Es gibt Spiele, die tauchen einfach so im Regal auf und man hat nie zuvor etwas davon gehört. Hier artet der Kauf zum reinen Glücksspiel aus. Daher liegt den Publishern viel daran, ihren Toptitel schon so früh wie möglich in den Schlagzeilen der Spielezeitungen zu platzieren. Im Falle von True Crime – Streets of L.A. ist dies auf jeden Fall gelungen. Schon weit vor dem Release wurde das Spiel als potentieller GTA-Killer gefeiert. Ob es wirklich dazu reicht, das Vorbild in den Schatten zu stellen, lest ihr in unserem Test.
Die Realität ist grau und nicht pink!
Vielen Zockern war die Spielwelt des neusten GTA-Sproß zu poppig und unrealistisch. Zwar passte die Umgebung perfekt zum Stil der 80er Jahre, doch litt meiner Meinung nach auch die Glaubwürdigkeit darunter. True Crime geht hier einen anderen Weg und versucht die Stadt des Verbrechens schlechthin nachzubilden, nämlich Los Angeles. Ganze 240 Quadratkilometer wurden akribisch in Bits und Bytes verwandelt, um eine nahezu grenzenlose Spielumgebung zu bieten. Dabei kann man sich frei in der Stadt bewegen und insgesamt über 100 Missionen absolvieren.
Jedes Spiel braucht einen Helden!
Und diesen könnte man kaum heroischer besetzen, als mit dem Ex-Polizisten Nick Kang. Wie sein Vater beschloss er schon sehr früh, sich auf die Seite des Gesetzes zu stellen. Doch schnell stellte sich heraus, dass er mit seinen eher unkonventionellen Methoden nicht lange einen guten Ruf genießen würde. Wegen zu brutaler Vorgehensweise wird Nick zur Spezialeinheit E.O.D. versetzt, welche dem immer tiefer werdenden Sumpf des Verbrechens beikommen soll. Zu allem Übel bekommt er auch noch eine neue Partnerin zugeteilt, mit der er so gar nicht auskommen will. Doch wie sollte es anders sein, dies bleibt nicht lange so…
Man wächst mit seinen Aufgaben!
Derer gibt es viele in der zweitgrößten Stadt der USA. Neben „kleineren“ Vergehen, wie Prügeleien oder Raubüberfällen, müssen auch Kapitalverbrechen aufgeklärt werden, die nach und nach mehr von der eigentlichen Story des Spiels preisgeben. Typisch für einen Genremix vom Schlage der GTA-Reihe, müssen Missionen nicht nur zu Fuß erledigt werden, sondern vor allem in den heißen Verfolgungsjagden soll sich zeigen, was unser Profibulle drauf hat. Aber natürlich müssen die Bösewichte auch mit Waffengewalt in Schach gehalten werden. Sollte „vorsichtigeres“ Vorgehen gefragt sein, wird der Halbasiate Nick aber auch schnell handgreiflich und glänzt mit vielen Schlag- und Trittkombos.
Die Polizei hat immer Recht!
Und hier wären wir schon bei der ersten Innovation von True Crime: Da man ja schon auf Seiten des Gesetzes steht, gäbe es ja theoretisch keine Instanz mehr, die unser Verhalten überwacht und gegebenenfalls sanktioniert. Denkste! Durch das integrierte Good-Cop/Bad-Cop Ranking gibt es Punktabzug für zivile Verluste oder zu brutales Vorgehen. Die Lösung von Sekundärzielen, wie z.B. die Aufklärung eines Autodiebstahls, bringt wiederum Pluspunkte ein. Nun gut, wer spielt schon für die Statistik? Doch hat diese Wertung einen ganz enormen Einfluss auf den Fortlauf des Spiels. Je nach Verhalten des Freizeitpolizisten, flimmert das erste von drei Endsequenzen schon nach wenigen Stunden über den Fernseher. Wer jedoch vorsichtiger ist, bekommt ein alternatives Ende der Geschichte zu sehen. Eine weitere Neuerung im Gameplay, ist die Möglichkeit, Missionen zu überspringen bzw. später noch einmal zu versuchen.
Ab auf die Schulbank!
