Jedes Jahr bringen Konami und Electronic Arts fast zeitgleich die aktuelle Ausgabe ihrer Fussballreihen auf den Markt. Die letzten Jahre konnte "Fifa" durch originalgetreue Daten überzeugen, die "Pro Evolution Soccer"-Serie hatte letzlich dank des realistischen Gameplays dennoch meist den Trumpf in der Hand. Mit "PES 2008" leistete sich Konami allerdings einen kleinen Aussetzer, das Gameplay konnte Realismus-Fans nicht begeistern. Mit der 2009er-Ausgabe versucht man erneut gegen die Konkurrenz zu bestehen und wieder als Sieger vom Platz zu gehen.
Lizenzbrei
Größtes Manko der "Pro Evolution Soccer"-Reihe sind seit jeher die fehlenden Lizenzen. Und auch die aktuellste Ausgabe schreit wieder lautstark nach einem Fanpatch, der die nach wie vor zahlreich vertretenen Fantasie-Clubs einer Korrektur unterzieht. Zwar erwarb Konami überrschend die Exklusiv-Rechte der UEFA Champions League für insgesamt vier Jahre, alle Vereine findet ihr trotzdem nicht mit realen Daten vor. So scheint es, als ob die Lizenzierung lediglich die Logos und die offizielle Hymne der Königsklasse eingebracht hat, die aktuell teilnehmenenden Mannschaften unglücklicherweise nicht. So laufen die Kicker des in Wirklichkeit "FC Chalsea" genannten Premier League-Clubs als Teil des "FC London" auf, Bayern München oder gar Werder Bremen fehlen gänzlich. Auf deutsche Vereine wurde zwangsläufig komplett verzichtet, die spanische Premiera Devision sowie die italienische Serie A stellen die einzigen Ligen dar, die durchgehend mit richtigen Namen, Logos, Werbung und Trikots auf den Rasen treten. Ein paar Vereine aus Europa, wie Benfica Lissabon und etliche Nationalmannschaften kommen immerhin zusätzlich hinzu. In Sachen Lizenzen hat EA Sports "Fifa-Riege" also immer noch meilenweit die Nase vorn.
Liga-Alltag?
Wie erwähnt, habt ihr in "PES 2009" neuerdings die Möglichkeit, an der Champions League teilzunehmen. Bis auf die Hymne, die Logos und andere Markenzeichen des Turnieres, gestaltet sich der CL-Modus hingegen wie jeder andere auch. Da gibt es einerseits den geläufigen Meister Liga-Modus, der sich wiederum gleich abspielt, außer dass jetzt die Liste der beobachteten Spieler "Scoutliste" heißt. Eine Revolution! Ansonsten verwaltet ihr wie gewohnt euer Wunsch-Team, verbessert dieses, steigt in höhere Ligen auf, führt Transfers durch und erreicht bei erfolgreicher Wirtschaft und Spielweise irgendwann die Weltspitze. Ferner könnt ihr euch auch in Pokalturnieren einschreiben lassen oder im Trainings-Modus Pässe, Schüsse und Flanken üben. Und doch hat der neue Ableger einen neuen Spielmodus in petto.
Be A Pro
Wirklich neu ist der „Become a Legend“-Spielmodus, quasi das Pendant zu Fifa´s "Be a Pro". Hier erstellt ihr einen Spieler nach euren Wünschen (falls gewollt nach eurem Konterfei) und begleitet ihn durch die bevorstehende Karriere. Das heißt: ihr startet bei einem unterklassigen Verein und steuert ausschließlich euren Charakter, die Mannschaftskameraden werden von der KI übernommen. Nach und nach gewinnt euer Spieler an Stärke und kickt sich ganz nach oben. Ob es Spaß bringt, sich auf einen einzelnen Spieler zu konzentrieren oder es sich eher als langweilig herausstellt - das muss jeder selbst entscheiden. Wir finden es mehr öde als spannend, jede Aktion auf dem Spielfeld muss nämlich hart erarbeitet werden. Es kann schonmal vorkommen, dass ihr minutenlang keinen Ballkontakt habt. Da wechseln wir lieber zu konventionellen Spielvarianten, wie der "Meister-Liga".
