Mit "Legends of Rock" steht erstmals ein "Guitar Hero" in den Läden, das nicht von Entwickler Harmonix stammt. Dort werkelt man bekanntlich an "Rock Band", einen "Band Hero-Deluxe", wenn man so will. Entwicklerurgestein Neversoft kümmert sich ab sofort um die Spielereihe, und zeigt mit "Guitar Hero 3", dass man sich nicht nur im Skateboard-Metier gut auskennt, sondern auch ordentlich Rhythmusgefühl im Blut hat. Wir haben die Plastikgitarre ein drittes mal in die Hand genommen.
Kabelsalat Adé
"Guitar Hero 3" kann entweder als Boxversion, oder im Bundle mit einem Gitarrencontroller erworben werden. Wer den Vorgänger bereits besitzt, kann sich also die gut 100 € für das Bundle sparen, und den alte Plastik-Gitarre verwenden. Wer das Paket kauft, bekommt allerdings eine stylische Wireless-Gitarre im "Les Paul" Design. Die Kabelfreiheit hat deutliche Vorteile. Ein weiterer Plustpunkt der neuen Version: Der Griffhals ist abnehmbar, der Controller also besser zu transportieren. Zudem wirkt das Design deutlich edler als das des weißen E-Schrubbers des Vorgängers. Einige Gründe also, sich das Bundle auch als Besitzer des Vorgängers zu kaufen.
Motivierend wie eh und je
Wer "Guitar Hero" kennt, kennt sich aus. Nach wie vor bietet euch das Spiel zahlreiche Modi, in denen Ihr euch austoben könnt. In diesem Absatz wollen wir die wichtigste der Varianten, den Karrieremodus, ein bisschen näher beleuchten. Nach wie vor stehen vier Schwierigkeitsstufen zu Auswahl, die mit jeweils 42 Songs aufwarten. Einsteiger sollten auf leicht beginnen, Kenner der Vorgänger die mittlere Stufe wählen– schließlich macht das Klimpern erst dann richtigen Spaß.
Die Karriere erzählt den Werdegang eurer Band – von Konzerten in heimischen Absteigen bis hin zum Monster-Auftritt in China. Neu sind witzige, sehr stylische Zeichentrickfilmchen, die nach jedem erfolgreichen Auftritt abgespielt werden, und euren virtuellen Aufstieg erzählen. Insgesamt acht solcher Auftritte, bei denen euch jeweils vier Songs zur Auswahl stehen, gibt es. Absolvieren müsst Ihr allerdings immer nur drei der Lieder, um dannach in einer Zugabe euer nächstes Konzert freizuspielen.
Neu sind die Boss-Battles gegen Rock-Legenden. Bekannte Rocker gibt's allerdings nur zwei: Tom Morello (Audioslave, Rage Against The Machine) und Slash (Guns N' Roses, Velvet Revolver). Gegen Ende tretet Ihr in der Hölle außerdem gegen den Teufel höchstpersönlich an. Ingesamt enttäuscht die Auswahl – ein paar Stars mehr hätten nicht geschadet. Die Duelle sind spielerisch ähnlich wie die Koop-Auftritte gestrickt, allerdings gibt es anstatt Starpower sogenannte Power-Ups. Diese sammelt Ihr ein, um euren Gegner das Spielen zu erschweren. So könnt Ihr beispielsweise dessen Verstärker überlasten oder bestimmte Tasten blockieren. Nur wer viele Extras sammelt und geschickt einsetzt (mit dem hochreißen der Gitarre), hat gegen die Legenden eine Chance. Doch Achtung: Auch euer Gegenüber sammelt Powerups, und setzt diese gegen euch ein.
Ingesamt sind die Battles eine nette Idee und bieten zusätzliche Abwechslung. Allerdings solltet Ihr bereits ein bisschen geübt haben, bevor Ihr in den höheren Schwierigkeitsgraden gegen die Legenden antretet – die Kämpfe sind ziemlich fordernd.
Wann kommt dieser Alex denn eigentlich?
"Legends of Rock" glänzt mit der bisher Besten Songliste. Perlen wie "Welcome to the Jungle" von Guns N' Roses, "Reptilia" von den Strokes, "Black Magic Woman" von Santana und "Bull's on Parade" von Rage Against the Machine warten nur darauf, von euch angezupft zu werden. Ingesgesamt wartet das Spiel mit über 70 Titeln, teils Originale, teils sehr gute Coverversionen, auf. Übrigens: Die komplette Songliste findet Ihr unter dem Meinungskasten dieses Artikels.
Die Songs spielt Ihr nach und nach frei – allerdings gibt's auch zahlreiche Bonus-Tracks, die Ihr mit dem im Spiel verdienten Geld kaufen müsst. Darunter sind viele unbekannte, aber nicht minder hochwertige Titel vertreten, aber auch ein paar echte Reißer, wie etwa "Ruby" von den Kaiser Chiefs, oder "Hier kommt Alex" von den Toten Hosen. Im Shop lässt sich übrigens noch mehr erwerben: Neue Charaktere, Gitarren, Outfits und Lackierungen. Nett.
Rock Around the World
Im Karrieremodus halten sich die Neuerung in Grenzen. Das tut dem Spielspaß keinen Abbruch, lässt aber ein bisschen Innovation vermissen. Besser schaut's da im Mehrspielerbereich aus: Neversoft hat dem Spiel einen angenehm umfangreichen Onlinemodus spendiert. Neben Ranglistenduellen könnt Ihr auch
benutzerdefinierte Matches via Xbox-Live austragen. So lassen sich die spaßigen Boss-Duelle des Karrieremodus nun auch gegen menschliche Mitspieler zocken – ein Heidenspaß!
Über die akustischen Qualitäten des Spiels brauchen wir keine Worte mehr zu verlieren, doch wie schaut's in optischer Hinsicht aus? Grafisch erstrahlt auch Teil drei im Comiclook. Die Grafik wurde dezent aufgebohrt: So sehen die Charaktere, oft witzig an reale Stars angelehnt, noch ein bisschen besser aus, die Effekte sind hübscher und die Locations imposanter. So zieht es Euch während eurer Tour in Gefängnis, nach China und England. Gegen Ende des Spiels verschlägt es euch sogar in die Hölle! Halleluja!
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:

