Man kennt's: Mit Freunden geht’s auf eine weiter entfernte Party. Da sich ein armer Teufel, der fahren muss, bereits gefunden hat, und der Beifahrersitz natürlich schon belegt ist, heißt's: „ab auf den Rücksitz“. Und während man sich vorne mit lauter Musik und allerlei Geblödel auf die kommenden Stunden einstimmt, scheint sich die vorbeihuschenden Landschaft für einen selbst in ein verschwommenes Etwas, und die eigene Gesichtsfarbe langsam, aber sicher in Grün zu verwandeln. Grund: Ihr gehört zu den Menschen, denen auf der Rückbank eines Autos schlecht wird. Ungefähr so ging es es mir während des Spielens der PC-Version von „Obscure 2“. Nicht etwa, weil die Viecher, die euch das Spiel entgegenwirft, so eklig sind, oder das Spiel roten Pixelsaft literweise auf den Bildschirm spritzt. Der Grund ist die wohl misslungenste Kameraführung in der Geschichte der PC-Spiele.
School's Out – forever?
„Obscure 2“ ist der Nachfolger des 2004 veröffentlichten Überraschungshits „Obscure“. In Survial-Horror-Manier galt es, sich durch ein von ekligen Viechern versuchten Unikomplex zu prügeln, ballern und rätseln. Der Nachfolger bleibt dem bekannten Gameplay treu: Wieder verkörpert Ihr verschiedene Personen, wieder verwandeln sich deren Freunde in entstellte, bösartige Viecher, und wieder gilt es, kooperative Aufgaben zu lösen.
Bevor wir jedoch auf die grundlegende Mechanik des Gameplays eingehen, ein paar Worte zur Story: „Obscure 2“ spielt gut zwei Jahre nach den Geschehnissen des ersten Teils. Aus dem Schüler Kenny, einem der Helden des ersten Teils, ist ein waschechter Student geworden, der die schrecklichen Ereignisse der Vergangenheit am liebsten vergessen möchte. Doch Pustekuchen: Eine mysteriöse Pflanze, die auf dem Campus gerne geraucht, geschnüffelt und weiß Gott wie sonst noch konsumiert wird, verwandelt die Studenten in fiese Monster. Wie würde der nette Herr aus der TV-Werbung jetzt sagen: „Ja da muss man doch was tun!“. Richtig: Ausgerüstet mit Pistolen, Baseball und Golfschlägern machen sich die Jugendlichen auf, der Pflanzenplage auf den Grund zu gehen. Warum die Hauptdarsteller nicht selbst von der Seuche betroffen sind, fragt Ihr? Na weil Sie von einem Energiedrink gekostet haben, der die Krankheit heilt. Dumme Frage! Unter uns: Hanebüchener könnte eine Story kaum sein. Aber das macht gerade den besonderen Reiz des Spiels aus: Die Geschichte erinnert wunderbar an trashige Tennie-Horrorfilme Marke Hollywood. Zwar hätte die tolle, durchweg gruselige Atmosphäre durchaus noch etwas mehr Pepp vertragen können, vor Genrevertretern wir „Silent Hill“ muss sich das Werk dennoch nicht verstecken.
Dream Team
Weiterer Pluspunkt ist das aus dem Vorgänger bekannte kooperative Gameplay. Nur, wenn Ihr die speziellen Fähigkeiten der verschiedenen Protagonisten auch nutzt, lassen sich die Knobelein lösen. So ist Charakter Kenny für die schweißtreibenden Aufgaben zuständig, schiebt Kisten und Regale in die richtige Position, oder räumt Hinternisse aus dem Weg. Corey kann springen und klettern, Amy lößt Rätsel, und Mei ist die Hackerin der Clique. Zwischen den verschiedenen Protagonisten könnt Ihr per Klick auf die Tabulator-Taste wechseln, zudem lässt sich das Spiel auch zu zweit zocken.
Die Rätsel sind ganz klar auf die Fähigkeiten der Charaktere ausgelegt: So schiebt Kenny beispielsweise eine Kiste an die richtige Position, damit Corey mit deren Hilfe einen Scheinwerfer erreichen kann. Durchweg logisch sind die Aufgaben jedoch nicht: Warum man die Kombination eines Safes eingeritzt in einem Holztisch, ein paar Räume weiter, findet, oder sich die Treppen zum ersten Stockwerk einer Bibliothek erst dann herausklappen, wenn man drei Regale in eine bestimmte Reihenfolge geschoben hat, mag sich einem nicht erschließen.
Keine Goldene Kamera
Ein großer Minuspunkt der PC-Version ist die eingangs erwähnte, absolut misslungene Kameraführung. Frei schwenkbare Blickwinkel mögen auf Konsole gang und gebe sein, und dort auch gut funktionieren, auf dem PC schaut so etwas jedoch ganz anders aus. Die Kamera ruckt und zuckt, muss ständig wieder in die richtige Position justiert werden und verdeckt oft wichtige Objekte. Liebe Entwickler: Warum keine Verfolgerperspektive? Immerhin wurde die ab und an zwar etwas hackelige, größtenteils jedoch gelungene Steuerung gut umgesetzt: Die Stundenten werden mit der typischen WASD-Tastenkombination gesteuert, gewechselt wird per Druck auf die Tabulator-Taste, das Inventar erreicht Ihr mit einem Klick auf „1“ bzw. „2“. Gekämpft wird, indem Ihr die rechte Maustaste gedrückt haltet, und den linken Knopf eures Nagers klickt. In Corey's Klettereinlagen sowie in brenzligen Situationen müsst Ihr zudem die Taste „F“ so schnell wie möglich drücken, um nicht abzustürzen. Das erinnert stark an die Quick Time Events aus „Resident Evil 4“. Negativpunkt: Das für Konsolen typische Speicherpunktsystem wurde auf dem PC übernommen. Quicksave gibt es nicht. Das wäre ansich kein Problem, wären die Punkte nicht dermaßen unfair verteilt, und zudem nervige Zeitlimits ins Spiel eingebaut worden.
Solide Technik
Auf der Playstation 2 stellt „Obscure 2“ optisch sicherlich das Optimum dar, für einen Titel der alten Generation sieht das Spiel aber auch auf dem PC überraschend gut aus. Das Spiel glänzt zwar nicht mit Shader oder NextGen-Effekten, überzeugt dafür mit detaillierten Leveln, Charakteren und reichlich Atmosphäre. Zudem gefallen die englischen Originalsprecher, der rockige Soundtrack und die guten Effekte. Weniger gelungen sind hingegen die deutschen Untertitel, die vor Fehlern und Falschübersetzungen nur so wimmeln.