Pass, Schuss, Verwunderung
Bis heute gilt der 6. Teil der Pro Evo-Serie als der bislang realistischste, und wird es auch nach der 2009er-Ausgabe bleiben. Das Gameplay wurde im Vergleich zu "PES 2008" nochmals stark abgeändert. Blieb der Vorgänger in Bezug auf die zuweilen eigenartige Physik und die für viele zu flotte Geschwindkeit hinter den Erwartungen zurück, gliedert sich "PES 2009" irgendwo zwischen der
»2008er-Ausgabe und "
»PES 6" ein. Zum einen erreichen Pässe die Mitspieler nun deutlich zuverlässiger, zum anderen benötigt ihr diesmal für erfolgreiche Torschüsse viel Fingerspitzengefühl. Drückt ihr nur minimal zu lange auf den Schussknopf, fliegt das Leder macnhmal sogar über das Stadiondach, sofern ihr nicht günstig zum Tor steht. Dagegen müsst ihr nur richtig zum Passempfänger stehen, damit ein Zuspiel erstaunlich präzise zum Mitspieler ankommmt. Wirklich ausgewogen hört sich dieser Vergleich nicht an, und ist es auch nicht. Die positive Quintessenz: Spielerwerte fallen nun schwerer ins Gewicht und entscheiden grundlegend, wie knapp der Ball am Tor vorzeizischt oder sich in dessen Maschen verbeißt. Der Brasilianer Juninho beispielsweise trifft zuverlässig, im Gegensatz zu schussungeübten Spielern wie Bayerns Van Buyten, dessen Schussversuche zumeist von vornherein zum Scheitern verurteilt sind.
Das Spieltempo an sich ist flott geblieben, was auf die zugänglicheren Pässe zurückzuführen ist. In vielen Situationen reagieren die Passgeber aufmerksamer und legen dem frei gelaufenen Stürmer klüger die Bälle vor als sonst gewohnt. Das wiederum führt zu besseren Torchancen. Durch die verbesserte Physik prallen die Bälle überdies endlich nicht mehr so unnatürlich ab oder holpern, wie es zeitweise im Vorgänger zu erkennen war, nicht mehr so unrealistisch über den Platz.
KI-icker
Zum Glück überzeugt die KI nunmehr in der Defensive. In "
»PES 2008" gelangen Alleingänge selbst in der höchsten Schwierigkeitsstufe ohne große Probleme, inbesondere mit schnellen und wendigen Spielern. In der aktuellen Version müssen die Mitspieler unbedingt mit eingebunden werden, da die Abwehr der Gegner tiefer und kompakter steht. Schon auf der Stufe "Fortgeschrittener" luchsen euch Gegenspieler blitzschnell den Ball ab, sobald ihr das runde Leder ein wenig zu weit vor legt oder orientierungslos auf die Abwehr zu steuert. Der Angriff über die Außenbahn ist ebenfalls kniffliger, weil die KI taktisch besser organisiert daherkommt und den ballführenden Spieler ohne Umschweife attackiert. Auch Schüsse blocken die Kontrahenten zuverlässig ab, werfen sich in den Mann. Alleingänge werden so schnell zunichte gemacht, der Fokus liegt mehr auf dem Zusammespiel mit der gesamten Mannschaft. Mit flachen oder hohen Pässen in den freien Raum lassen sich die Gegner allerdings häufig zu schnell verwirren. Der Torwart agiert weiterhin nicht ganz felerfrei und lässt sich in gefährlichen Situationen zu haarsträubenden Aktionen verleiten, ähnlich wie hin und wieder die sonst klugen Feldspieler. Setzt ihr die gegnerische Mannschaft unter Druck, versucht diese häufig unkontrolliert den Ball ins Aus zu spielen, jedoch auch in eigentlich harmlosen Situationen. Des Weiteren attackieren euch gegnerische Spieler nach einem Einwurf fast ausschließlich in der Nähe des gegnerischen Strafraums, was durch den kleinlich pfeifenden Referee umgehend ein Foul nach sich zieht. Solche Szenen spielen sich leider unzählige Male ab, was Atmosphäre kostet.
