Nur etwa 10 Jahre haben den Beatles genügt um zur größten Rockband der Geschichte zu werden. Nicht nur unzählige Auszeichnungen und viele Millionen verkaufter Schallplatten machen die Beatles zu einem echten Meilenstein in der Musikgeschichte. Kaum eine ernstzunehmende Band kann ihre Anleihen bei den Pilzköpfen verhehlen. Knapp 40 Jahre nach der Bandauflösung tauchen John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr nun zum ersten Mal in einem Videospiel auf. Eine kleine Sensation, möchte man meinen. Schließlich bieten die Rechteinhaber der Beatlessongs ihre Lizenzen nicht gerade wie Sauerbier an. Dennoch haben es Electronic Arts und Harmonix geschafft, das Erbe der Band in The Beatles: Rock Band virtuell aufzuarbeiten. Was das Spiel taugt und welche Klippen die Macher bei der Erstellung des Titels dabei umschiffen mussten, erfahrt ihr in unseren Test.
Früher war alles besser! Dieser Spruch mag – je nach Ansicht – für die Kreativität der Musiker durchaus zutreffen. Bezüglich der reinen Tonqualität können sich die Schallplattenaufnahmen der Pilzköpfe allerdings keinesfalls mit neumodischen Produktionen messen. Während heutzutage jedes Instrument separat aufgenommen wird und später als Tonspur dem Gesamtwerk beigemischt wird, gingen die Bands seinerzeit noch geschlossen ins Tonstudio um ihr neues Album aufzunehmen. Dies mag zwar für den ein oder anderen einen gewissen Charme versprühen, ist für Videospieldesigner jedoch ein echtes Horrorszenario. Die Aufarbeitung der einzelnen Tonspuren – etwa für ein Musikspiel wie
Guitar Hero oder
Rock Band – bedeutet einen wesentlich größeren Aufwand. Daher war der 09.09.09 für Beatles-Fans ein ganz besonderer Tag. Denn dies war das Datum, an dem sämtliche Beatles-Werke noch einmal neu aufgelegt wurden… in digitaler Form und bester Tonqualität. Dadurch war es den Kreativköpfen bei Harmonix gut möglich, den Beatles ein eigenes
Rock Band Spiel zu bescheren.
Mit
The Beatles: Rock Band hat Harmonix das Musikspielrad natürlich nicht neu erfunden. Dennoch beinhaltet das Spiel einige interessante Neuerungen gegenüber der letzten
Rock Band-Version.
Vom Cave Club zum Abschiedskonzert
Im Gegensatz zu
Rock Band: AC/DC hat sich Harmonix nicht nur darauf beschränkt, eine handvoll Songs der Band auf eine Disc zu pressen. Für
The Beatles: Rock Band wurden die Pilzköpfe in digitaler Form nachgestellt. Hinzu kommt die originalgetreue Nachstellung der Lokalitäten. Mit viel Liebe zum Detail wurde etwa der Cavern Club, wo der erste große Auftritt der Beatles stattfand, nachgebildet. In einer Reise durch die Zeit von 1960 – 1970 begleitet ihr die Fab Four bei ihren Karriereschritten. Im Spiel dreht sich alles um die vier Ausnahmemusiker. Gastauftritte anderer Bands werdet ihr in
The Beatles: Rock Band vergeblich suchen. Nebenbei schaltet ihr manches interessantes Extra fei, wie etwa bisher unveröffentlichte Fotos und sonstige Outtakes. Beatles-Fans werden ihre helle Freude dabei haben.
Doch auch für Gelegenheitshörer gibt es in
The Beatles: Rock Band einige interessante Neuerungen zu entdecken. So gibt es neben den üblichen Tonspuren für Gitarre, Bass und Drums nun insgesamt drei Gesangsspuren. Während der Harmoniegesänge dürfen nun die anderen Bandmitglieder ebenfalls losschmettern. Alternativ sucht ihr zwei weitere Freunde und ihr zockt das Spiel mit insgesamt 6 Bandmitgliedern. Die Harmoniegesänge sind eine echte Aufwertung für das Musikspielgenre und steigern das Bandgefühl noch einmal erheblich. Dieses Feature würde auch
Rock Band 3 gut zu Gesicht stehen. Praktischerweise sind alle USB-Mikrofone zum Spiel kompatibel und auch die
Lips-Mikrofone verrichten ihre Arbeit in Zusammenarbeit mit den Beatles tadellos. Damit ihr noch tiefer in den Zeitgeist der 60er Jahre eintauchen könnt, hat Electronic Arts auch ein neues Instrumentenset geschnürt.
