Am 30. Juni 1908 erschütterte ein bis heute ungeklärtes Phänomen die russische Region Tunguska / Sibirien. Eine riesige Explosion, die selbst aus einer Entfernung von 500 Kilometern noch zu sehen war, zerstörte damals 2.000 km² Land sowie rund 60 Millionen Bäume. In Animation Art's "Geheimakte Tunguska" kommt ihr bei der Suche nach eurem verschollenen Vater, der vor Jahren eine geheime Forschungsexpedition nach Tunguska leitete, dem Geheimnis um das damalige Ereignis näher, als euch lieb ist.
Verschollen
Das typisch kitschige Spielefrauenbild trifft auf Spieleheldin Nina Kalenkow definitiv nicht zu: Nina fährt Motorrad, hat wenig für Haushalt und Küche übrig und ihr Leben fest im Griff. Als allerdings ihr Vater, ein Forscher aus seinem Burö, welches Nina verwüstet auffindet, verschwindet, und die Polizei alles andere als kooperativ zu sein scheint, ist sie verzweifelt. Was tun? Zum Glück gesellt sich bereits zu Beginn des Spiels der jüngere Kollege eures Vaters, Max, hinzu, der euch nicht nur durch das Abenteuer begleitet, sondern den ihr ab und an sogar selbst steuern dürft. Schnell erfahrt ihr, dass sich Ninas Vater trotz Verbot seitens der russischen Regierung weiterhin mit dem Tunguska Ereignis beschäftigt hat. Ein fataler Fehler? Als Nina und Max nämlich weitere Nachforschungen anstellen, kreuzt nicht nur der zwielichtige Kommissar Kanski, sondern auch das russiche Militär, der Geheimdienst sowie mysteriöse Gestalten in schwarzen Kutten den Weg der beiden.
Weltreise
Bei der Suche nach Ninas Vater verschlägt es euch nicht nur in die verschiedenen Winkel Russlands, sondern auch in den Himalaya, die Antarktis, Berlin, den TranSib, Kuba sowie in das regnerische Irland. Das hohe Maß an optischer Abwechlsung und die spannende Story sorgen dafür, dass die Motivationskurve hochgehalten wird. Leerlauf gibt es kaum, schöne Zwischensequenzen vertiefen die Handlung. Außerdem haben sich die Entwickler bemüht, die Rätsel nicht nur abwechslungsreich zu gestalten, sondern den verschiedenen Örtlichkeiten direkt anzupassen. So müsst ihr in Irland die typische Flasche Wiskey besorgen, während ihr in einem Burgverließ eine Folterkamer als Werkstatt misßbraucht. Hier biegt ihr mit der Streckbank Regenrinnen gerade oder nutzt die spitzen Stacheln der eisernen Jungfrau als Bohrmaschine.
Henkel Trocken
Zum locker flockigem Gameplay trägt die gelungene Portion Humor bei. So sorgen witzige Dialoge mit teils ebenso skurillen Charakteren sowie die ein oder andere Anspielung auf Filme, Werbung und andere Spiele für kräftiges Schmunzeln. Da wird ein (Eimer) Henkel als trocken bezeichnet, während das Spiel laut Max' Meinung nach einem Gespräch mit einem eher unfreundlichen Zeitgenossen gerne auch zu einem Egoshooter hätte mutieren können. Als wir in einem Abschnitt eine abgedrehte Kombination ausprobiert haben, kommentiert Nina unseren Versuch nur hämisch mit "Kollegen von mir würden jetzt sagen: das kann ich nicht tun, das kann ich nicht tun!"
The Riddle
Die Rätsel in "Geheimakte Tunguska" sind größtenteils logisch und abwechlungsreich gestaltet. Zwar gibt es die gefürchteten weit hergeholten Knobelpassagen, hierfür darf die eigentlich für Einsteiger konzeptierte "Snoop Key" Funktion angewandt werden. Klickt ihr auf das Lupensymbol neben dem Inventar, hebt das Spiel alle wichtige Objekte hervor - so werden Frustmomente nicht nur entschärft, sondern größtenteils zunichte gemacht. Neben obligatorischen Puzzlerätseln, bei denen durchaus Köpfchen gefragt ist, teilt sich eine Hauptaufgabe oft in mehrere kleine Unterrätsel. Um in einen Hauptbahnhof zu gelangen, müsst ihr beispielsweise einen Bauarbeiter dazu bewegen, von seinem Kanaldeckel zu verschwinden, sodass wir durch selbigen zu den Zügen gelangen können. Danach verzücken wir erst eine russiche Wache, in dem wir jener ein paar schöne Augen machen. Nachdem uns der Wachmann verfallen ist, schenkt er uns eine Zeitung. Da wir vom Bauarbeiter wissen, dass selbiger bei jeder Lottoziehung dabei ist, manipulieren wir die aktuellen Zahlen und bringen den vermeindlichen Gewinner so dazu, von seinem Arbeitsplatz zu verschwinden. Gemein, aber zweckmäßig..
Hübsch
Optisch präsentiert sich das 2.5 D Spiel mehr als gelungen. Dies liegt nicht nur an den abwechslungsreichen Schauplätzen, sondern auch an der durchweg hohen Qualität der Locations. So bewegen sich die Palmen auf Kuba leicht im Wind, fliegen Schmetterlinge durch einen Vorgarten oder durchnässt uns ein Regenschauer im düsteren Irland. Die schöne Ausleuchtung der Hintergründe und die abwechlungsreichen Charaktere sorgen ebenfalls für optischen Genuß auf hohem Niveau. Augelockert wird das Spielgeschehen durch zahlreiche Cutscenes. Rein technisch gesehen wirken die Zwischensequenzen zwar ein wenig wie Renderfilme Anno 1999, schlecht sind sie dennoch nicht. Schade nur, dass der Übergang zwischen dem eigenlichen Spielpassagen und den Cutscenes nicht immer perfekt gelungen ist.
Akustisch hat sich vorallem Publisher Deep Silver ein großes Lob verdient. So wurden nicht nur hochkarätige deutsche Top-Stimmen verpflichtet, sondern ebenfalls viel Wert auch eine hörenswerte Sound- und Musikkulisse gelegt. Einziger wirklicher Kritikpunkt: Einige Charaktere wirken unrealistisch und lustlos gesprochen. So merkt man der Stimme eines kleines Mädchen beispielsweise an, das kein Kind als Synchronsprecher fungierte, sondern lediglich eine Frau ihre Stimme verstellte - unfreiwillig komisch.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
