nicht die Lust überkommen, unter den unzähligen Videos von Sam Fischer nachzusehen, welche wirklich spielerisch hochwertig sind. Darüber hinaus nutzen das vielleicht auch einige um, blödsinnige Gewaltszenen in Videospielen noch mehr zu betonen. Ich finde es auf jeden Fall geschmackslos, Sams Verhörmethoden, die vom Entwickler gewollt auch mal die Grenzen der Moral angreifen, als Clip zum Angeben einzustellen.
Kostenlos – bis auf weiteres
Habe ich mich letztlich dazu entschieden einen Titel zu spielen, bin ich auch schnell dabei ihn zu zocken. Ach herrlich, ich komme aus dem Schwärmen kaum heraus. Zusätzlich erfreulich aber finde ich es, dass
OnLive darauf verzichtet, mich mit meiner Kreditkarte zu nerven. Ich habe erstmal eine halbe Stunde Zeit, das Vollpreis-Spiel auf mich wirken zu lassen, ehe ich zur Kasse gebeten werde. Dabei kann ich mich für unterschiedliche Bezahlmodelle von wenigen Tagen bis zum kompletten Kauf entscheiden. Und natürlich fallen dann Gebühren an. Bei meinem Test, wo ich mich spontan zu einer Runde Zerstörung in
Red Faction entschieden habe, einem Titel, den ich übrigens immer ignoriert habe, habe ich fünf Minuten gespielt und konnte nach kurzer Zeit wieder mit der halben Stunde Probezeit anfangen.
Wie
OnLive dies bewertet, wird der Langzeit-Test zeigen. Soll heißen, wird hier erst ab dem ersten Save-Game die Zeit genommen oder ist diese Anspielzeit nur zum Lauch des Service verfügbar, um Kunden zu werben und sich zu etablieren? Weiter ist bei umfassenden Spielen eine halbe Stunde fast zu wenig, um sich einen Eindruck zu verschaffen, weil wir erst mal mit den üblichen Charakter-Generierungs- und Tutorial-Einblendungen aufgehalten werden. Auf der anderen Seite können wir Erfahrungen vor dem Kauf am Vollpreis-Titel sammeln und sind nicht auf eine Demo des Herstellers angewiesen, wo vielleicht die beste Spielszene als Referenz für das ansonsten maue Gameplay herhalten muss.
Ausblick
Ich kann nur dazu raten,
OnLive zu testen. Bei mir hat es unabhängig aller Landesgrenzen und Presse-Zugänge gleich vom Fleck weg geklappt. Vor allem klasse finde ich die Angelegenheit, dass wir einem alten Büro-Rechner zu neuen Verwendungszwecken verhelfen können. Eine gute Alternative wäre das auch, anstatt sich eine neue Grafikkarte für
»StarCraft 2 anschaffen zu müssen, lieber diesen als Streaming-Titel zu erwerben. Das Problem ist hier aber vor allem das aktuelle Line-Up. Denn der eben genannte Top-Titel ist gar nicht im Aufgebot. Hier finden sich eher ein paar nette Casual Games, altere Hits und belangloses Spielspaß-Material.
Mal schauen, wie die Publisher die Sache bewerten werden. Denn so kann die Software-Piraterie eingedämmt werden, ohne dass der Käufer hemmende Kopierschutzmechanismen erdulden muss. Auf der anderen Seite wird es natürlich den Handel ärgern, der vor allem vom Verkauf von gebrauchter Software lebt. Die ganze Sache ist im Rollen und es wird hier meiner Meinung nach weiter ein Trend verfolgt, der über die Jahre hinweg anhalten wird. Zwar wird auch immer noch Ausgedrucktes in den Büros rumfliegen, aber die Zahl der versendeten PDFs nimmt stetig zu. Ob irgendwann ein System das andere ersetzen wird und die Buchhandlungen schließen, weil alle am iPad lesen, bleibt abzuwarten. Ich glaube eher daran, dass hier eine Bereicherung und ein weiterer Absatzweg entstehen. Die Frage ist nur, ob der Markt dafür entsprechend reif ist. Denn Sega hatte bereits vor Jahren bahnbrechende Ideen auch in dieser Art, aber weil Technik und menschlicher Geist nicht bereit waren das umzusetzen, wurde es zu einem Flop. Nun kurze Zeit danach setzt quasi die Xbox 360 mit Online-Gaming und Streaming-Inhalten bereits teilweise das um, was bei Sega in Form der Dreamcast angedacht war, aber keiner annehmen wollte.
