Am 4. Dezember kehrt der sympathische Prinz aus dem Orient zurück. Erlebt zusammen mit uns noch einmal den langen Weg, denn der namenlose Held seit seinem Erstauftritt zurückgelegt hat. Von dem 2D- Abenteuer, dass in gerademal 60 Minuten die Spielewelt revolutionierte, bis hin zur "Sands of Time"-Trilogie, die mit einer unvergesslichen Atmosphäre und einem nahezu perfekten Gameplay glänzte.
Der klassische Prinz
1989 brachte Brøderbund das neuste Werk von Jordan Mechner auf den Markt: "Prince of Persia". Die Geschichte war schnell erzählt: Der Wesir Jaffar will den Thron in Abwesenheit des Sultans für sich beanspruchen. Hierzu lässt er die Prinzessin gefangen nehmen und gibt ihr 60 Minuten Bedenkzeit - entweder sie heiratet ihn oder wird hingerichtet. Ihre einzige Hoffnung in dieser Stunde ist ein junger Abenteuer, der jedoch im tiefsten Verlies unterhalb des Palastes ausharrt. Und über genau diesen Thronfolger übernahm der Spieler damals die Kontrolle.
Das Spiel zeichnete sich besonders durch die seinerzeit beeindruckenden Animationen aus – wenn der Hauptcharakter rennt, springt oder fechtet, dann sieht das wahnsinnig elegant aus. Grundlage dafür waren Videoaufnahmen, die Jordan Mechner von seinem kleinen Bruder in einem weißen Kostüm gemacht hat, um so die Bewegungsabläufe studieren zu können. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen – nie zuvor war ein Charakter derart agil unterwegs. Doch noch etwas unterschied „Prince of Persia“ von anderen zu dieser Zeit erhältlichen Spielen: Statt mit Feuerwaffen wurde hier mit Schwertern gekämpft.
Doch Kämpfe gab es seltener. Meist war es Aufgabe des Spielers, den jungen Abenteurer geschickt an den Fallen vorbeizulotsen. Und die hatten es in sich: Zerbröselnde Bodenplatten, Schalterrätsel, tiefe Abgründe, Stacheln und vieles mehr musste umgangen werden. Und das innerhalb von 60 Minuten, denn genau wie die Prinzessin nur eine Stunde Bedenkzeit bekam, so hatte der Spieler genau diese Zeit zur Verfügung, um sie zu retten.
Massenverbreitung
„Prince of Persia“ wurde ein regelrechter Verkaufsschlager. Nicht nur das Spiel wurde auf alle möglichen Systeme portiert, es gab auch Nachfolger. So erschien 1994 ein zweiter Teil mit verbesserter Grafik und mehr Gegnern. Auch die Community schlief nicht, und so schufen die Fans zu beiden Teilen Modifikationen und weitere Tools. Als weniger gelungen erwies sich „Prince of Persia 3D“, welches 1999 erschien und erstmals in der Geschichte der Reihe 3D-Grafik bot. Durch die Mängel im Gameplay sowie der technischen Umsetzung konnte das Spiel die Fans jedoch nicht begeistern. Das sollte sich mit „
»The Sands of Time“ ändern.
Eine epische Reise durch die Zeit
2003 war es, als ein neuer Prinz das Licht der Welt erblickte. Es sollte ein besserer Prinz werden und trotzdem sollten sowohl die alten Fans als auch Neueinsteiger mit der Materie zurechtkommen. Was Ubisoft in Zusammenarbeit mit Prinzenvater Jordan Mechner auf den Markt brachte, übertraf sogar alle Erwartungen. In Umgebungen, die von Kletter- und Rätselpassagen nahezu übersäht waren, sprang, kletterte, rannte und kämpfte der Prinz so agil wie nie zuvor. Zurecht wurde "The Sands of Time" mit Awards und Wertungen im 80-90er Bereich überschüttet. Denn das Spiel bot nicht nur eine grandiose Story, auch die Präsentation, Musik, Synchronisation und Grafik war „Over the top“
The Sands of Time, der Beginn der Trilogie
Um einen kurzen Eindruck zur Geschichte zu geben: In einer Schlacht gleich zu Beginn des Spiels gelingt es dem Prinzen und seinem Vater, dem persischen König, den indischen Maharadscha zu besigen. Nachdem der Hof des Palastes eingenommen ist, stürmen Prinz und Vater in den Thronsaal, um den Wesir anzutreffen, der den Maharadscha verraten hatte. Doch dieser betrügt auch den Prinzen, denn nachdem man sich den Dolch der Zeit zu Eigen gemacht hat und diesen auf Befehl des Wesirs in eine mächtige Zeituhr rammt, wird der Sand der Zeit freigesetzt - ein mächtiges und uraltes Instrument, dass die Besitzer der 3 Relikte der Zeit zu Herrschern über selbige macht. Diese drei Besitzer sind zum einen der Prinz, denn er besitzt den Dolch der Zeit, die indische Prinzessin Farah, welche ein Amulett beisteuert und natürlich der Wesir selbst, der im Besitz eines Stabes ist.
