Jack Nicholson flog über das Kuckucksnest, doch diese Möglichkeit hat Edna, Hauptdarstellerin von Daedalic Entertainments neuem Adventure nicht. Zum einen überschreitet der Inhalt ihres Inventars die zulässige Grenze für das Handgepäck, zum anderen verletzt Harvey der Plüschhase sämtliche Sicherheitsvorschriften. Ob das Spiel trotzdem abhebt, erfahrt ihr hier.
Wer bin ich?
Es gibt viele schwierige Fragen und Edna muss sie sich alle stellen. Denn als sie erwacht, findet sie sich in einer gut gepolsterten Gummizelle wieder und kann sich an nichts erinnern. Nur eines steht fest: sie muss hier raus und ergründen, welches dunkle Geheimnis der Anstaltsleiter Dr. Marcel versucht, aus ihrem Gedächtnis zu löschen. Und enthüllen, was das alles mit ihrem Vater zu tun hat... Glücklicherweise kann sie dabei mit Unterstützung rechnen. Denn auch Hase Harvey, Plüschtier und Unterbewusstsein in Personalunion, lässt sich nicht gerne einsperren.
Ebenso klassisch wie Ednas Flucht durch das Belüftungssystem präsentiert sich das ganze Spiel. Anstatt eines „intelligenten“ Cursors, der nur sehr begrenzte Interaktion mit der Umgebung zulässt, gibt es in „Edna bricht aus“ ein Relikt aus der Adventure-Vergangenheit: vier Knöpfe für „Ansehen“, „Nehmen“, „Reden“ und „Benutzen“. So rätseln und reden sich Edna samt Begleiter in typischer Genre-Manier durch die ganze Anstalt. Herausragende Rätsel-Momente gibt es zwar leider nicht, aber technisch funktioniert das genauso perfekt wie schon vor zwanzig Jahren und erlaubt dabei eine Vielzahl von Aktionen, die ansonsten nicht möglich wären.
Ausgesprochen gut ausgesprochen
Und eben all diese Aktionen sind das Herausragende an „Edna bricht aus“. Denn wo andere Adventures nur Standard-Sätze der Marke 'Das kann ich nicht' produzieren, da fallen Edna und Harvey immer etwas ein. Rede mit Lampe? Klar doch! Benutze Zackenschere mit Spülbecken? Versuchen kostet nix! Dem Irrsinn sind keine Grenzen gesetzt, doch unsere Protagonisten haben immer einen Kommentar parat.
Großes Lob gibt es auch für die Qualität, in der die Sprechpassagen vorgetragen werden. Die Sprecher sind durch die Bank gut, passend gewählt und bringen die Eigenheiten ihrer Charaktere exzellent zur Geltung, während im Hintergrund angenehme Musik das Geschehen begleitet. Einziger Kritikpunkt: die Lautstärke von Sprache, Effekten und Musik lässt sich nicht individuell regeln.
Made in Handarbeit
Der Grafikstil, in dem sich „Edna“ präsentiert, ist schräg bis gewöhnungsbedürftig, was jedoch einen guten Grund hat: das ganze Spiel wurde, in allen Einzelheiten, per Hand gezeichnet. Trotzdem steht es in Umfang und Detail-Grad den „herkömmlich“ produzierten Spielen in nichts nach. Nur was Animationen betrifft, gibt „Edna“ sich bescheiden – die existieren oft gar nicht. Türen sind so beispielsweise von einem Moment zum anderen geöffnet. Das tut der Stimmung jedoch keinen großen Abbruch, sondern wird geschickt als Teil des Stils verpackt.
Droggelbecher?
Neben Story und Sprechern sind die auftretenden Charaktere der dritte Grundpfeiler eines erfolgreichen Abenteuers. „Edna bricht aus“ wartet hier mit einer kleinen Armee von Irren auf: Adrian, König des Aufenthaltsraums, der seine übernatürlichen Fähigkeiten nutzt, um beim Halma zu gewinnen, der Alumann, im Einklang mit den Kräften des Universums und Hoti und Moti, die Nicht-ganz-siamesischen Zwillinge, sind nur einige der abgedrehten Figuren, denen Edna im Verlauf ihrer Flucht über den Weg läuft. Doch nicht alle, soviel sei zur Geschichte noch gesagt, sind, was sie zu sein scheinen...
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
