Vor etwa einem halben Jahr konnten PC-Spieler das Schicksal des Fantasy-Kontinents Ancaria entscheiden. Nun ist Sacred 2 auch für die Xbox 360 erschienen. Ist das Action-Rollenspiel aus deutschen Landen ähnlich erfolgreich wie die PC-Variante, wird der mittlerweile insolvente Entwickler Ascaron aufatmen können. Die Verkaufszahlen können wir zwar nicht vorhersagen, doch im Review zu Sacred 2 erfahrt ihr, ob die Portierung geglückt ist.
Hack & Slay in Reinkultur
Wer die T-Energie kontrolliert, hat die Macht. Daher tobt seit jeher ein Kampf um die magische Substanz in Ancaria. In
Sacred 2 beteiligt ihr euch an diesem Konflikt und werdet – wie sollte es anders sein – die entscheidende Wende bringen. Je nachdem, ob ihr die Licht- oder Schattenkampagne absolviert, bewahrt ihr Ancaria vor der Zerstörung oder treibt eben diese voran. Im Spielverlauf selber könnt ihr von eurer ursprünglichen Ambition, etwa durch Gut-Böse-Entscheidungen, nicht mehr abweichen.
Sacred 2 ist ein lupenreines Action-Rollenspiel, das sich damit begnügt, eure Sammelsucht zu befriedigen. Die Story dient lediglich als dünner Faden zur Aneinanderreihung von Quests. Vor dem Spielbeginn legt ihr allerdings nicht nur eure Gesinnung fest, sondern wählt aus sechs vorgefertigten Charakteren wie der engelsgleichen Seraphim, dem Tempelwächter-Maschinenwesen oder dem oberfiesen Inquisitor.
Viele Anpassungsmöglichkeiten
Sacred 2 wirft euch ins kalte Wasser: Bereits in der ersten Spielminute werdet ihr von Gegnern attackiert. Nichts gegen einen actionreichen Einstieg, Ascaron, aber bevor wir uns in einen Kampf stürzen, wüssten wir zumindest gerne wie wir Angriffe ausführen. Glücklicherweise ist die Kampfsteuerung sehr eingängig. Den Buttons A, B, X und Y könnt ihr nach Belieben Waffen, Items und Fähigkeiten zuordnen. Mit den Triggern schaltet ihr zwischen zwei weiteren Tastenbelegungen hin und her. Auch dem Digipad könnt ihr Aktionen zuweisen. Euch stehen also insgesamt 16 frei konfigurierbare Tasten zur Verfügung. Noch mehr Gestaltungsmöglichkeiten habt ihr bei der Charakterentwicklung. Nach einem Levelaufstieg könnt ihr Eigenschaften wie eure Stärke steigern oder Fertigkeiten wie die Klingenwaffenbeherrschung erhöhen. Außerdem sammelt ihr immer wieder Runen auf, mit denen ihr eure Fähigkeiten, beispielsweise einen Feuerball-Zauber, verbessert. Diese Fähigkeiten könnt ihr auch zu mächtigen Angriffsketten kombinieren.
Masse statt Klasse
Neben dem außergewöhnlichen Runen-Konzept, das bereits im
»Vorgänger Anwendung fand, wartet
Sacred 2 mit einer gigantischen, liebevoll gestalteten Spielwelt auf, die vor Quests zu platzen droht. Alle Nase lang stolpert ihr über Auftraggeber, die euch mit mehr oder weniger originellen Aufgaben versorgen. Selbst wenn ihr euch nur die diffuse Hauptquest entlanghangelt, seid ihr 20 bis 30 Stunden mit
Sacred 2 beschäftigt. Die Nebenquests bescheren eine zusätzliche Spieldauer von gut 60 Stunden. Erhofft euch allerdings keine sonderlich aufwändig inszenierten Mini-Geschichten. Ein knapper Text und ab geht's! Hier fordert die riesige Spielwelt, die ja irgendwie gefüllt werden will, ihren Tribut. Ein weiterer Nachteil des großflächigen Ancarias sind lange Laufwege. Aus der Kritik an den spärlich verteilten Teleportern in der PC-Version hat Ascaron offenbar nicht gelernt.
Augen auf! Ohren zu!
Die Xbox 360-Version von
Sacred 2 steht der PC-Variante in optischer Hinsicht kaum nach: Ihr steuert euren Recken durch meist farbenfrohe, belebte Umgebungen und schleudert den Gegnern effektreiche Zauber vor den Latz. In der Nahansicht erkennt ihr jedes Ausrüstungsteil an eurem Helden. Zum Teil verbesserungswürdig sind die Animationen, insbesondere beim Ableben der Gegner. Ascaron hat sich hier zu sehr auf die Ragdoll-Physik verlassen, wodurch die Feinde mitunter albern zusammenklappen. Die nicht mehr taufrische Hardware der Xbox liefert meist flüssige Bildwiederholraten. Bei hohem Gegneraufkommen in der kleinsten Zoomstufe geht die 360 ein wenig in die Knie. Die nahtlose Spielwelt könnt ihr ohne Ladepausen genießen, abgesehen von Stadtbesuchen. Wollt ihr das Nachladen auch an dieser Stelle unterbinden, empfiehlt sich die Installation des Spiels auf der Festplatte. Abzüge gibt es in der Sound-Note: Die Musik von
Sacred 2 nimmt man kaum wahr. Viele Sprecher säuseln ihren Text unmotiviert ins Mikro.
Zu zweit macht's doppelt Spaß
Wer nicht gerne allein spielt, kann auch mit
Sacred 2 glücklich werden. Neben einem Online-Modus für bis zu vier Spieler könnt ihr das Action-Rollenspiel zu zweit von der Couch aus angehen. Durch den gegenseitigen Tausch von Gegenständen schraubt das Spiel die Suchtspirale im Multiplayer noch ein Stückchen weiter. Ascaron hat sogar einen PvP-Modus eingefügt, in dem ihr die Stärke eurer Alter Egos auf martialische Weise vergleichen könnt.
Kleine Randnotiz: Für Fans der Metal-Band Blind Guardian hält
Sacred 2 etwas Besonderes parat: Die Schwermetaller geben den exklusiv für
Sacred 2 produzierten Song "Sacred" in einem Ingame-Konzert zum Besten. Wer genau hinhört, kann außerdem in den Städten kurzen Gesangspassagen des Sängers lauschen.