Trotz aller Lorbeeren gibt’s Kritik
Wenn ihr es nicht schon bemerkt habt, stehe ich
OnLive äußerst positiv gegenüber. Aber das vermutlich auch, weil ich genau zu der Zielgruppe gehöre. Sprich die Gattung Viel-Zocker, die zwar Hardware kaufen geht, aber diese nur als Mittel zum Zweck begreift, um die neuesten Genre-Referenzen zu spielen. Außerdem genieße ich den Aspekt, mobil in meiner Wohnung die Spiele ohne viel Aufwand mitzunehmen. Allein schon die Familien-Wii trotz Zweit-Netzteil und Third-Party-Sensorbar durch die Gegend zu wuchten, nervt.
Aber es gibt aktuell auch Schattenseiten an
OnLive. Diese will ich hier erwähnen, aber nicht überbewertet sehen, weil der Dienst ja gerade erst gestartet ist. Ich will damit sagen, dass man diese Kritikpunkte nicht mit ein paar Einschränkungen in den Griff kriegen kann. So z.B. der Jugendschutz. Wenn
OnLive sein Spielematerial ohne Kreditkarte oder andere Altersverifikation den Spielern zur Verfügung stellt, dann kann es auch geschehen, dass Minderjährige Spiele testen, die sie gar nicht anzocken dürften.
Weiter geht es mit der Community. Das Hobby Videospiele ist eines für Groß und Klein. Doch ganz klar ist ein Unterschied zwischen den Altersgraden zu erkennen. So hat wohl ein älterer Spieler nicht mehr im Sinn in
GTA ein Rollenmodell für seine spätere Laufbahn im Leben zu finden, sondern weiß dank Erfahrung, dass einige Sachen in Videospielen bewusst virtueller Traum bleiben sollten. Jeder von uns weiß, dass wenn
Tekken auf dem Schulhof nachgespielt wird, man spätestens nach der zweiten Runde keine Lust mehr drauf hat, weil die reale Kinnlade schmerzt. In anderen Genres ist dieser Nachweis für viele leider nicht so deutlich herstellbar. Ich will jetzt hier nicht mit der Killerspiel-Diskussion anfangen. Was ich meine, dass ich es unpassend finde, wenn z.B. jemand mit den angedachten Brag-Clips zum Angeben z.B. das Terroristen-Attentat von
Call of Duty einstellt, weil er in der Pubertät gefangen, eine solche Grenzüberschreitung noch toll findet. Dass aber das eine von den Entwicklern gewollte Übertretung der moralischen Aspekte ist, um den Spieler nach deren Definition zu unterhalten, verkennen viele mangels Erfahrung. Daher würde ich es begrüßen, wenn beim User Generated Content durch die Administratoren mehr Wert auf qualititaive Spielszenen mit Fokus auf Gameplay gelegt wird. Aktuell sind darunter mehr sinnlose Schnipsel, wo jemand z.B. einen verborgenen Schalter findet, und Spielszenen, weswegen manche Titel ihre höhere Alterseinstufung verdient haben. Aber dies soll auch keine Anklage sein, sondern ist viel mehr der Eindruck nach ein paar stichprobenhaften Recherchen. Was ich meine ist eher das Problem was sich ergibt, wenn sich das Ganze auf diesem Niveau festigen würde.