Für die erfolgreiche Absolvierung der Primär- oder Sekundärmissionen bekommt man, wie bereits erwähnt, Punkte. Sobald man 100 gesammelt hat, erhält Nick eine Polizeimarke, die er in seine Fähigkeiten investieren kann. So kann z.B. in einer Fahrschule das Fahren auf zwei Rädern oder ein U-Turn geübt werden. Auf dem Schießstand kann Nick seine Präzision erhöhen oder den Umgang mit Geiselnehmern erlernen. Und zu guter letzt gibt es noch in der Stadt verteilte Dojos, in denen neue Kampfstile trainiert werden können. Der Beat´em Up-Teil ist zwar relativ rudimentär, aber grafisch perfekt inszeniert. Neben Spezial-Attacken stehen auch verschiedene Finishing-Moves zur Verfügung, welche sich locker mit asiatischen Kung-Fu-Movies messen können.
Ich brauche ihren Wagen!
Das Wichtigste bei einem Spiel wie diesem ist natürlich der Fuhrpark. Über 30 Fahrzeuge stehen zur Verfügung und können, wie bei GTA, jederzeit „ausgeliehen“ werden. Doch meist reicht es nicht, sich einfach einen Kombi von der Strasse zu schnappen. Dann setzt Nick auf seinen eigenen Fuhrpark, der im Verlauf des Spiels immer weiter anwächst. Auch wenn die Fahrzeuge nicht lizenziert wurden, so sieht man doch vielen ihr Vorbild allzu deutlich an. Dafür hat man aber beim Schadensmodell der Boliden ordentlich geklotzt. Selten konnte man ein Auto derart schön zerlegen, wie in True Crime! Nur wirkt es sich leider auch auf das Fahrverhalten aus, wenn die hintere Hälfte des Wagens auf dem Asphalt schleift. Da bleibt einem nur ein Pitstop an der Tankstelle, um das Auto wieder flott zu bekommen. Leider
finden sich im gesamten Spiel keine Motorräder oder Flugzeuge, wie etwa in GTA Vice City. Die Action auf der Strasse ist trotz allem einzigartig, da man die Möglichkeit hat, auch aus dem fahrenden Auto heraus zu feuern. Hierfür ist allerdings reichlich Übung von Nöten.
Waffe runter, Polizei!
Für die optimale Ausrüstung ist auch gesorgt. Zu Beginn hat Nick nur 2 halbautomatische Pistolen, die dafür mit Endlosmagazinen ausgestattet sind. Im Verlauf des Spiels kann jegliche Art von Waffen aufgenommen werden. Das übliche Arsenal von MP´s, Schrotflinten, Sturmgewehren und Granatwerfern steht auch hier zur Verfügung. Insgesamt gibt es mehr als 30 Waffen. Diese werden nicht einfach durch bloßes „Darüberlaufen“ aufgenommen, sondern mit einem gekonnten Tritt in die Hände manövriert. Heldenhaft ohne Ende! Für die Schusswechsel stehen zwei Feuermodi zur Wahl. Zum einen ein normaler Schuss, welcher durch Autoaiming etwas korrigiert wird. Zum anderen eine Art Zoommodus, welcher gezielte Treffer ermöglicht und die Zeit etwas verlangsamt. Dadurch muss nicht gleich jeder Gegner eliminiert werden, was sich wiederum gut auf das Ranking auswirkt.
Augen und Ohren auf die Motorhaube!
Natürlich sollte ein solcher Titel auch in Punkto Grafik und Sound mithalten können. Dies wurde mit einer eigenen Engine versucht, welche Tag- und Nachtwechsel und die riesige Stadt darstellen soll. Leider hat man aber mit sehr langen Ladezeiten zu kämpfen und häufig kommt es zu PopUps im Bildaufbau. Soundtechnisch gibt es aber nichts zu meckern. Ein erstklassiger Soundtrack mit 50 lizenzierten Tracks aus dem HipHop-Genre. Neben Snoop Dogg, Coolio und Bone Thugs´n´Harmony, kommt sogar der Altrapper Ice-T zu Wort. A propos „Wort“. Bei der Synchronisation des Titels setzt man ebenfalls auf Stars. So hört man hier unter anderem Christopher Walken (Pulp Fiction, True Romance), Gary Oldman (Das fünfte Element, Hannibal) oder Michael Madsen (Reservoir Dogs, Kill Bill).