Mit „Operation Flashpoint“ gelang Entwickler Bohemia Interactive vor gut sechs Jahren ein echter Überraschungscoup. Nicht nur, da das Spiel den modernen Krieg so realistisch simulierte, wie kein Programm zuvor, sondern auch, da der Titel trotz des hohen Schwierigkeitsgrades und der Komplexität Millionen in die Kassen des damaligen Publishers Codemasters spülte. Ein zweiter Teil war beschlossene Sache. Problem: Codemasters besitzt die Namensrechte und entwickelt den zweiten Teil in Eigenregie. Was macht Bohemia? Die Jungs und Mädels brachten Ende 2006 einfach eine eigene Fortsetzung unter anderem Namen „Armed Assault“ heraus. Knapp ein Jahr später bringt Publisher Morphicon zeitgleich mit dem ersten Addon „Queens Gambit“ die „Armed Assault Gold Edition" heraus, die nicht nur die neuste Version des Hauptprogramms und des Editors, sondern auch den beliebten Editing Guide und die Erweiterung beinhaltet. Lohnt sich der Kauf?
Flashpoint 1.5
„Armed Assault“ ist weniger ein neues Spiel, als eine gelungene Weiterentwicklung des Original „Operation Flashpoint“. Wieder bekämpft Ihr in der Haut eines US-amerkanischen GI's böse Jungs, wieder erwarten euch riesige Areale, wieder präsentiert sich die Mechanik des Spiels äußerst komplex, und wieder dürften Anfänger am ultrarealistischen Schwierigkeitsgrad scheitern. Die Hintergrundgeschichte des Hauptprogramms ist schnell erzählt: Das 400 Quadratkilometer große Eiland Sahrani ist politisch in zwei Hälften geteilt. Im Norden herrscht die eiserne Faust des Kommunismus, im Süden geht es eher monarchisch zu. Weltpolizei Amerika unterstützt freilich den deutlich kapitalistischeren Süden, schickt euch in zahlreichen Operation in den bösen Norden – im Auftrag der Freiheit, versteht sich. Insgesamt 26 solcher Missionen gibt es, wobei euch die Kampagne pro Schritt immer aus drei Missionen wählen lässt. Nebenaufgaben innerhalb eines Einsatzes gibt es ebenfalls, allerdings ist zum Weiterkommen nur das Lösen der jeweiligen Hauptaufgabe nötig. Bevor es jedoch in den Kampf geht, solltet Ihr dem virtuellen Trainingscamp einen Besuch abstatten. Dort lernt Ihr die umfangreiche Steuerung, die Waffen, erste Taktiken und Gameplaykniffe kennen – ein Muss, sowohl für Grünschnäbel, als auch Kenner des Vorgängers.
Realismus pur
Die Realitätsnähe des Programms merkt man an allen Ecken und Enden – beispielsweise am raschen Ableben eures Charakters. „Armed Assault“ ist keine Moorhuhnjagd, und Ihr verkörpert definitiv nicht Rambo. Vorsicht ist angesagt, schließlich genügt meist ein feindlicher Treffer, um euch in die ewigen Jagdgründe zu schicken. Zweites Beispiel: Handling, Ballistik und Nachladezeiten der Waffen. Egal ob Ihr nun die Schießprügel wechselt, oder ein neues Magazin einsteckt – es braucht seine Zeit. Nächstes Beispiel: Die komplexen Gruppenführerbefehle, die es euch erlauben, Soldaten oder gar eine ganze Truppe zu befehligen. Da nahezu jede Taste des Keybords teilweise doppelt belegt ist, ist eine gewisse Einarbeitungszeit unumgänglich. Thema große Areale: Die Maps sind riesig, oft gilt es, zwischen verschiedenen Punkten hin und her zu fahren bzw. zu laufen, und das kann schon einmal 5 Minuten in Anspruch nehmen. Nicht hinter jeder Ecke lauert Action - ganz wie im richtigen Krieg eben auch. Und noch ein Punkt: „Armed Assault“ beschränkt euch nicht auf „zu Fuß“-Missionen: Panzerfahren oder der Flug mit einem Helikopter gefällig? Kein Problem! Dass die Bedienung auch hier ziemlich komplex ausgefallen ist, brauchen wir kaum zu erwähnen.
