Wenn mal wieder der Angriffswurf zu niedrig ausfällt, oder der Grottenschrat doch einen kritischen Treffer landet, bedeutet das zwei Dinge. Erstens, man hat Pech und zweitens, man spielt Dungeons and Dragons. Das Tabletop-Spiel hat seit über 25 Jahren eine enorme Anhängerschaft. Klar, dass diverse Spielefirmen versuchen, das Konzept zu Versoften. Mal mit riesigem Erfolg („Baldur's Gate I und II, inkl. Add-Ons“). Mal mit mäßigem Erfolg („Pool of Radiance II: Tempel des elementaren Bösen“). Wozu gehört nun „Neverwinter Nights 2“?, um das zu erfahren, müsst ihr SG 6 mit einem W20 auf den Testbericht würfeln.
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D&D-Umsetzungen müssen immer mit dem Meister aller D&D-Umsetzungen konkurrieren: „Baldur's Gate 2“. Ein Spiel, dass Regelwerk und Spielspaß so vereint, ist bislang einzigartig. "Neverwinter Nights 2" geht aber einen guten Weg.
Wo befinden wir uns eigentlich? In den Forgotten Realms, der Welt in der bisher die meisten Versoftungen gespielt haben. Genauer: in Faerûn. Noch genauer: An der Schwertküste, dem Schauplatz des ersten Teils sowie der Baldur's Gate-Reihe. Titelgemäß spielt die Story im Großraum Niewinter. Man startet in einem kleinen Dörfchen südlich der Metropole und arbeitet sich anfangs in die Weltstadt vor, da man verfolgt wird. Warum und von wem, das möchte ich euch nicht verraten. Lasst euch nur gesagt sein, die Story wurde von professionellen Leuten geschrieben, die wissen wie man Abenteuer erzählt.
Well... That comes as a surprise..
Wir sollten uns, da "Neverwinter Nights 2" mit topaktuellen Rollenspielen wie "Gothic 3" zu konkurrieren hat, auch mit der Technik auseinandersetzen. Die Grafik basiert auf einer aufgebohrten Version der Aurora-Engine, die schon für Teil 1 verantwortlich war. Das ist nicht unbedingt eine gute Wahl, da die Engine schon einige Jahre auf dem Buckel hat. Das sieht man ihr auch an. Die Grafik ist zwar ordentlich, kann aber nicht mit der aktueller Spiele mithalten. Das macht aber nichts, da bei Rollenspielen nicht unbedingt die Grafik wichtig ist, sondern das Spielgefühl. Aber dazu später.
Der Akustik ist ebenso gut wie im Vorgänger. Das ist allerdings ein zwiespältiger Zustand, denn einerseits ist der Sound zwar gut, andererseits kennt man viele Stücke schon und vor allem die Kommentare der Spielfiguren wiederholen sich laufend. Interessanterweise sind die Stimmen, die man seinem Hauptcharakter geben kann, auf Englisch – in der deutschen Version. Woran das liegt, und ob das ein Bug ist, ließ sich nicht in Erfahrung bringen.
Bugs gibt es übrigens so einige. Allein die Kamerasteuerung stößt, so unbequem wie sie derzeit zu steuern ist, sauer auf. Das soll in einem Patch gefixt werden, der eigentlich schon am 20.11. hätte rauskommen sollen. Auch einige Übersetzungsfehler sind enthalten, so heißt der Waffenfokus (Kriegswaffen) zum Beispiel „Diese Plage von Ordenshauptmann...“. Trotzdem: Das sind die einzigen von uns gefundenen Bugs, an die Kamerasteuerung kann man sich gewöhnen und, oh Wunder, in über 40 Stunden Spielzeit gab es keinen einzigen Absturz. Das ist in Zeiten von "Bugthic 3" schon ein Ausnahmefall.
Kill them... kill them all!
Zu Beginn braucht es erstmal einen Charakter. Der Charakter wird adäquat nach dem Dungeons and Dragons Regelwerk Version 3.5 erstellt. Das ganze Spiel läuft korrekt nach diesem Regelwerk ab. Demnach gibt es auch alle Rassen und Klassen, die das Pen&Paper-Format bietet. Ob man Mensch sein will, oder Elf, oder ein „Berührter“, ein Mischling zwischen Engel/Teufel und Mensch, bleibt einem selbst überlassen. Man wählt ebenso eine Gesinnung und sollte diese auch im Spiel umsetzen. Diese Möglichkeit hat man, denn fast jeder der Multiple-Choice Dialoge bietet verschiedenste Antwortmöglichkeiten. Möchtet ihr dem verwundeten Dorfbewohner nun helfen, oder ihn „von seiner Pein erlösen“? Es liegt alles in eurer Hand. Man unterhält sich übrigens häufig, schließlich wurden die Talente Diplomatie, Einschüchtern und Lügen nicht umsonst eingebaut. So kann man Kämpfen aus dem Weg gehen, oder diese absichtlich provozieren.
Gespräche führt man auch mit seinen Partymitgliedern, von welchen man maximal fünf mitschleppen darf. Wie im Vorbild "Baldur's Gate" haben die NPCs Gefühle und Probleme, denen ihr besser nachgeht, es sei denn ihr wollt, dass euch euer Charakter hasst. Verrückte Charaktere, wie Minsk aus "Baldur's Gate", Kenner werden wissen, wovon ich spreche, gibt es in "Neverwinter Nights 2" aber leider nicht. Zwar wird mit Neeshka, einem kleptomanischen Tieflingsmädchen, schon in die richtige Richtung gegangen, aber der Kurs der Zotigkeit wird nicht weiter verfolgt.
Wenn ihr keine Lust auf Computerkameraden habt, könnt ihr auch mit euren Freunden übrigens auch über das Internet spielen. Coop oder PVP ist völlig egal. Mit dem beigelegten Toolset hat nämlich jeder Spieler die Möglichkeit Spielleiter zu sein und seine eigenen Ideen umzusetzen.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards: