Deutschlands Spieleexportschlager Nr. 1 geht in die nächste Runde. Nach drei Jahren Entwicklungszeit sowie einem Budget von über 10 Millionen Euro steht mit "Anno 1701" endlich der neuste Teil der Aufbausaga den Händlerregalen. Bleibt die grandiose Atmosphäre trotz größerer Einsteigerfreundlichkeit und frischer Grafikengine erhalten? Wir schaffen Klarheit.
God shave the Queen
Als junger Entdecker voller Tatendrang gilt es in "Anno 1701", wie bereits in den Vorgängern, neue Gebiete zu besiedeln, Handel zu treiben, sein Volk zufriedenzustellen und sich vorallem wirtschaftlich in der "neuen Welt" zu etablieren. Im dritten Teil der Aufbaureihe handelt ihr im Endlosspiel allerdings im Auftrag der Königin, die euch zu Beginn ein Schiff sowie Geld zur Verfügung stellt, im Verlauf des Spiels dafür jedoch Gegenleistungen (z.B. in Form von Steuergeldern) erwartet. Keine Lust, ewig als Laufbursche der Monarchin zu fungieren? Dann wagt im späteren Spielverlauf einfach die Unabhängigkeit. Dafür müsst ihr allerdings auf zahlreiche Privilegien verzichten. Wenn das mal gut geht ...
Häuslebauer
Bevor es allerdings überhaupt zur Unabhängigkeit kommen kann, ist zum einen Aufbauarbeit, zum anderen wirtschaftliches Geschick gefragt. Habt ihr ein geeignetes Plätzchen gefunden (sinnvoll ist es, im Vorfeld nach besonders rohstoffreichen Fleckchen zu suchen), baut ihr euren Kontor. Steht dieser in Grund und Boden, sollte ein Dorfzentrum her - schließlich brauchen eure Pioniere ein Örtchen zum Versammeln. Weiter geht's mit ein paar Häuschen und ersten Gewerben wie die Holzfäller oder Jägerhütte. Nicht vergessen: Ein ordentliches Straßennetz, das ihr zu Beginn mit Feldwegen realisieren könnt. Je weiter ihr spielt und je mehr bautechnische Optionen zur Verfügung stehen, desto mehr gilt es auch, die immer ausgefalleneren Wünsche eurer Bewohner zu erfüllen. Während sich die erste der fünf Bevölkerungsstufen, die Pioniere, noch recht handzahm gibt, verlangen Kaufleute und Aristokraten (vierte und fünfte Stufe) mitunter Luxusgüter.
Um diese heranschaffen zu können, ist nicht nur geschicktes Management nötig (einige der Güter sind äußerst schwer herzustellen), sondern ebenfalls gute Handelsbeziehungen. Diese unterhaltet ihr zum einen mit euren drei computergesteuerten Mitstreitern, zum anderen mit einheimischen Völkern, beispielsweise Indianern. Ein spezielles Beziehungsmenü zeigt euch zudem, in welcher Gunst ihr zu anderen Partnern steht. Außerdem könnt ihr diese mit einer kleinen Summe beschenken, bzw. von schwächeren Partnern, die stark von euch profietieren, Tribut verlangen. Genießt ihr bei einem Partner besonders hohes Ansehen, bietet sich außerdem die sogenannte Verbrüderung an, die euch zahlreiche "Exklusivdeals" und Vorteile bringt.
e=mc²
Gut intigriert haben die Entwickler die Forschung. Hat eure Siedlung eine gewisse Bewohneranzahl erreicht, empfiehlt es sich, diese mit Schulen und Universitäten aufzuwerten. Der Lohn: Diverse Erfindungen, beispielsweise die Feuerwehr, die sich vorallem in den grandios inszenierten Katastrophen auszahlt. Ebenfalls nett: In den Universitäten könnt ihr Spione ausbilden, die euch nicht nur mit wichtigen Informationen über eure Konkurrenten versorgen, sondern deren Einrichtungen auf Wunsch sogar sabotieren können.
Auf in den Krieg!
Läuft es mit dem ein oder anderen Handelspartner eher schlecht, könnt ihr diesem auch per Knopfdruck den Krieg erklären - vorausgesetzt, ihr habt die Chance den Konflikt zu euren Gunsten zu entscheiden. Damit dies gelingt, lohnt es sich, diverse militärische Einheiten auszubilden: Pikeniere, Grenadiere, Mörser, Haubitzen und viele weitere stehen euch zur Verfügung. In Kampfsituationen lassen sich diese wie in einem Echtzeitstrategiespiel mit der Maus steuern. Dies funktioniert, wie die Steuerung der filmreif in Szene gesetzten Seeschlachten, überraschend gut.
Auftragsarbeit
Neben dem freien Spiel sowie dem Sandkastenmodus, in dem ihr ohne störendes Drumherum ein Hauptaugenmerk auf den Aufbau eurer Stadt legen könnt, bietet euch "Anno 1701" zehn abwechslungsreiche Szenarien in drei Schwierigkeitsgraden. So müsst ihr bei der ersten Aufgabe beispielsweise ein verschollenes Schiff suchen und jenes, nachdem ihr es gefunden habt, möglichst schnell mit Waren versorgen. In einem zweiten Auftrag gilt es, möglichst fix von einem Eiland zu verschwinden, bevor euch der dort brodelnde Vulkan mit Lava überschüttet. Die etwas wenigen Szenarien sind allesamt spannend in Szene gesetzt und sorgen für Abwechslung.
In den dritten Teil der Reihe hat es endlich auch ein umfangreicher Mehrspielermodus geschafft. Darin wetteifert ihr via Internet oder Lan mit bis zu drei Konkurrenten auf speziellen, oder bereits aus dem Endlosspiel bekannten Maps.
Referenz
Gab man sich in den Vorgänern noch mit pixeliger 2D Grafik zufrieden, präsentiert sich "Anno 1701" mit excellenter 3D Optik. Genrespitze! Schließlich glänzt der Titel nicht nur mit wunderschönen Texturen, toller Ausleuchtung, Effekten bis zum Abwinken, sondern auch mit einem durchweg stimmigen Gesamtbild, dass den Flair der Vorgänger nahezu perfekt in die grafische Neuzeit transportiert. Grafikaward! Ebenfalls perfekt: Die orchestrale Musikuntermalung, die lebensnahe Geräuschkulisse sowie die professionelle Sprachausgabe. Soundaward!
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:


