Wenn man als Wiispieler zum Videospielhändler seines Vertrauens geht und sich dort die Regale anschaut, bekommt man oft den Eindruck, es gäbe nur noch Kinder- und Minispiele. Anfangs hat man sich noch realistische Actiontitel mit 1:1-Bewegungsumsetzung erhofft, doch heute wird man anscheinend nur noch von den Schüttelspielen in quietschbunter Verpackung erschlagen. Ob "Job Island" nur ein weiterer Titel in dieser gigantischen Masse oder eine Bereicherung für eure Spielesammlung ist, erfahrt ihr in unserer Review.
Absolute Krisensituation
Was würdet ihr tun, wenn ihr bei euren nächtlichen Sternenbeobachtungen plötzlich auf einen Kometen stoßt, der sich auf driektem Kollisionskurs mit der Erde befindet? Die zuständige Behörde kontaktieren? Von der NASA sind aber nur noch Trümmer übrig. Den Präsidenten anrufen? Der weiß schon über die Situation Bescheid, findet es jedoch wichtiger, die Versäumnisse seines Lebens nachzuholen und seiner Sekretärin den Hof zu machen. Wie soll die Erde nur vor dieser Bedrohung gerettet werden? Das liegt doch auf der Hand: Mit einer Uhr, die euch in einen Superhelden verwandelt! Und diese gibt es natürlich beim Teleshoppingkanal.
Das ist die Situation, mit der sich die Familie von "Job Island" konfrontiert sieht. Da es jedoch am nötigen Kleingeld mangelt, was in unserer Gesellschaft unvorstellbar wäre, werden die beiden Kinder Tom und Nadine (wobei ihr den Namen des Kindes, das ihr steuert, ändern könnt) zur Arbeit geschickt. Die beiden sehen sich anscheinend nicht mit der Aufgabe überfordert, den riesigen Kometen in einer Woche aufzuhalten.
Storytechnisch zeigt sich "Job Island" anfangs von einer angenehm selbstironischen und albernen Seite, leider kann der Humor nicht das ganze Spiel überzeugen. Das Gameplay wird gelegentlich für unlustige und unüberspringbare Intermezzi unterbrochen und die eigentlich witzige Idee mit den bedrohlichen Himmelskörpern wirkt mit der Zeit total ausgelutscht.
Auf zum Arbeitsamt!
Nun verbringt ihr also sechs Tage der Woche damit, einen der angebotenen Jobs anzunehmen, um möglichst viel Geld zu sammeln. Die 50 Minbispiele decken dabei die wichtigsten Berufsfelder ab: Landwirtschaft, Medien, Unterhaltung oder Videospielbranche. Leider sind die einzelnen Minigames total unausgewogen. Das bezieht sich nicht nur auf den Gehalt, sondern auch auf den Spielspaß. Es gibt einige wenige Spiele, die wirklich unterhalten, ihnen gegenüber stehen jedoch haufenweise langweilige Geschicklichkeitseinlagen und einige Totalausfälle wie der Bodybuilder. Das Spiel ist nicht nur per se komplett belanglos, sondern hat auch noch mit einer mangelhaften Bewegungserkennung zu kämpfen. "Job Island" profitiert allgemein nicht sehr viel von der Bewegungserkennung. Da haben Hudson bei "Kororinpa" bessere Arbeit geleistet.
Nach ein paar harten Arbeitstagen habt ihr euch dann einen Ruhetag verdient. Ruhetage könnt ihr eigentlich jederzeit nehmen, ihr verpasst dadurch allerdings einen Arbeitstag und damit Geld. Deshalb ist es in den meisten Fällen sinnvoller, sich nur am Sonntag freizunehmen, da sonntags überhaupt nicht gearbeitet werden kann. An diesen freien Tagen könnt ihr dann im Haus herumlaufen, eure Souvenirs begutachten und fernsehen. Gerade Letzteres ist wichtig, denn nur über Teleshopping lassen sich die Gegenstände, die die Welt retten können, ergattern. Leider kriegt ihr diese Sachen nur gegen Bonuspunkte, also müsst ihr vorher Arbeitsuniformen (und damit neue Jobs), Hilfsgegenstände oder die bereits angesprochenen Souvenirs kaufen. Zu allem Überfluss ist die Menüführung beim Fernsehen wirklich undurchdacht und fordernder als manches Minispiel.
Der Komet ist im Spiel natürlich nicht die einzige Bedrohung: die Handlung wird immer bizarrer, so dass ihr bald mit einer riesigen Nudelsuppe statt dem Felsbrocken fertig werden müsst. Zunächst macht der Einzelspielermodus sogar etwas Spaß, danach wird allerdings die Spielzeit künstlich gestreckt. Immer wieder der selbe Gag und immer wieder die selben Spiele, denn viele werdet ihr nach dem ersten Versuch nicht mehr zocken wollen.
Arbeitsteilung
Ein besonderer Fokus liegt bei Minispielsammlungen natürlich auf dem Mehrspielermodus, doch auch hier hinkt "Job Island" seiner Konkurrenz hinterher. Der erste Kritikpunkt ist, dass das Spiel von maximal zwei Teilnehmern auf einmal gespielt werden kann. Hierbei kann zwischen verschiedenen Modi ausgewählt werden: So geht es mal darum, nach einer festgelegten Anzahl Spielen mehr Geld zu haben, mal darum, als Erster eine Zielsumme zu erreichen, oder einfach mehr Spiele als der Andere zu gewinnen. Abhängig vom Beruf wird im Splitscreen oder auf einem gemeinsamen Bildschirm gespielt. Die Spiele sind dabei genau wie im Singleplayer teilweise brauchbar, teilweise aber auch wirklich Schrott. Da ist es natürlich schade, dass in einigen Modi die Disziplinen zufällig ausgewählt werden.
Techniker gesucht
Die Zwischensequenzen werden in einem netten Comicstil präsentiert - nichts Revolutionäres aber sie erfüllen ihren Zweck. In den Minispielen und im Haus seid ihr jedoch in 3D unterwegs und hier zeigt sich "Job Island" von einer veralteten Seite. Wenige Polygone und matschige Texturen fordern auch die Wii nicht einmal ansatzweise. Der Sound hat nette Hintergrundmelodien anzubieten, allerdings wird auf eine Sprachausgabe komplett verzichtet. Eine andere Frage ist natürlich, ob man dieses Textbausteinprodukt wirklich in gesprochener Form haben möchte, denn die Grammatik wurde an einigen Stellen im Spiel komplett außer Acht gelassen. Kleiner Tipp fürs nächste Mal: Im ComicDeutschen haben Nomina verschiedenen Geschlechts unterschiedliche Artikel.