Wenige Spiele wurden schon vor ihrem Erscheinen so heftig kritisiert wie seinerzeit „Canis Canem Edit“ für die PS2. Obwohl kaum etwas über den tatsächlichen Inhalt des Spiels bekannt war, genügte die Schulthematik Jack Thompson und seinen Konsorten als Aufhänger, eine Hetzkampagne gegen den im Kern harmlosen Titel von Entwickler Rockstar loszutreten, die letztendlich aber im Sand verlief. Trotz dieses handfesten Skandals und der Qualität des Spiels, blieb der große finanzielle Erfolg aus, weshalb es jetzt generalüberholt unter dem Namen „Bully – die Ehrenrunde“ für Xbox360 und Wii erscheint.
Sechs, setzen!
Jimmy Hopkins ist ein Problemkind, wie es im Buche steht: Mit seinen 15 Lenzen ist er schon von zig Schulen geflogen, mit Autorität kommt er auf keinen grünen Zweig und seine präferierten Konfliktlösungsmittel sind der Mittelfinger und die Faust. Damit dieser Balg seiner Mutter und ihrem neuen Bettgenossen nicht die Flitterwochen versaut, wird er kurzerhand in die Bullworth Academy abgeschoben, wo ihm der richtige Weg für die Zukunft gezeigt werden soll. Doch der Campus ist mehr Schlachtfeld als behagliche Lernumgebung: Sportler, Streber, Schläger und Schnösel kämpfen mit allen Mitteln um die Vorherrschaft über den Schulhof. Da kommt der Neue als Spielball im Klassenkampf gerade recht.
In bester GTA-Manier streift Ihr folglich über das frei begehbare Schulgelände und die angrenzende Stadt und erfüllt die abwechslungsreichen Aufträge der unterschiedlichen Gruppen, um euch in der Hackordnung nach oben zu arbeiten. Da Jimmy jedoch nicht zu der Sorte Mensch gehört, die sich anderen unterordnet, spielt er im Verlauf der fünf Kapitel alle gegeneinander aus, um letztlich selbst das Schulhof-Zepter in den Händen zu halten.
Ferris macht blau
Wie schon auf der PS2 muss Jimmy auch bei seinem Next-Gen-Debüt zweimal am Tag die Schulbank drücken, wobei Ihr in fächerspezifischen Minispielen euer Können unter Beweis stellen müsst. Für „Die Ehrenrunde“ wurde der Stundenplan um die vier Fächer Biologie, Mathe, Geografie und Musik aufgestockt. In der Bio-Stunde gilt es beispielsweise, gekonnt mit Skalpell, Lupe und Pinzette toten Tieren die Eingeweide aus dem Körper zu schneiden, was sich mit dem 360-Pad aber ziemlich unpräzise gestaltet. Schon besser ist da der Musik-Unterricht, bei dem Ihr im Takt die Schultertasten drücken müsst. Längerfristig fesseln die Minispiele zwar nicht, als Auflockerung für Zwischendurch sind sie aber eine feine Sache.
Ihr wollt eure Zeit nicht in einem stickigen Hörsaal verbringen und das Pennäler-Leben lieber abseits von strengen Lehrern und nervenden Klassenkameraden genießen? Kein Problem, dann nehmt euch einfach frei – Ihr solltet bloß aufpassen, dass euch kein Präfekt oder Polizist während der Schulzeit erwischt, sonst werdet Ihr schnurstracks wieder ins Klassenzimmer verbannt. Bei gravierenderen Verstößen verdonnert euch der Rektor bisweilen zum Rasenmähen.
Nachsitzen
Optisch hat sich seit der Ur-Version einiges getan: Die Texturen sind detaillierter, die Charaktermodelle runder und auch die Umgebung wurde ordentlich herausgeputzt. Damals wie heute überzeugen die unterhaltsamen Zwischensequenzen mit tiefschwarzem Humor und hervorragenden englischen Sprechern. Bei all dem kann „Bully“ seine PS2-Wurzeln jedoch nicht verleugnen, was besonders im Vergleich zu aktuellen 360-Titeln auffällt.
Darüber hinaus wird der technische Gesamteindruck noch von einigen Bugs getrübt: Obwohl die Grafik nichts Außergewöhnliches bietet, leidet das Spiel unter heftigen Framerate-Einbrüchen, langen Ladezeiten und Abstürzen, bei denen ein Konsolen-Neustart nötig ist, um weiterzuspielen. Die Entwickler wissen um das Problem und haben mittlerweile einen Patch veröffentlicht, der die Fehler jedoch nicht behebt, sondern zusätzlich neue schafft.