Mehr Spieler, bitte
„Armed Assault“ profitiert von der großen Community, die seinerzeit auch „Flashpoint“ lange am leben gehalten hat, bzw. es auch heute noch tut. Sie versorgt die Fans fast täglich mit neuen Maps, Mods und Erweiterungen. Da ist der mitgelieferte, einfach zu bedienende Editor, mit welchem Ihr eigene Einsätze und Szenarien erstellen könnt, nur die Spitze des Eisbergs. Ebenfalls in der Gold Edition enthalten ist der beliebte Editing Guide, der euch die Kniffe des Missionsbastelns näher bringt. Schade: Der Guide liegt nur als PDF auf der DVD und nicht in gedruckter Form bei. Apropos „Mehr Spieler“: „Armed Assault“ bringt einen umfangreichen Multiplayermodus mit, der es euch nicht nur erlaubt, online in den Krieg zu ziehen, sondern Missionen auch Kooperativ zu absolvieren.
Die Gold Version enhält bereits die neuste Version des Programms, soll heißen, viele der Fehler, mit der sich die Spieler zum Release herumplagen mussten, sind ausgemerzt. Trotzdem stören auch heute noch einige ungereimheiten: KI und Verbindungsprobleme (Mehrspielermodus) gibt es vereinzelt immernoch, von den horrenden Hardwareanforderungen wollen wir erst gar nicht sprechen.
Solide Präsentation
„Armed Assault“ basiert auf der Engine, die bereits „Operation Flashpoint“ angetrieben hat. Und das merkt man – stellenweise wirkt die Umgung ziemlich karg, einige Modelle recht kantig. Dass es auch Ausnahmen gibt, zeigen unsere geschossenen Screenshots (rechter Frame). Viele Ecken des Spiels erreichen ein höheres Niveau, beispielsweise, wenn Ihr durch blühende Wiesen streift, oder die detaillierten Fahrzeuge und Waffenmodelle bewundert. Schlecht sieht „Armed Assault“ also nicht aus, hat man an Shadereffekten und größtenteils gelungenen Texturen schließlich nicht gespart, auch die Weitsicht fasziniert. Mit solide lässt sich die Optik des Spiels letztlich am besten berschreiben. Ein paar Worte zur Akustik: Der Soundtrack kommt überraschend rockig daher, die Waffen und Umgegungsgeräusche gefallen, die Sprachausgabe passt. Komisch nur, dass viele Teile des Spiels mit englischen, andere mit deutschen Sprechern aufwarten.
God Shave the Queen
Das Addon „Queens Gambit“ (auch einzeln für moderate 15 € zu haben) liegt der Gold Edition ebenfalls bei, und überrascht mit Tiefe und sinnvollen Neuerungen. Beispielsweise einer deutlich besseren Story, die zudem von zahlreichen gelungenen Zwischensequenzen ergänzt wird. Die erste von zwei Kampagnen der Erweiterung, „Royal Flush“, versetzt euch, diesmal in der Haut eines Söldners, wieder auf Sahrani. Knapp 18 Monate nach den Ereignissen des Hauptprogramms verünglückt der amtierende König samt dessen Sohn bei einem Hubschrauberabsturz, die verbliebene Prinzessin übernimmt daraufhin die Staatsgeschäfte. Der Söldnertrupp, zu dem auch Ihr gehört, soll für die neue Machtinhaberin verdächtig schmutzige Aufgaben erfüllen, primär die wieder erstarkten Rebellen in die ewigen Jagdgründe schicken. Doch nach und nach merkt Ihr, dass die Prinzessin dunkle Pläne zu haben scheint. Die zweite Kampagne „Rahmadi Conflict“, versetzt euch auf Rahmani, einer kleinen Nachbarinsel von Sahrani. Hier steht die Geschichte der des simplen Hauptprogramms in nichts nach: Die verbliebenen Kommunisten vertreiben und für Frieden sorgen. Punkt.
Weitere Neuerungen: Neben frischen Schießprügeln, weiteren Mehrspielermaps und Fahrzeugen gibt es nun auch einen Waffenhändler, bei dem Ihr Equipment erwerben könnt. Die neuen Areale, die die Erweiterung mitsich bringt, sehen übrigens allesamt etwas hübscher aus, als die des Haupprogramms. Zudem wurden schicke Unschärfeeffekte integriert.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
