Es gibt wohl kaum ein Spiel, welches 2009 bereits vor Release so viel Anlaß zur Euphorie gab wie Brütal Legend. Tim Schafer (Day of the Tentacle, Grim Fandango) als Game-Designer, Jack Black in der Hauptrolle, eine Welt, die den Covern diverser Metalplatten entsprungen scheint... und einen Soundtrack, der jedem Metalhead ein lautes "Hell yeah!" entlockt - das kann doch gar nicht schiefgehen. Kann es nicht? Wir haben es uns angesehen.
Brütale Legende
In
Brütal Legend übernehmt ihr die Rolle von Eddie Riggs, welcher Jack Black (
Tenacious D) nachempfunden und auch von diesem synchronisiert wurde. Eddie ist ein Roadie, der Beste in der Branche; Experte in Gitarrentuning und Bühnenaufbauten. Der Metalfan lebt in der Gewissheit, die große Zeit echter Musik verpasst zu haben. Durch einen Bühnenunfall tropft Blut auf seine Gürtelschnalle und erweckt eine uralte Bestie zu neuem Leben. Davon kriegt Eddie selber nichts mehr mit, er erwacht in einer fremden, dennoch vertraut wirkenden, Welt. Hier scheinen Metal-Plattencover und -Songtexte zum Leben erwacht zu sein: Eddie selber findet sich auf einem riesigen Turm aus Schädeln und Knochen wieder, andernorts ragen riesige Schwerter und Motorblöcke aus dem Boden. Bald wird Eddie feststellen, dass die letzten Reste der Menschheit hier versklavt wurden. Ein kleiner Trupp um ihren Anführer Lars Halford, dessen Schwester Lita und der geheimnisvollen Ophelia leistet jedoch erbitterten Widerstand - allerdings alles andere als organisiert. Ein Job für Eddie...
Dabei erkundet ihr nach und nach die Welt, welche in Bereiche unterteilt ist, die sich thematisch an verschiedenen Metal-Stilrichtungen orientieren. Bereits zu Beginn von
Brütal Legend erhaltet ihr eure Hauptwaffen: Zum einen den "Zerteiler", eine große Streitaxt für mächtige Hiebe, und zum anderen die Gitarre "Clementine", welche Blitz und Feuer abschießen kann. Mit dem Blitz könnt ihr größere Gegner betäuben und dann teilweise auch auf ihnen reiten. Richtig wirkungsvoll werden die Waffen, wenn sie kombiniert werden - dann lösen sie nämlich ein Erdbeben aus, das auch ganze Türme zum Einsturz bringen kann! Zudem baut sich Eddie aus einigen Bauteilen noch den "Teufel" zusammen, einen Hotrod mit Nitro-Einspritzung. Nachdem ihr so die Siedlung von Halford und seinen Mannen erreicht habt, könnt ihr die Insel frei mit dem "Teufel" (oder zu Fuß) erkunden. Und das ist wirklich zu empfehlen, da ihr im Land verteilt einige Dinge findet, die euch bei eurer Reise von großem Nutzen sein werden.
Wer sucht, der wird mächtig
Die meisten Sachen jedoch sind verschüttet. Zum Glück lernt ihr bereits zu Beginn von
Brütal Legend zwei wichtige Solos zu spielen: "Reliktjäger" und "Teufel herbeirufen" (durch letzteres habt ihr euren fahrbaren Untersatz verfügbar). Dazu wählt ihr mit dem rechten Trigger das Solo-Menü aus und dort dann den jeweiligen Song. Mit X, Y und A müsst ihr dann ein kurzes Reaktionsspiel absolvieren und schon entfaltet das Solo seine Wirkung. In der Welt verteilt findet ihr weitere Riffs, die ihr lernen könnt, alle mit sehr unterschiedlicher Wirkung. Zwar bekommt ihr einige automatisch im Verlauf des Spieles, einige jedoch sind ebenfalls in der Welt versteckt. Gerade Solos wie "Gesichtsschmelze" eignen sich hervorragend, um einen größeren Feindestrupp schnell aus dem Weg zu räumen. Aber ihr findet auch einige Solos, mit denen ihr eure Leute motiviert, stärker zu kämpfen oder sich zu sammeln.
Verschüttete Objekte könnt ihr mit "Reliktjäger" aus dem Boden heben - so schaltet ihr weitere Musikstücke ("verschüttetes Metall") für den "Teufel" frei oder Motorschmieden. In diesen wird nicht nur euer Hotrod ordentlich aufgemotzt, ihr bekommt dort auch Verbesserungen für eure Waffen, neue Moves und einiges mehr. Das kostet euch allerdings Feuer-Tribute, die ihr durch verschiedene Aktionen im Spiel verdienen könnt. Zudem warten in
Brütal Legend noch 120 gefesselte Drachenstatuen darauf, von euch gefunden und befreit zu werden sowie Statuen, die euch in Legendenform die Entstehungs-Geschichte der Welt erzählen - und was eure Gürtelschnalle und eure Existenz damit zu tun haben. Dazu gibt es noch einige Sehenswürdigkeiten zu entdecken.
Ab auf die Bühne!
