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BIONIC COMMANDO
 Test von Kevin Kunze (23.05.2009) Artikel-Feed (RSS) abonnieren
Genre:Action Publisher:Capcom
Termin:22. Mai 2009 Entwickler:GRIN

Nach 21 Jahren wird Capcoms Bionic Commando mit einer Fortsetzung bedacht. Dieses Mal fungiert die Spieleschmiede jedoch nur als Publisher, denn entwickelt wurde der Next-Gen Titel von GRIN, die zuletzt mit Wanted: Weapons of Fate einen mittelprächtigen Actiontitel ablieferten und auch im bald erscheinenden Terminator: Die Erlösung ihre Finger im Spiel haben. In unserem Test klären wir darüber auf, ob der Titel an das innovative Konzept des Originals anknüpfen kann und warum Protagonist Nathan Spencer genauso gut ein rot-blaues Spinnenkostüm anziehen könnte.


Verrat aus Angst

Hitler... ähh Verzeihung Master-D aus dem Original ist Geschichte, denn inzwischen sind 10 Jahre vergangen. Doch anstatt den bionischen Soldaten zu danken, kam Angst in Ascension City auf. Die technisch verstärkten Menschen stellen nun auf einmal eine Bedrohnung für die Sicherheit des Volkes dar. In folge dessen werden sämtliche Cyborgs zusammengepfercht und ihrer bionischen Arme beraubt. Nicht wenige sind dabei gestorben, einige konnten jedoch flüchten und ein Leben im Exil beginnen. Hauptcharakter Nathan Spencer hingegen wartet im Hochsicherheitstrakt auf seine Exekution.

Doch just als diese eintreten soll, wird er von dem inzwischen zum Direktor des TASC ernannten Joseph “Super Joe“ Gibsion aufgefordert, wieder seinem Land zu dienen - dem Land, das ihn verraten hat. Doch warum sollte man erneut die Hilfe eines Bionic Commando in Anspruch nehmen? Ganz einfach: Weil alle bionischen Soldaten, die aus der staatlich vorgeschriebenen Gefangenschaft geflohen sind, eine neue terroristische Vereinigung namens BioReign gegründet haben und inzwischen - dank eines nuklearen Angriffs - ganz Ascension City in Trümmern liegt.

Widerwillig stimmt Nathan zu, wurden ihm doch bei einem erfolgreichen Abschluss der Mission Informationen zum Verbleib seiner Ehefrau versprochen.


Mit vollem Schwung voraus

Nachdem das Intro vorbei ist, werden Nathan und sein bionischer Arm auf getrenntem Wege mit Raketenkapseln direkt ins Krisengebiet geschossen. Natürlich ist sein Arm bei der Ankunft erstmal verschwunden, was bedeutet, dass es den Gegnern mit Schusswaffen an den Kragen geht. Dabei werden erste Grundlagen des Spiels erklärt. Nach dem Auffinden eurer Metall-Extremität folgt auch dafür ein kurzes Tutorial.

Dabei entpuppt sich die Steuerung als durch und durch gelungen. So schwingt ihr euch mit L2 durch die Umgebungen. Vom Laternenmast zur glatten Hauswand und von dort aus an einen Wasserbottich. Wie hoch oder tief ihr euch fortbewegt bleibt ebenfalls euch überlassen, solange ihr nicht in radioaktive Gebiete gelangt oder in tiefes Wasser fallt. DIe individuelle Gestaltung eures „Schwungstils“ liegt bis auf die o.g. Ausnahmen somit komplett bei euch.

Leider, oder vielleicht auch zur Freude mancher, erwartet euch in Bionic Commando keine frei begehbare Welt. Ihr könnt den Weg zwar minimal selbst bestimmen, die Levelabschnitte sind allerdings strikt linear. Schwingt ihr euch über die Grenzen des Levelabschnitts hinaus, landet ihr in der bereits erwähnten Radioaktivivät, die zum schnellen Tod Nathans führt. Dafür könnt ihr innerhalb der Level einiges finden: Bonusgegenstände, die Extras freischalten und dutzende Nebenmissionen sorgen für Abwechslung.

Doch nicht nur die Bewegung innerhalb der Level funktioniert grandios, auch das Kampfsystem weiß zu gefallen: Sowohl Nah- und Fernkampfangriffe mit dem bionischen Arm als auch die zahlreichen Schusswaffen reihen sich fabelhaft ins Gameplay ein.


Nerven aus Stahl

Schade nur, dass das bisherige, durch und durch gute Spiel durch zwei erhebliche Macken negativ auffällt. Da wären zum einen die häufigen und zum Teil langen Ladezeiten, die sich negativ sowohl auf Spielfluss, Spaß und Atmosphäre auswirken. Stellt euch vor, ihr kämpft euch durch eine perfekt inszenierte, postnukleare Stadt, schwingt gerade mit 200 Sachen durch einen Tunnel und dann "Spiel wird geladen". Das Gefühl der Geschwindigkeit ist dann mit einem Schlag verschwunden. Die Ladezeiten fallen zudem mit den automatischen Savepoints zusammen. Hier zeigt sich der zweite Schwachpunkt. So kommen die Speicherpunkte zwar allgemein viel zu häufig vor, aber gerade an den Stellen, an denen es darauf ankommt, sind sie wieder viel zu selten. Erneut ein Beispiel: Ihr hackt euch in ein System ein, um herumschwebende Minenfelder zu deaktivieren. Dann schwingt ihr euch an diesen Minen entlang, kämpft danach gegen zwei bis fünf Zwischengegner und dann nochmal gegen eine Horde normaler BioReign Grunts. Sterbt ihr, dürft ihr wieder bei den schwebenden Minenfeldern beginnen.

Und Sterben ist etwas, was Nathan Spencer besonders gut kann. So ist der Schwierigkeitsgrad im Allgemeinen zwar stetig am Ansteigen - ohne plötzliche Herausforderungen - aber es gibt immer wieder diese Stellen, die einfach so frustrierend sind, dass sie zu Wutausbrüchen führen. Denn nur der kleinste Fehler, nur einmal nicht rechtzeitig mit eurem Arm aus der Gefahrenzone gezogen oder mit L1 ausgewichen, führt zum Tode. Ihr habt nämlich keine Lebensanzeige, sondern ähnlich wie in Uncharted verändert sich der Bildschirm und der Sound parallel zu eurem Zustand. Dabei wechselt dieser in Bionic Commando von normal zu „blutrot mit Herzklopfem“. Und zwar so schnell, dass selbst den Contra-Veteranen unter euch hören und sehen vergehen kann.

Wer allerdings die Motivation und eine gehörige Portion Nerven besitzt, der wird mit mehreren Versuchen immer die richtige Taktik finden. Wirklich unschaffbar ist in Bionic Commando nichts. Für die, die mit weniger Durchhaltevermögen gesegnet sind, gibt es die Möglichkeit, Level zu überspringen. Bedenkt jedoch, dass euch dann sämtliche im Level auffindbaren Bonusgegenstände, zu bewältigende Aufgaben und Trophäen/Erfolge durch die Lappen gehen.


Wage den Sprung des Glaubens

Die Grafik von Bionic Commando gehört derzeit zur Oberliga aktueller Titel, bessere Effekte gibt es nur in wenigen Titeln wie »Resident Evil 5 zu sehen. Die wahre Stärke der Grafik ist allerdings die Umgebung, hier erwartet euch Abwechslung pur: Eine zerstörte Stadt, Höhlen, ein Dschungel, riesige Treibhäuser, eine Bohrinsel und und und. Richtig zur Sache geht es dann bei den zahlreichen „In den Abgrund spring“-Szenarien. Direkt nach dem Tutorial gibt es immer wieder Stellen, bei denen ihr waghalsig mehrere hundert Meter in die Tiefe springt, was einfach jedes Mal aufs Neue einen Heidenspaß macht, vor allem in Verbindung mit den genialen Bewegungsanimationen der Spielfiguren.

