"Die besten Japan-Rollenspiele" heisst dieser Artikel, als Untertitel würde sich wohl "abseits der Final Fantasy-Reihe" anbieten. Denn während sich das Rollenspiel-Urgestein von Square Enix hierzulande größter Beliebtheit erfreut, gibt es unzählige andere Perlen im Genre, denen nicht soviel Popularität vergönnt war. Wir liefern einen (sehr kleinen) subjektiven Überblick...
Kingdom Hearts
Den Anfang findet unsere Reise durch das JRPG-Genre bei
Kingdom Hearts. So ganz losgelöst von
Final Fantasy ist die Serie allerdings nicht, denn die Kooperation zwischen Square Enix und Disney verbindet Charaktere beider Universen und einige eigene Schöpfungen zu etwas gänzlich neuem. So trefft ihr hier nicht nur auf Mickey Maus (die hier als König Mickey unterwegs ist), Donald Duck oder die Schöne und das Biest, sondern auch auf Squall (hier nur Leon genannt), Cloud oder Sephiroth.
Optisch als kunterbunter Mix beider Universen, erwartet euch spielerisch ein eher direkterer Ansatz. Ihr nehmt es mit den Gegnern direkt in der Welt auf, ohne eigenen Kampfbildschirm und ohne rundenbasiertes Drumherum. Der Wechsel zwischen Kampf und Magie/Items gestaltet sich allerdings für Einsteiger gewöhnungsbedürftig.
Reviews auf GameRadio.de:
»Kingdom Hearts 358/2 Days
Shadow Hearts
Unter dem Titel
Koudelka feierte die Reihe bereits auf der ersten PlayStation ihr Debüt, der finale Name und auch das elementarste Spielelement - der Schicksalsring - hielten jedoch erst auf der PlayStation 2 Einzug. Alle drei Teile der
Shadow Hearts-Reihe sind streng rundenbasiert und erinnern stark an die früheren Teile der
Final Fantasy-Serie. Kein Wunder, stammen doch viele der Entwickler aus den ehemaligen Teams von Squaresoft. Durch den Schicksalsring bekommen die Kämpfe allerdings eine sehr eigene Note: Jede Kampf-Aktion wird über ein kleines Reaktionsspielchen ausgelöst und so entsprechend stärker oder schwächer vom Charakter ausgeführt.
Was für viele Fans die Faszination an der Reihe ausmacht, ist sicherlich die inhaltliche Mischung. So präsentieren sich gerade die ersten beiden Teile, die inhaltlich zusammenhängen und sich auch auf
Koudelka beziehen, recht düster und komplex in der Geschichte, lassen jedoch auch immer mal wieder Humor durchscheinen. Der dritte Teil,
Shadow Hearts: From The New World, hat ausser einigen Anspielungen nichts mehr mit den Ereignissen aus den ersten beiden Spielen zu tun und ist generell ein wenig lockerer und bunter aufgebaut.
Seiken Densetsu
Namenschaos pur:
Seiken Densetsu: Final Fantasy Gaiden (JP),
Final Fantasy Adventure (US),
Mystic Quest (EU). Drei Regionen, drei Titel, ein Spiel. Und zwar auf dem Gameboy. Insgesamt umfasst die Reihe mittlerweile acht Titel auf verschiedenen Systemen. Anders als die
Final Fantasy-Spiele ist die
Seiken Densetsu-Serie vor allem actionorientiert und bietet ein Fast-Echtzeit-Kampfsystem, ähnlich der
The Legend of Zelda-Spiele, jedoch mit einem stärkeren Rollenspiel-Einschlag.
Die Qualität der Veröffentlichungen schwankt in den Augen vieler Fans. Ihren Höhepunkt hatte die Reihe wohl unbestreitbar auf dem SNES mit
Secret of Mana (
Seiken Densetsu 2) und
Seiken Densetsu 3 (welches nur innerhalb Japans erschienen ist) erreicht. Herausragendstes Merkmal der beiden Teile war der Multiplayer-Modus. Hatte man einen Mitspieler zur Hand, konnte dieser jederzeit die Kontrolle über einen der Charaktere - sonst von der KI gesteuert - übernehmen.
Chrono Trigger
Nie in Europa erschienen und doch eine hiesige Fan-Gemeinde um sich gescharrt, das hat wohl nur
Chrono Trigger geschafft. Erst 2009, in einer überarbeiteten Fassung für den DS, schaffte es das 1995 für das SNES erschienene Spiel zu uns. Bis dahin waren die Fans auf Importe angewiesen. Und das, obwohl sich
Chrono Trigger auch in den USA großer Beliebtheit erfreute.
Ihr bereist mit dem Helden Crono und seinen im Spiel hinzugewonnenen Begleitern mehrere Zeitepochen, um die Welt vor ihrem Untergang zu bewahren. Beim Kampfsystem gibt sich
Chrono Trigger dann wieder klassisch: Zufallskämpfe gibt es zwar kaum (Gegner sind meistens sichtbar in der Welt unterwegs), der eigentliche Kampf erweist sich aber wie bei
Final Fantasy als rundenbasierte Angelegenheit mit eigenem Kampfbildschirm.