Die erste Zeit verbringt ihr in
Brütal Legend eher wie in einem typischen Action-Adventure: Ihr erforscht aus der Verfolgersicht die Welt, kämpft gegen kleinere Gegner und befreit einzelne Leute. Diese werden zu eurer Armee, und ihr erlangt mehr und mehr Fähigkeiten, diese zu befehligen. Und so mündet das Spiel dann nach einiger Zeit in die Stagebattles. Hier landet ihr auf einer Bühne, die ihr vor euren Gegnern verteidigen müsst. Eure Widersacher verfügen ebenfalls über eine Bühne, die ihr einnehmen müsst. Um nun eine Armee aufzubauen, müsst ihr Fan-Geysire besetzen. Habt ihr genug Fans, könnt ihr Einheiten produzieren oder eure Bühne weiter ausbauen, um noch größere Einheiten zu produzieren. Diese könnt ihr dann, wie in den Missionen gelernt, über das Schlachtfeld kommandieren. Damit ihr nicht immer lange Laufwege in Kauf nehmen müsst, könnt ihr hierbei fliegen. Warum, klärt die Story. Das klingt jetzt alles stark nach Echtzeitstrategie, ist es allerdings nur begrenzt. Meist seid ihr erfolgreich, wenn ihr eure Armee zusammenhaltet und euch selbst mit in das Getümmel werft. Ihr könnt mit euren Einheiten auch Team-Aktionen starten, beispielsweise euch mit auf ein Bike schwingen oder mit den Headbangern kleinere Einheiten niedertrampeln. Keine Sorge: Falls ihr dabei sterbt, bringen euch eure Fans zu eurer Bühne zurück.
Die Kampagne von
Brütal Legend besteht gegen Ende eigentlich nur noch aus einem Wechsel von kleineren Missionen wie Schutz für den Tourbus leisten oder neue Einheiten rekrutieren und eben diesen Stagebattles. Wenn ihr die Welt nicht zu sehr erkundet, könnt ihr das Spiel in 6-8 Stunden absolviert haben. Danach steht euch die Durchforstung der Welt noch frei, oder ihr stürzt euch in den Multiplayer-Modus. Hier könnt ihr gegen die KI oder online gegen einen Freund Stagebattles bestreiten. Ihr übernehmt dabei eine der drei Fraktionen aus der Kampagne. Ansonsten unterscheiden sich diese nicht wesentlich von den Stagebattles aus der Solokampagne - und mit gerade einmal sieben Karten wird hier auch nicht viel Abwechslung geboten. Spaß machen die Gefechte dennoch eine ganze Weile.
Jede Menge Metal
Nicht nur Jack Black wurde für das Spiel verpflichtet, auch einige Metal-Götter konnten für Rollen gewonnen werden. So trefft ihr in der Motorschmiede auf den
Guardian of Metal, welcher von Ozzy Osbourne gesprochen wird und diesem auch optisch nachempfunden ist. Lemmy Kilmister von Motörhead trefft ihr ebenso wie Lita Ford und Rob Halford. Aber auch sonst kommen allerlei hochklassiger Sprecher zum Einsatz. Die gehen zwar großteils auch in der deutschen Synchronisation in Ordnung, glücklicherweise sind aber die Originalstimmen in den Optionen einstellbar - das schafft noch größere Atmosphäre.
Der Soundtrack umfasst 108 Songs aus allen Sparten des Metal. So findet ihr neben Urgesteinen wie Black Sabbath, Judas Priest oder Motörhead auch Bands wie In Flames, Cradle of Filth, Def Leppard, Dimmu Borgir, Iced Earth oder Saxon wieder. Auch von Tenacious D finden sich zwei Songs in der Playlist. Damit ist der Soundtrack nicht nur massiv, sondern vor allem vielfältig - kaum ein Metal-Subgenre, das hier nicht mit einem Song vertreten ist. Ihr könnt euch sogar eure eigene Playlist aus den freigeschalteten Tracks zusammenstellen, so dass ihr im "Teufel" nur die Lieder zu hören kriegt, die ihr auch mögt.
Der wahre Hauptdarsteller von
Brütal Legend ist allerdings ganz klar die Welt, in der sich Eddie Riggs wiederfindet. Wenn ihr euch die Zeit nehmt und die Umgebungen erforscht, werdet ihr jede Menge Details und unzählige kleinere Gags entdecken können. Dabei ist die Welt ein lebendig gewordenes Plattencover: Riesige Schwerter, die im Boden stecken, monumentale Steinsymbole, ein gigantischer Motorblock am Strand, Auspuffrohre als Bäume, Kathedralen, neblige Wälder, Friedhöfe und ein Kreaturen-Design, das eindeutig das Prädikat "abgedreht" verdient hat. Nicht nur die Einheiten, die ihr in den Stagebattles aufeinander hetzt, sind entsprechend designt, sondern auch die Tiere, die in dieser Metal-Welt leben. Beispielsweise die Feuerklingen-Keiler, eine Mischung aus Wildschwein und Motorrad. Oder Metallspinnen, die Saiten spinnen. Einfach irre, wieviel Liebe zum Detail in diese Welt geflossen ist. Das liegt auch am Tag- und Nachwechsel sowie dem Wettersystem, die die Gebiete in immer neue Farben hüllen und jede Menge Atmosphäre erzeugen. Dazu tragen auch die Farbfilter bei, die für immer neue Beleuchtung sorgen.
Jede Welt hat allerdings ein Problem: Irgendwo ist sie zu Ende. Euer Abenteuer findet somit quasi auf einer Insel statt - wenn ihr also mit dem "Teufel" zu unachtsam durch die Gegend heizt, kann es euch schnell passieren, dass ihr in einen Abgrund segelt. Das ist zwar nicht weiter tragisch, da ihr keine erreichten Fortschritte verliert, jedoch landet ihr nach eurem Ableben wieder bei einem der letzten Checkpoints (beispielsweise der Motorschmiede, in der ihr zuletzt gewesen seid). Allerdings ist das nicht das einzige Problem von
Brütal Legend. Die Framerate ist leider alles andere als konstant, es kommt immer mal wieder zu Rucklern und kurzzeitig eingefrorenen Bildern. Daran ändert leider auch eine Installation auf Festplatte nur wenig. Auch die Orientierung hätte mit einer eingeblendeten Minimap und frei setzbaren Orientierungspunkten besser ausfallen können.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:

