Dass Japaner einen Hang zur extremen Gewaltdarstellung und exotischen Regie-Konzepten haben, müssen wir Europäer spätestens seit dem Erfolg von Skandal-Regisseur Takeshi Miike auch hierzulande zugeben. Neben vielen Horror-Movies kommen auch außergewöhnliche Spiele aus dem Land der aufgehenden Sonne. So auch Capcoms selbstbetiteltes „Post-Modern-Action-Adventure“ Killer 7. Ursprünglich als GameCube-Exklusivtitel geplant, dürfen zudem auch PS2-Besitzer zum Gamepad greifen, um eine weltweite Verschwörung aufzudecken. Wie ihr das am besten anstellt, erfahrt ihr in unserem Review.
Globale Konflikte belächeln
Die Geschichte hinter Killer 7 ist eine Geschichte über Rache und der Rivalität zwischen zwei mächtigen Männern. Der Unterweltboss Kun Lan hat mit Hilfe von Gedankenkontrolle eine Armee willenloser Mörder um sich geschart – die so genannten Heaven´s Smiles. Diese gewalttätigen Terroristen werden eingesetzt, um Konflikte zwischen den USA und Japan zu entfachen und so das politische Gleichgewicht zwischen den großen Nationen aus den Angeln zu heben. Nahezu unsichtbar und mit Sprengladungen bestückt, stürzen sich die Heaven´s Smiles auf ihre ahnungslosen Opfer. Es entbrennt ein Geheimkrieg zwischen Attentätern, Kultgruppen und der Regierung – Zweihundert Nuklearraketen sind bereits auf dem Weg nach Japan… Das klingt nach einem Auftrag für Killer 7.
Die glorreichen Sieben
Harman Smith, ein ausgedienter Scharfschütze in seinen Sechzigern und Hauptperson in Killer 7, hat einen ausgeprägten Hang zur Schizophrenie. Er hat die Fähigkeit, ganze sieben Charaktere zu verkörpern. Den aggressiven Dan, die barfüßige Heckenschützin Kaede, den schweigsamen Messerwerfer Kevin, den blinden Con, den diebischen Latino Coyote, den Ex-Wrestler Mask und den Cleaner Garcian. Ihr könnt im Spiel jederzeit zwischen den einzelnen Charakteren wechseln, um so deren Spezialfähigkeiten, Stärken und Schwächen situationsabhängig auszunutzen. Con, ein blinder Junge von gerade mal 14 Jahren, verfügt über ein ausgezeichneten Gehör, kann sehr schnell laufen und macht Feinden mit Hilfe von Doppel-Pistolen die Hölle heiß. Kevin kann sich unsichtbar machen und garantiert mit seinen Messern für eine hohe Treffsicherheit. Coyote knackt Schlösser und springt auf Dächer, Dan hingegen überzeugt durch geballte Feuerkraft. Kaede kann sich die Pulsadern aufschneiden und legt mit der daraus resultierenden Blutfontäne versteckte Botschaften oder Türen frei. Schwergewicht Mask de Smith zertrümmert Wände und ist mit zwei Mini-Raketenwerfern bewaffnet. Wohl eher in der passiven Rolle befindet sich Cleaner Garcian, der lediglich Aufträge annimmt, dafür aber die Fähigkeit hat, getötete Charaktere wieder ins Leben zurückzurufen. Im Laufe des Spiels dürfte jeder seinen Favoriten unter den sieben charismatischen Hauptfiguren gefunden haben.
Blutige Wegfindung
Spielerisch geht Killer 7 neue alte Wege, denn euer Charakter bewegt sich, ähnlich wie in einem Lightgun-Shooter auf einer vor berechneten Bahn. An Weggabelungen entscheidet ihr euch einfach für die gewünschte Richtung. Das hat den Vorteil, dass ihr euch ganz aufs Schießen konzentrieren könnt. Hört ihr ein Geräusch, meist ein teuflisches Lachen, wechselt ihr kurzerhand in den Ego-Zielmodus und versucht, auf die gelb gekennzeichneten Schwachpunkte eures Gegners zu feuern. Trefft ihr sie, löst sich euer Gegenüber mit einem sehr ästhetischen Effekt in kleine Blutkügelchen auf. Nicht nur schön anzusehen, sondern für die Charakterentwicklung entscheidend, sammelt ihr diese automatisch ein. Blut ist bekanntermaßen ein ganz besonderer Saft, auch Killer 7 macht da keine Ausnahme. Mit dem eingesammelten Lebensgarant könnt ihr jeden der sieben Charaktere in vier Punkten wie Treffsicherheit oder Angriffsgeschwindigkeit aufleveln. Habt ihr in einem der Punkte ein bestimmtes Level erreicht, bekommt ihr eine neue Spezialfähigkeit wie den überaus nützlichen Gegenangriff. Neben gezielten Schüssen ist in Killer 7 auch euer Kombinations- und Orientierungsvermögen gefragt, um Rätsel zu lösen. Meist gilt es dabei Items zu finden, die richtig eingesetzt, verschlossene Türen öffnen. Habt ihr die Rätsel-Mechanik erst einmal durchschaut, sollten diese kein Problem mehr darstellen. Die Schwierigkeit besteht lediglich darin, sich in den großen Levels zu orientieren und so wieder mit dem jeweiligen Schlüssel zum Schloss zurück zu finden. Wisst ihr einmal nicht weiter, stehen euch im Spielverlauf auch jede Menge schräger Informanten, wie beispielsweise dem Masochisten Iwarazu, mit Tipps zur Seite.
Pop-Art in Bewegung
Das zweifelsohne herausragendste Feature in Killer 7 ist die minimalistische Cel-Shading-Grafik. Statt fotorealistischer „Tapeten“ wurde hier fast gänzlich auf Texturen verzichtet, an deren Stelle treten helle Pastellverläufe oder knalliges Unicolor. Jede der Locations im Spiel wird damit einzigartig und wirkt wie eine künstlerische Interpretation des jeweiligen Schauplatzes. Ob texanische Kleinstadt, verträumtes Städtchen in der Dominikanischen Republik oder avantgardistischer Hotelkomplex – der Comic-Look ist durchweg sehr gelungen. Ergänzt wird der Augenschmaus noch durch unterschiedlich stilisierte Anime-Sequenzen. Abhängig vom Storyverlauf wechseln dabei kaum animierte aber dafür brillant gezeichnete Szenen mit klassischen Animationen im Marvel-Stil. Komponist Masafumi Takada sorgt für die passende Sounduntermalung, die von Drum ´n´ Bass über Country bis hin zu japanischen Klängen ein breites Spektrum zur perfekten Untermalung des jeweiligen Szenarios bietet.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:

