Manchmal ist die Welt gemein: Da dürfen sich PC-Zocker schon seit September letzten Jahres in den Maps eines “Enemy Territory: Quake Wars” austoben, während man uns Konsoleros acht lange Monate warten lässt. Schön: Seit dem 29. Mai gibts den Titel nun endlich auch für die Xbox360 und PS3. Noch schöner: Wir haben uns bereits ausgiebig durch den Multiplayershooter gekämpft, und verraten, ob das interessante Mehrspielerkonzept auch auf der Konsole zündet.
"Sie werden assimiliert werden"
Die Rahmenhandlung gibt sich, naja, nicht sonderlich innovativ. Auf der einen Seite haben wir unsere Erde, langsam aber sicher an der Umweltverschmutzung zugrundegehend, bevölkert von braven und weniger braven Menschen, auf der anderen Seite die Strogg. Und gegen diese üblen Gesellen ist jede Klimakatastrophe der reinste Kindergarten. Denn die Strogg – gefühllose Kreuzungen aus Fleisch und Maschine – haben nur ein Ziel: Lebensformen finden, versklaven oder töten, Planet ausbeuten, weiterziehen. Nicht mit uns Erdlingen! Also hetzt das irdische Militär alles was kämpfen oder schießen kann auf die feindlichen Angreifer. Genau in diese Gefechte verschlägt es euch in “Quake Wars”.
Der Name lässt es freilich schon vermuten: “Enemy Territory: Quake Wars” vereint zwei starke Serien: das interessante Konzept des Mehrspielerablegers eines hierzulande indizierten Titels (ihr wisst schon, der mit der Burg und den Nazis!), zum anderen id’s starke “Quake”-Serie, die vor allem eines ausmacht: Düstere Zukunftsszenarien und schnelles Gameplay. Wer “Quake Wars” spielt, muss schon fast aufpassen, bei der nächsten Partie eines Konkurrenzprodukts nicht einzuschlafen. Trotz der großen Maps konzentrieren sich die Kämpfe meist auf einen Punkt, abwechslungsreichen Aufgaben, die sich wie ein roter Faden durch die Gefechte ziehen, sei Dank. Alles spielt sich sehr flott, wer stirbt, wird fix wieder in das laufende Match geworfen. Manchmal geht alles aber dann doch ein wenig zu schnell: So entstehen mitunter “haudrauf”-Massenschlachten, in denen die Taktik etwas verloren geht. Verschmerzbar.
Der Spieler schlüpft entweder in die Haut der Menschen oder der Strogg – die Rollen des Angriffs und der Defensive sind klar verteilt. Die erwähnten Aufgaben wiederholen sich ab und an, machen aber Laune: Stellungen zerstören, Gerätschaften aktivieren – man kennt’s. Auf zwölf abwechslungsreichen Maps wird mit bis zu 15 Mitspielern gekämpft – sowohl über’s Netz, via Systemlink und auch offline. Vorsicht Einzelkämpfer: “Quake Wars” beinhaltet keinen wirklichen Einzelspielermodus. Zumindest keinen, der mit einer Story, Zwischensequenzen und einprägsamen Helden aufwartet. Vielmehr habt ihr die Möglichkeit, entweder individuelle Matches mit und gegen Bots selbst zu erstellen, oder aber eine Kampagne zu spielen, die schlichtweg alle Maps und Aufgaben aneinanderreiht. Das ist zu Trainingszwecken durchaus nett, für Zocker, die nichts für Multiplayer übrig haben, aber zu wenig. Wer sich also lieber alleine durch Spiele schlägt: Finger weg!
Löblich: Die Bot-KI überzeugt, verhält sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten sehr glaubwürdig, lässt auch mal den einen oder anderen Spruch fallen. Gut so!
Teamplay
Einsame Wölfe mit Mehrspielerambitionen haben in “Quake Wars” ebenfalls nichts verloren. Ein Satz für die Ewigkeit: Teamplay ist alles. Wer nicht zusammenarbeitet, kommt gegen die gegnerische Seite kaum an. Es geht aber noch weiter: Die verschiedenen Aufgaben lassen sich nur mit mehreren Spielern, die wiederum Funktionen im Rahmen ihrer Klassen erfüllen, lösen. Muss etwas gehackt werden, braucht es natürlich einen Geheimagenten, tickt eine Bombe, sollte sich ein Techniker um die Entschärfung kümmern. Fünf Klassen gibt es, darunter Medics, Soldaten und Feldagenten. Beide Seiten verfügen über das selbe Kontigent an Fähigkeiten – wenn auch mit unterschiedlichen Bezeichnungen – dies sorgt für Gleichgewicht.
Fahrzeuge gibt es natürlich auch: Flugzeuge, Panzer, wendige Quads – einfach herrlich! Und wenn wir gerade beim Aufzählen sind: Ein Belohnungssystem darf ebenfalls nicht fehlen: Für erledigte Aufgaben gibt’s Erfahrungspunkte, mit denen ihr bis zu vier Stufen aufsteigt und so nette Upgrades freischaltet.
Höllenoptik
“Quake Wars” basiert auf einer verbesserten Version der “Doom”-Engine. Konnte der Horrorshooter damals noch keine großen Außenareale darstellen, packt das überarbeitete Gerüst dies mit Leichtigkeit. Die optische Qualität ist okay, wirkt aber nicht mehr ganz taufrisch: Hässliche Innenräume, mitunter eckige Landschaft und ein paar matschige Texturen zeugen vom fortgeschrittenen Alter der Engine. Nicht falsch verstehen: Schlecht sieht “Quake Wars” keineswegs aus. Die riesigen Level, die tolle Weitsicht und der gekonnte Einsatz von Shadereffekten sollte den Großteil der Spieler zufrieden stellen. Zudem läuft das Teil auch auf der PS3 butterweich, nur bei Verbindungsproblemen kann es zu kleineren Rucklern kommen. Übrigens: Auch die Akustik überzeugt. Eine gute Eindeutschung und wuchtige Effekte untermalen das Kampfgeschehen passend.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