Die neuen Instrumente
Keine Frage, die Replikate der Beatles-Instrumente sehen fantastisch aus. Fantastisch ist jedoch leider auch der Preis. Stolze 99€ müsst ihr für John Lennons Rickenbacker 325 bzw. George Harrisons Gretsch Duo Jet hinblättern. Den Höfner-Bass von Paul McCartney gibt es auch. Allerdings liegt dieser nur dem Komplettpaket bei. Dieser enthält neben dem besagten Bass auch das kabellose Drumkit, sowie ein Mikrofon inklusive Ständer und das Spiel selbst. Kostenpunkt: etwa 199€. Wer sich also der ultimative Beatles Erfahrung hingeben möchte, muss tief in die Tasche greifen.
Beatles – Die Songauswahl
Das Gesamtportfolio der Beatles würde sicherlich genug Material für zwei Beatles-Spiele hergeben. Dennoch haben sich Harmonix und Electronic Arts in
The Beatles: Rock Band auf insgesamt 45 Songs beschränkt. Weitere Lieder können über den hauseigenen Music Store heruntergeladen werden. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung war jedoch lediglich der Klassiker „All You Need Is Love“ verfügbar. Für 160 Mircosoft-Punkte (ca. 2€) kann dieser zum Lineup hinzugefügt werden. Weitere Downloads sind jedoch bereits angekündigt. Im Gegensatz zur
Rock Band Hauptserie sind direkt von Beginn an sämtliche Songs spielbar und müssen nicht erst über den Karrierefortschritt freigespielt werden. Leider haben es einige der bekanntesten Klassiker nicht ins Spiel geschafft. So fehlen zum Beispiel Perlen wie „Yesterday“, „Let It Be“ oder „Hey Jude“. Dennoch bietet das Lineup zahlreiche bekannte Songs, die jeder sicherlich schon einmal irgendwann gehört hat:
A Hard Day’s Night
And Your Bird Can Sing
Back In The U.S.S.R.
Birthday
Boys
Can’t Buy Me Love
Come Together
Day Tripper
Dear Prudence
Dig A Pony
Do You Want To Know A Secret
Don’t Let Me Down
Drive My Car
Eight Days A Week
Get Back
Getting Better
Good Morning Good Morning
Hello Goodbye
Helter Skelter
Here Comes The Sun
Hey Bulldog
I Am The Walrus
I Fell Fine
I Got A Feeling
I Me Mine
I Saw Her Standing There
I Wanna Be Your Man
I Want To Hold Your Hand
I Want You (She’s So Heavy)
I’m Looking Through You
If I Needed Someone
Lucy In The Sky With Diamonds
Octopus’s Garden
Paperback Writer
Revolution
Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band
Something
Taxman
Ticket To Ride
Tomorrow Never Knows
Twist And Shout
While My Guitar Gently Weeps
With A Little Help From My Friends
Within You Without You
Yellow Submarine
Grafik und Sound – die technische Seite der Beatles
Einen grafischen Oberkracher erwartet sicherlich niemand von einem Musikspiel. Ein Großteil des Bildschirms in
The Beatles: Rock Band ist ohnehin durch die „Noten“ der Songs ausgefüllt. Wer sich während des Spiels aber einmal die Zeit nimmt, um die Alter Egos der Pilzköpfe zu beobachten, bemerkt mit wie viel Detailliebe Harmonix zu Werk gegangen ist. Jeder Handgriff, jede Bewegung soll den Originalen möglichst nahe kommen. Gleiches gilt natürlich auch für die Songs an sich. Alle Titel halten sich sklavisch an das Original. Drumfills oder gar die beliebten „Big Rock Enden“ wurden aus dem Spiel entfernt. Dafür ist die Tonqualität überragend, wenn man bedenkt, dass die Songs ihren Ursprung in den 60er Jahren haben. Die digitale Überarbeitung der Songs lässt diesbezüglich keine Wünsche offen. Etwas zwiespältig dürften Musikspielvirtuosen jedoch dem recht moderaten Schwierigkeitsgrad gegenüber stehen. Schon in
Rock Band und
Rock Band 2 war der Schwierigkeitsgrad gegenüber der
Guitar Hero-Reihe etwas geringer, so hat Harmonix den Anspruch bei
The Beatles: Rock Band noch einmal nach unten korrigiert.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
