Lange mussten deutsche und amerikanische Xbox-Besitzer warten, doch nun, acht Monate nach dem Release in Japan, ist „Otogi“ auch bei uns erschienen. „Otogi“ spielt im antiken Japan und enthält viele Elemente aus Folklore und der Mythologie.
Gefangen zwischen Leben und Tod
1000 Jahre währte die Herrschaft des Imperial Court im alten Japan, doch als das Siegel gebrochen wurde, gingen die Tage des Ruhmes zu Ende. Das Land versank in Dunkelheit und kein Licht fand seinen Weg durch die ewige Nacht. Ein Sturm zog auf, der schon bald alles zerstören sollte. Er verwüstete das Land mit allem Leben in ihm. Der Spieler schlüpft in die Rolle des Untoten Raikoh. Er ist der letzte Überlebende eines mächtigen Clans. Fast wäre auch er bei besagtem Sturm ums Leben gekommen, doch eine geheimnisvolle Prinzessin rettete ihn. Nun ist Raikoh gefangen zwischen Leben und Tod und muss die Wünsche der Prinzessin erfüllen, um seine Seele zu befreien.
Soul Reaver auf Japanisch
Bei seinen Bemühungen, die Aufträge der Prinzessin zu erfüllen, trifft Raikoh auf diverse Dämonen und Geister, die es zu bekämpfen gilt. Das Gameplay ist durch ein einfaches Steuerungs- und Kampfsystem sehr intuitiv. Raikoh kann dank seiner übernatürlichen Fähigkeiten sehr hohe Sprünge vollführen. In Kombination mit den Schlagtasten kann er auch in der Luft schwebend kämpfen. Mit Hilfe der Boost-Funktion kann man Gegnern ausweichen oder beim rennen beschleunigen, um so tiefe Abgründe zu überwinden. Neben diversen Kampfattaken, mit denen sogar die Umgebung zerstört werden kann, stehen Raikoh in der Schlacht auch vier verschiedene Magie-Attacken zur Verfügung. Für einen solchen Angriff wird allerdings auch genügend spirituelle Energie benötigt, die man, genau wie Lebensenergie, von getöteten Feinden bekommt. Diese schwinden aber auch langsam wieder, wenn man durch die Level streift. So bleibt einem nichts anderes übrig als auf Konfrontationskurs mit diversen Dämonen zu gehen. Da „Otogi“ sehr viele Rollenspiel-Elemente beinhaltet, können Magie-Attacken, Waffen und auch Raikohs Energiereserven höhere Level erreichen. Während zu Beginn des Spiels nur zwei Kugeln als Energiespeicher dienen, können diese im Verlauf des Spiels noch auf bis zu acht anwachsen. Auch die Charakterwerte von Geschwindigkeit und Angriff können in den höheren Levels noch steigen. Vor Beginn eines Levels können, ähnlich wie bei „Enclave“, noch diverse Waffen, Magie-Attacken oder Accessoires ausgewählt oder im Shop eingekauft werden. Das nötige Kleingeld bekommt Raikoh durch das Töten von Feinden oder das Zerstören von Gebäuden und Gegenständen im Level. Wie es sich für ein richtiges Hack&Slay-Abenteuer gehört, gibt es natürlich auch eine große Waffenauswahl, neben diversen Schwertern sind auch Äxte, Speere, Beile und Stäbe zu finden. Da sich die Waffen bei starker Beanspruchung auch schnell abnutzen und an Wirkung verlieren, können sie vor jedem Level für Geld repariert werden.
Folklore-Sounds und umwerfende Grafik
Das Aufsehenerregendste an „Otogi“ ist wohl die Grafik, denn selbst nach fast einem Jahr sieht diese noch unverschämt gut aus. Abwechslungsreich gestaltete Landschaften, die sehr detaillierten Charaktermodelle und Magie-Attacken sind ein Augenschmaus. Auch bei der Gestaltung der Endgegner haben die Entwickler von „From Software“ ihre Phantasie spielen lassen. Neben einem Dämonenkönig, einer riesigen Spinne und einem Tausendfüßler, trifft man zum Beispiel auch auf eine achtköpfige Hydra. Genau so außergewöhnlich wie die Grafik des Spiels ist wohl auch der Sound. Die Ausflüge ins Reich der Dämonen werden mit typisch japanischer Musik untermalt. Diese ist zwar für europäische Ohren anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, jedoch absolut passend und unterstreicht die Stimmung des jeweiligen Levels. „Otogi“ gibt es zwar leider nicht auf Deutsch, aber die englischen Synchronsprecher könnten gar nicht besser besetzt sein. Ob der Erzähler zu Beginn des Spiels oder die mystisch gehauchten Aufträge der Prinzessin, der Sound ist absolut perfekt gewählt und fügt sich nahtlos ins Gesamtbild des Spiels ein.