Nächster aktueller Punkt nach Jugendschutz und dem Community-Content ist neben dem Line-Up auch der Markt. Und leider sind beide die gewichtigen Aspekte, welche
OnLive selbst nicht so einfach in den Griff kriegen wird. Ist aktuell die Zeit für so eine Idee reif genug, damit diese sich auch etablieren kann? Denn allein schon wegen dem überschaubaren Spielen, die zur Auswahl stehen, muss sich das Ganze durchsetzen, um auf Dauer Sinn zu machen. Daher auch mein Testbericht über die aktuellen Eindrücke, um euch auf diese interessante neue Art des Spielens aufmerksam zu machen. Erwartet jetzt aber beim Spielen keinen Quantensprung wie beim Wechsel der Videospiele von der zweiten in die dritte Dimension. Dieser wird sich mit der Dauer nur bei den Publishern und bei unserer persönlichen Bequemlichkeit in Sachen PC-Gaming einstellen. Denn sich Spiele über Steam runterzuladen ist jetzt auch keine gewaltige Neuerung gewesen, aber ein Service, den heute viele nicht mehr missen wollen. Wen genannte Kernargumente gleich in ihren Bann geschlagen haben, der wird jetzt schon viel Spaß haben und hoffentlich wird das aus genannten Gründen auch bei vielen der Fall sein.
Aber aktuell informiere ich lieber alle anderen Skeptiker darüber, dass bei meinem Test von
OnLive die aktuellen Spiele, welche über meine PS3 und Xbox 360 in feinster HD-Optik, über meine Internet-Verbindung zwar flüssig, aber gelegentlich leicht verwaschen wirkten. Ihr könnt euch das vielleicht so vorstellen, als würdet ihr ein gängiges PS3-Spiel auf der Wii abspielen. Zwar nicht ganz so schrecklich, aber um euch beim Lesen einen kleinen Eindruck und Vorgeschmack zu geben. Außerdem kam es gelegentlich zu Verbindungsproblemen, die mir aber beim Spielen keine Ruckler bescherten, sondern eher mehr verwaschene Texturen. Das will ich genauso wenig kritisieren wie den Umstand, dass ihr bei dem einen oder anderen Sportspiel noch nicht die Tastenbelegung ändern könnt, weil das Programm auf dem Server damit Probleme hat. Ich gehe hier von Kinderkrankheiten ein, die behoben werden können.
Wer übrigens ein iPad sein Eigen nennt, der kann sich den Client mit einer kostenlosen App auf das Gerät laden. Spielen kann er zwar nicht, aber als Nebenbei-Berieselung den Stream eines Freundes zu betrachten ist auch ganz nett. So komme ich mir beim Schreiben dieses Artikels auch vor wie bei einem Sci-Fi-Filmdreh, wo der Dateningenieur ja auch immer fünfzig Monitore mit verschiedenen Bilderfluten offen hat. Die Funktion zu spielen gibt es zwar noch nicht, aber die kommt vielleicht noch. Ob die Bildschirmtastatur für alle Genres Sinn macht, wage ich zu bezweifeln.
Weiter gibt es von
OnLive auch für rund 100 Dollar eine Konsole zu erstehen, welche eigentlich nur der Streaming Client inkl. Joypad ist. Denn aktuell brauchen wir ja einen PC, um uns auf den Service auf zu klinken. Mal schauen, ob uns
OnLive diese als Testmuster zur Verfügung stellen wird. Denn ich bin schon sehr gespannt darauf, euch zu berichten, ob die Eingabemöglichkeiten auch für das vielleicht kommende
StarCraft 2 geeignet wären. Eventuell ist das aber auch nur ein Anzeichen, dass es wohl für das erste vermehrt nur action-orientierte Ballerkost geben wird. So und abschließend die Frage: „Liest du noch oder spielst du schon?“ Weil ich denke, verehrter Leser, jeder kann nur den Wert einer Sache für sich selbst beurteilen, wenn er sie getestet hat. Genügend Gründe wieso es für mich ein interessanter Dienst und für euch vielleicht auch ist, habe ich euch ja an die Hand gegeben. Außerdem würde ich mich freuen, wenn ihr die Kommentar-Funktion mit Erlebnisberichten zum Glühen bringen würdet, weil ein solcher Test ja dank Internet-Anbindung und persönlichem Spiele-Geschmack auch etwas subjektiv ist.