Die Physik-Engine jedoch, ist weder Fisch noch Fleisch. So gibt es Momente, in denen wirklich alles miteinander harmoniert, z.B. als ein riesiges Informationszentrum überfallen wird und bei Explosionen oder Beben die Bücher aus den Regalen fallen. Aber nicht selten benimmt sich die Umgebung wie eine steife Textur alter PSOne-Spiele, die einfach nicht auf Einflüsse von Spieler und CPU reagiert. Das ist schade, denn eine zerstörbare und wirklich realistische Umgebung hätte Bionic Commando nochmals zusätzlichen Reiz verliehen.

Dafür sind Soundkulisse, Musik und Sprachausgabe mehr als gelungen. Es kracht, scheppert und knallt an allen Ecken. Auch das Wetter fühlt sich realistisch an und alles was sich in der Umgebung abspielt, ist nicht nur zu sehen, sondern auch zu hören. Spieler des alten NES-Klassikers werden zudem die ein oder andere Nostalgie-Träne vergießen, denn das Musik-Theme des Originals wurde neu eingespielt und erklingt nun in zahlreichen Variationen von klassisch bis hin zu rockig. Das Tüpfelchen auf dem i sind die Sprecher, am meisten jedoch "Faith No More"-Sänger Mike Patton, der Protagonist Nathan Spencer seine Stimme leiht und mit Witzen ala „Wow! Is this a long healthbar or are you just happy to see me?“ mehr Humor an den Tag legt, als die versuchte Shooter-Genre Parodie »Eat Lead: The Return of Matt Hazard.


Ein Schwung ins Web

Der minimalistische Onlinemodus ist kaum der Rede wert: DeathMatch, TeamDeathmatch und Capture the Flag... das Übliche eben. Auch hier ist es das Gameplay inkl. der bionischen Fähigkeiten, das nochmal für das gewisse Etwas sorgt. So bleibt zu sagen, Bionic Commando hätte ein großartiges Spiel werden können, wird jedoch von dem Checkpoint/Ladezeiten-Problem unnötig heruntergezogen. Andere Dinge, wie der lineare Spielablauf, sind als Geschmackssache abzustempeln. Mir persönlich hätte jedoch gerade wegen des Gameplays ein Open World Spiel wie GTA mehr zugesagt.

Wer wirklich alle Geheimnisse im Spiel ausfindig machen möchte, sollte zum »offiziellen Lösungsbuch greifen. Was euch auf den 280 Seiten erwartet, erfahrt ihr in »unserer Buchrezension.

Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:






Nette Actionkost, die vor allem Fans des Genres begeistert. So und nicht anders fällt (leider) mein Fazit für Bionic Commando aus. Dabei erkennt man die Perfektion in Gameplay und technischer Präsentation zwar sofort und erfreut sich daran, wenn man aber erstmal von ständigen Ladescreens unterbrochen wird oder eine bestimmte Stelle 5x wiederholen muss, kann der Spielspaß schnell auf der Strecke bleiben. Für Genrefans dennoch ein Must Have Titel. Für andere ein solides Spiel für Zwischendurch, das sich in gut 12 Stunden durchspielen lässt und mit zusätzlichen Extras unter Umständen nochmals bei Laune halten kann.
80%
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84%

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Pro:
rundum gelungenes Gameplay
Soundtrack und Sprachausgabe überzeugen
Grafik, die das Spielgeschehen perfekt transportiert und super aussieht
abwechslungsreiche Gebiete

Contra:
lange und häufige Ladezeiten
Frustrationsmomente
teilweise zu wenig Checkpoints


Offizielle Website:
 BionicCommando.com

Weitere Links:
 Evolution Trailer
 BioMech Trailer



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