Alle anderen Bewohner des Schlosses (auch der Vater des Prinzen) werden zu entstellten Sandkreaturen, die dem Prinzen ans Leder wollen, während der Wesir den Dolch und das Amulett an sich reissen möchte um alleiniger Herrscher über die Zeit zu werden. Es liegt nun also am Prinzen, mithilfe des Dolches den Wesir zu besiegen und das Geschehene rückgängig zu machen.
Neben all dem Lob, dass "The Sands of Time bekam", gab es auch einen Kritikpunkt: die Kämpfe selbst waren sehr eintönig und wurden mit der Zeit immer langweiliger. Doch Ubisoft nahm sich diese Kritik zu Herzen und integrierte in "The Warrior Within" - den Zweiten Teil der "Sands of Time"-Trilogie - ein ausgefeiltes Kombosystem, das sogenannte Free Form Fighting System, dass es dem Spieler ermöglichte, zwei Waffen gleichzeitig zu führen und in unzähligen Kombinationen seinen Gegnern das Licht auszupusten.
Düstere Settings und eine geballte Ladung Brutalität
Dementsprechend war "Warrior Within" sehr actionlastig und aufgrund der mentalen Verfassung des Prinzen (mehr dazu gleich) auch sehr düster gehalten. Es gab auch weiterhin Rätsel, es gab weiterhin Fallen, doch wer an "The Warrior Within" denkt, dem wird erstmal nur eines in Erinnerung treten: Blutige Kämpfe, Zerstückelung der Gegner und natürlich das freizügige Outfit von Kaileena.
Wieder war die Präsentation auf hohem Niveau, doch das klassische orientalische Flair wurde einer derben Rundumerneuerung unterzogen. Anstatt reiner, orchestraler Klänge lieferte die Hardrock-Band Godsmack laute Gitarrenriffs und die Titelsongs "I Stand Alone" und "Straight Out Of Line". Komponist Stuart Chatwood, der schon den Soundtrack von "Sands of Time" komponierte, vermischte den Hardrock dann mit seinen orientalischen Klängen und erschuff ein episches Meisterwerk und einen der besten Spielesoundtracks aller Zeiten.
Nun zur Story: Sieben Jahre nach dem Ende von "The Sands of Time" wird der Prinz in seiner Heimatstadt Babylon von dem Wächter der Zeit, dem Dahaka, verfolgt. Dieser hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Prinzen zu töten, da dieser zu sehr in der Zeit herumgepfuscht hat. Dem Prinzen bleibt keine ruhige Minute mehr und stetig lebt er in Todesangst. Dies erklärt auch die düstere Stimmung des Spiels, sowie den Imagewechsel des Prinzen, der nicht nur härter zur Sache geht, sondern auch in der Wortwahl keine Tabus mehr kennt. Also sucht er einen alten Propheten auf, nur um zu erfahren, dass er das Schicksal selbst erzürnt hat und so dem Tode geweiht ist. Doch halt, einen Ausweg gibt es, er muss die Enstehung des Sandes der Zeit selbst ungeschehen machen. Dazu reisst er zur Insel der Zeit, wo er selbstverständlich kein herzliches Willkommen zur Begrüßung erhält, zu allem Übel sitzt ihm weiterhin der Dahaka im Nacken.
"Warrior Within" wurde nicht ganz so hochgelobt wie "The Sands of Time". Vielen war das Spiel zu actionlastig und zu brutal. Das Free Form Fighting System war zwar eine tolle Neuerung, aber die Fans wollten mehr Balance zwischen den klassischen Rätsel- und Sprungpassagen und den actionreichen Kämpfen. Wieder wollte Ubisoft für Besserung sorgen. Das Ergebnis war der letzte Teil der Trilogie: "
»The Two Thrones".
