Tom Clancy. Dieser Name ist nicht nur Bücher-Fans ein Begriff, auch wir Gamer kommen kaum noch an ihm vorbei. „Splinter Cell“, „Ghost Recon“ und „Rainbow Six“ sind nur drei Reihen, deren Cover mit dem Name des US-amerikanischen Schriftstellers protzt. Nun läutet Clancy den Dritten Weltkrieg ein – und wir sind direkt mittendrin.
Der Anfang vom Ende
Die Story ist wiedermal (typisch Clancy) eine Vermischung von realen Fakten mit düsteren Zukunftsprognosen und fiktiven Entwicklungen. Der Dritte Weltkrieg steht bevor... doch bevor es losgeht, wollt ihr sicher wissen, wie es dazu gekommen ist. Und das wird euch vom Spiel auch in spielbarer Form gezeigt und dient direkt als Tutorial. Bevor es jedoch losgeht, müsst ihr zunächst das Sprachtraining absolvieren...
Alles hört auf mein Kommando!
Sprachtrainer? Was soll das denn sein? Nun, „EndWar“ bedient sich einer Spracheingabe, mit der ihr via Headset direkte Order an eure Einheiten geben könnt. Die verfügbaren Befehle sind recht simpel gestrickt und folgen stets dem gleichen Muster: "Wer – was – wo". Ihr nennt also zunächst die Einheit, sagt was zu tun ist und dann, wo es getan werden soll. Das funktioniert auch ziemlich gut und eure Befehle werden meistens korrekt erkannt. Manchmal, gerade in hitzigeren Gefechten, fällt es jedoch schwer, die Stimme soweit ruhig zu halten, dass die Erkennung eurer Befehle greift. Dann bleibt nur die Wiederholung des Befehls oder die Eingabe per Pad. Denn keine Sorge: Auch ohne Headset ist "EndWar" spielbar, jedoch geht so einiges an Flair und Spielfluss verloren.
Habt ihr euch also durch das Sprachtraining geschlagen, werdet ihr auf eine 10 Missionen umfassende Vorgeschichte losgelassen. Diese zeigt euch, wie es zum Dritten Weltkrieg kommen konnte. Storyrelevante Hintergrundinformationen bekommt ihr dabei jedoch nur anhand eurer Einsatzbesprechung vor und nach der jeweiligen Mission. Ihr seid während dieser Vorgeschichte nicht auf eine der drei Nationen festgelegt, sondern spielt mit jeder einmal. So bekommt ihr die Ereignisse aus unterschiedlichen Blickwinkeln gezeigt und seid nicht nur auf eine Sicht der Dinge beschränkt. Erst nach der Vorgeschichte erwartet euch das eigentliche Spiel mit seiner 15 Missionen überspannenden Kampagne. Hier habt ihr nur eine Nation, für die ihr euch zuvor entschieden habt und die ihr in die Schlacht führt. Eure Aufgabe ist es, den Krieg zwischen USA, Europa und Russland für euch zu entscheiden. Die Einheiten der drei Fraktionen sehen zwar sehr unterschiedlich aus, grosse Unterschiede im Gameplay macht die Wahl einer Gruppierung jedoch nicht aus. Schade, da hätte man mehr draus machen können.
Auf in die Schlacht!
Die Art zu Spielen unterscheidet sich bei „EndWar“ sehr stark von anderen Vertretern des Echtzeit-Strategie-Genres. Während ihr euch in Konkurrenzprodukten auf den Rohstoff-Abbau und Basisbau konzentriert, seid ihr hier direkt in der Schlacht. Aber das ist nicht das einzige, was hier „direkt“ ist. Auch die Art, wie ihr das Spielgeschehen verfolgt, unterwirft sich diesem Paradigma. So nehmt ihr keine übergeordnete Perspektive ein, sondern seid stets nah am Geschehen, nämlich bei euren Einheiten. Das ist die erste halbe Stunde sicherlich recht ungewohnt für Strategie-Fans und erfordert ein gewisses Umdenken. Die Nachteile überwiegen hier auch ganz klar die Vorteile, denn trotz einer Mini-Map oben rechts auf dem Screen müsst ihr euch immer mal wieder neu orientieren, nachdem ihr zu einer anderen Einheit gewechselt seid. Ihr werdet zwar lernen, das Problem durch die Sprachbefehle geschickt zu umgehen, aber das kann das Ziel des Ganzen ja auch nicht sein.
Die Aufgaben, die ihr auf den Karten zu erfüllen habt, werden euch zu Beginn der Mission erklärt. Meist läuft es darauf hinaus, bestimmte Punkte (sogenannte „Uplinks“) mit eurer Infanterie zu erobern und zu halten oder den Feind komplett von der Karte zu fegen. Für besetzte Uplinks bekommt ihr Bewegungspunkte, die ihr zu gegebener Zeit in Truppennachschub investieren dürft oder für spezielle Angriffe, wie Luftschläge. Dennoch seid ihr meist mit einer überschaubaren Anzahl an Einheiten unterwegs. Die Kämpfe funktionieren nach dem „Schere-Stein-Papier“-Prinzip: Jede Einheit kann durch eine andere besonders gut zerlegt werden, während sie gegen eine andere besonders stark ist. Habt ihr erstmal raus, welche Einheit gegen euren Feind besonders wirkungsvoll ist, könnt ihr das direkt zu eurem Vorteil nutzen.
Auch ein leichtes Rollenspiel-Element findet Einzug in „EndWar“. So werden Einheiten, die lebend aus einer Mission hervorgehen, befördert und so um einiges effektiver im Kampfeinsatz. Zudem erhaltet ihr Credits, mit denen ihr eure Kaserne ausbauen könnt und so euren Einheiten Verbesserungen zukommen lassen könnt.
Multiplayer-Action
Die Singleplayer-Kampagne werdet ihr in schätzungsweise 15 Stunden geschafft haben. Dank der Schwierigkeitsgrade und der Wahl der Kriegsnation nach dem „Weg zum Krieg“ bleibt ein gewisser Wiederspielwert. Was den Titel aber eher im Laufwerk hält, ist der Multiplayer-Modus. Gerade „Kriegsschauplatz“ kann wirklich überzeugen. Das liegt vor allem an einer genialen Idee: Für jeden Sieg, den eine der Kriegsparteien auf einer Karte einfährt, bekommt diese Partei global Punkte. Die Partei, die am häufigsten auf einer Karte gewonnen hat, bekommt die Gebietskontrolle zugesprochen. Ausgewertet wird einmal pro Tag. In den Kämpfen selbst treten bis zu vier Spieler gegeneinander an – fast. Jeder gegen Jeden mit vier Leuten funktioniert nicht – nur entweder zwei Spieler gegeneinander oder jeweils zwei Spieler im Team gegen ein anderes Team aus zwei Kommandeuren.
Was bleibt zu sagen? „EndWar“ bietet spannende und auch herausfordernde Gefechte, krankt jedoch an der nüchternen Präsentation und der mangelnden Übersicht. Diese kann man zwar durch eine taktische Karte bekommen, die ist jedoch ebenfalls sehr trocken dargestellt. Man hat also die Wahl, ob man nun Übersicht auf der Karte oder Effektgewitter auf dem Schlachtfeld haben will. Beides zusammen geht nicht.