Lernen & tun
Besser gelungen als im Vorgänger-Spiel: Die Lernkurve. Jene ist nun gestiegen, da die Partien verhältnismäßig anspruchsvoller zu meistern sind. Nicht nur wegen der ordentlichen KI und den erschwerten Torschüssen (sprich: es fallen weniger Tore), auch Flanken segeln in "PES 2009" weitaus länger in der Luft, sodass meist der vorher frei postierte Passempfänger nachfolgend schon zugestellt wird, wenn sich der Ball zu ihm senkt. PES-Freaks wird es freuen; die Langzeitmotivation steigt angesichts des anfänglich sperrigen Gameplays. "PES 2009" kommt somit immer näher einer TV-Übertragung gleich. Wäre da nicht ein Haken...
Steuerungs-KNIFF
Überzeugten die Vorgänger stets mit einer exakten, sehr präzisen Steuerung, kommt es in "PES 2009" mitunter zu Aktionen, die man so nicht geplant hat. Komischerweise lassen sich die Fussballer auf dem Rasen nicht mehr so direkt steuern, Pässe fangen Gegner zum Beispiel oftmals ab, da die Eingabe falsch interpretiert wurde und der Pass etwa statt nach links, in die Mitte gespielt wird. So kommt nicht selten das Gefühl auf, dass man nicht die volle Kontrolle über seine Spieler hat. Besonders ärgerlich ist die ungenaue Steuerung dann, wenn der Ball bei Schüssen in eine völlig andere Richtung fliegt, als bestimmt. Selbst mit einem sogar an das Spiel angepassten Xbox 360-Gamepad lässt sich "PES 2009" zeitweise einfach nicht vernünftig steuern. Komischerweise funktioniert die Bedienung mit einem No Name-Controller signifikant besser als mit dem Windows-Pad - eigenartig.
Folgenreiche Steuerungsänderung: Der rechte Analog-Stick fungiert nicht mehr als vollwertige Trick-, sondern als manuelle Passtaste. Getrickst wird ab sofort ausschließlich mit der rechten hinteren Schultertaste beziehungsweise via Bewegungstasten bei gewissen Richtungskombinationen.
Soundcheck
Das Kommentatoren-Duo Hansi Küpper und Wolf Fuß bringt glücklicherweise ein wenig mehr Abwechslung als in den Vogänger-Teilen ein. Trotz knapp einem Dutzend zusätzlicher Kommentare, nerven sie jedoch schon nach ein paar Spielen. Oftmals passen bestimmte Aussagen einfach nicht zum Spielgeschehen. Ein Manko, welches bereits in den Vorgängern negativ in Erscheinung trat. Zwischen den Matches untermalen vornehmlich rockige Musikstücke das Navigieren durch die Menüs.
Ausstrahlung
Optisch hat sich etwas getan, wenn auch nicht übermäßig viel. Die Spielergesichter erscheinen schärfer, die Beleuchtung durch Farbspiele (Schatten, Sonneneinstrahlung) stimmiger und auch die Animationen können überzeugen. Außerdem wurde das Menü kräftig aufpoliert und wirkt moderner, allerdings zu Lasten der Übersichtlichkeit.
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Testkonfigurationen:
Prozessor: Q6600 @ 3,2 GHz
Grafikkarte: GF 8800 GTS G 92
RAM: 4 Gigabyte
Gamepad: Xbox 360-Controller, später Saitek "impact"
Ergebnis:
Lief ohne Umstände flüssig, keine Nachladeruckler, keine Abstürze. Probleme gab es nur mit der Steuerung (siehe oben), bei Benutzung eines Xbox 360-Gamepads. Ein Billig-Controller hingegen verstand es offensichtlicht besser, die Benutzereingaben akkurat auszuführen. Allerdings bleibt man trotz des Pad-Wechseln nicht von Unstimmigkeiten in puncto Bedienbarkeit verschont.