Ein würdiger Abschluss der Trilogie
Zu erwähnen ist hierbei, dass "Warrior Within" auf zwei verschiedenen Wegen enden kann. In dem normalen Ende stirbt die Herrscherin der Zeit. Macht man sich aber die Mühe, alle Rätselkammern aufzusuchen (welche zudem jedes mal die Lebensenergie des Prinzen erweitern), bekommt man das mächtige Wasserschwert, mit welchem man den Dahaka selbst töten kann. "The Two Thrones" folgt dem zweiten Ende, in welchem die Herrscherin der Zeit überlebt und die neue Geliebte unseres Prinzen wird.
In Babylon angekommen, erwartet unser Liebespaar jedoch das pure Grauen: Da die Ereignisse ungeschehen gemacht wurden, fanden die uns bekannten Geschehnisse aus "The Sands of Time" nie statt. Das heisst nicht nur, dass der Wesir wieder lebt, nein nun ist er auch im Besitz des Dolches, des Zeitglasses und des Stabes (nur das Amulett nicht, da unser Prinz dieses am Ende von "The Sands of Time" an sich nahm und am Ende von "Warrior Within" ins Meer geworfen hat). Das Schiff des Prinzen wird von Katapulten versenkt und Kaileena wird von den Schergen des Wesirs entführt. In einer verzweifelten Rettungsaktion eilt der Prinz durch das zerstörte Babylon, doch es kommt, wie es kommen muss. Der Prinz wird ein weiteres Mal mit dem Schicksal des Sandes verbunden und erneut muss er den Wesir besiegen. Ganz nebenbei haben die häufigen Dates mit dem Sand eine kleine Nebenwirkung verursacht, der Prinz hat nun eine gespaltene Persönlichkeit und ist zu allem Übel nun auch noch sein eigener Gegner, im wahrsten Sinne des Wortes.
"The Two Thrones" war dann schliesslich das, was sich die Fans die ganze Zeit gewünscht hatten: eine Mischung aus "The Sands of Time" und "Warrior Within". Gleichzeitig schloss es die "Sands of Time"-Trilogie mit einer würdigen Story gelungen ab. Doch es gab noch einige weitere Neuerungen, zum einen das Speedkill-System, mit diesem konntet ihr, vorrausgesetzt ihr schleicht euch erfolgreich an einen Gegner heran, diesen in einem kurzen Time-Event auf einen Schlag erledigen. Diese Time-Events sind auch bei jedem Bosskampf die letzte Vorraussetzung, um die Bösewichte ins Nirvana zu senden. Nebenbei durfte man im Spiel die Kontrolle über Pferdewagen übernehmen und in den Momenten, in denen der Dunkle Prinz die Kontrolle übernimmt, auf ein komplett neues Gameplay treffen.
Zu guter letzt
All das machte die "Sands of Time"-Reihe zur wohl spielerisch gelungensten Trilogie der letzten Jahre und auch in Sachen Story muss sich das Spiel nicht verstecken. Durch die Inszenierung und die nahezu perfekte Präsentation entstand eine dermaßen dichte Atmosphäre, die den Spieler einfach mitfiebern lies. Man wollte einfach wissen, wie es weitergeht und der Cliffhanger von "Warrior Within" war einfach unerträglich.
Neben einem "The Two Thrones"-Remake auf der Nintendo Wii namens "Rival Swords", war sich der Prinz natürlich auch nicht für einige Handheld-Auftritte zu schade. In "Battles of Prince of Persia", einem rundenbasierten Strategiespiel, wird erzählt, was zwischen "The Sands of Time" und "Warrior Within" geschah. Das Spiel erschien für den Nintendo DS. Und in "Revelations" auf der PSP konnte man "Warrior Within" auch unterwegs genießen.
Natürlich fragt man sich jetzt, ob das neue "Prince of Persia" mit der "Sands of Time"-Trilogie gleichziehen kann? Wird das Spiel den hohen Erwartungen gerecht? Ich sehe dem ganzen Positiv entgegen, ihr könnt euch in unserer
» Preview schonmal einen Ersteindruck machen, oder demnächst natürlich das Review bei uns lesen.