Reviews auf GameRadio.de:
»Chrono Trigger
Phantasy Star
Neben Firmen-Maskottchen
Sonic hat SEGA deutlich mehr im Portfolio - unter anderem eine Rollenspiel-Reihe namens
Phantasy Star. Zu großer Popularität hat es die Serie dennoch nie geschafft. Woran das liegt, ist schwer auszumachen. Viele bemängeln gerade bei den neueren Teilen den missionsbasierten Aufbau, der eher an ein MMORPG erinnert. Insofern ist das treffend, als dass SEGA für Dreamcast einen MMORPG-Ableger der Reihe,
Phantasy Star Online, produzierte.
Inhaltlich hängen die einzelnen Teile lose zusammen. So bilden Teil 1, 2 und 4 die
Phantasy Star Trilogie, in der die Geschichte des Algol-Universums im Abstand von jeweils 1.000 Jahren erzählt wird.
Phantasy Star Universe bekam zudem eine Erweiterung mit dem Untertitel
Ambition of the Illuminus spendiert, der direkt an das Hauptspiel anknüpft. Gerade bei diesen beiden Teilen wie auch dem darauf basierenden
Phantasy Star Portable bemängeln viele Spieler das regelrechte Dungeon-Crawling. Fans freuen sich jedoch auch hier über vielfältige Möglichkeiten der Charaktergestaltung und Ausrüstung.
Reviews auf GameRadio.de:
»Phantasy Star Zero
»Phantasy Star Portable
»Phantasy Star Universe: Ambition of the Illuminus
Star Ocean
Die
Star Ocean-Reihe steht ein wenig in der Tradition der
Star Trek-Filme. Bereits seit 1996 könnt ihr darin das Weltall erkunden und fremde Zivilisationen erforschen. Schon von Beginn an kommt bei den Kämpfen ein Echtzeit-Kampfsystem zum Einsatz, das gerade im jüngsten Teil sehr motivierend ausgefallen ist. Zudem besticht die Reihe immer wieder durch ein Emotionssystem - eure Charaktere bauen im Laufe der Handlung immer wieder Beziehungen zueinander auf, wodurch sich dann verschiedene Varianten des Endings ergeben.
Die ersten beiden Teile wurden unlängst für die PlayStation Portable neu aufgelegt. Dabei kam es zu einigen Überarbeitungen, vor allem jedoch die neuen Cutscenes von Production I.G (u.a. verantwortlich für die Animes
Ghost in the Shell und
Jin-Roh) stechen dabei klar hervor. Aber auch im jüngsten Teil,
Star Ocean: The Last Hope, kommt der Anime-Look nicht zu kurz - das mag für viele Geschmackssache sein, wirkt in sich aber sehr stimmig.
Reviews auf GameRadio.de:
»Star Ocean: The Last Hope
»Star Ocean: The Last Hope
Suikoden
Die
Suikoden-Reihe hebt sich durch ein Merkmal besonders von anderen JRPGs ab: Den
108 Stars of Destiny. Seit dem ersten Teil aus dem Jahre 1997 können in jedem der Spiele bis zu 108 Charaktere rekrutiert werden, von denen ein Großteil dann auch in eure jeweilige aktuelle Gruppe integriert werden kann. Die Geschichte dreht sich in den meisten Fällen um die Runen des Schicksals, mächtige Artefakte, die den Benutzern unglaubliche Fähigkeiten verleihen und somit zu Konflikten innerhalb Highlands führen. Zwischen den einzelnen Teilen liegen storytechnisch immer mehrere Jahre, jedoch spielt sich das Geschehen immer in derselben Welt ab, was für ein vertrautes Gefühl sorgt. Darüber hinaus führt dies dazu, dass sich Abschnitte verschiedener Teile überschneiden und man oft auf bereits vertraute Charaktere stößt.
Neben den aus vielen RPGs bekannten, rundenbasierten Kämpfen gibt es in den
Suikoden-Titeln auch immer wieder Echtzeit-Strategie-Kämpfe, um so etwa eure Basis vor feindlichen Rittern zu beschützen, oder um eine feindliche Armee zu besiegen. Der Strategiegehalt bleibt hierbei zwar klein, jedoch sorgt dieses Gimmick für Abwechslung. Dazu gesellen sich mit Duellen Mann-gegen-Mann und der Möglichkeit eure Basis (mal eine ganze Stadt, mal ein Schloss) auszubauen, Elemente, die das Spielgeschehen weiter auffrischen und die
Suikoden-Reihe zu etwas besonderem machen.
Während die ersten beiden Teile für die PlayStation 1 noch in 2D über den Bildschirm liefen, setzten die Entwickler seit dem dritten Teil auf eine 3D-Umgebung, die zwar nicht an die Qualität eines
Final Fantasy X reichte, jedoch stimmig wirkte. Ohnehin liegt der Fokus der
Suikoden-Reihe auf den Charakteren und der Geschichte, die diese verbindet. So ist es kein Wunder, dass diese Reihe nach wie vor viele Fans hat, die auf einen sechsten Ableger warten.
Reviews auf GameRadio.de:
»Suikoden Tierkreis
An der Stelle wollen wir dann unseren kleinen Rundgang durch das Genre beenden. Damit bleiben viele Reihen und Spiele - etwa Breath of Fire, die Tales of-Reihe oder auch diverse aktuellere Titel - leider unerwähnt. Auch etwa Strategie-Rollenspiele, wie »Disgaea oder »Final Fantasy Tactics, mussten wir leider aussen vor lassen. Aufgrund der riesigen Masse an Spielen und Serien ist das allerdings nicht anders möglich. Aber teilt uns doch in den Kommentaren oder besser im Forum mit, welche Japan-Rollenspiele euch sonst noch, abseits der Final Fantasy-Reihe, begeistern konnten.