Nach Gorky 17, einer Mischung aus Rollenspiel und Taktik-Shooter und der Stealth-Action in Gorky Zero bringt das polnische Entwicklerstudio Metropolis Software mit Aurora Watching nun den dritten Teil der Gorky-Reihe an den Start. In Polen bereits im vergangenen Dezember erschienen, schleicht der toughe Cole Sullivan nun auch auf deutschen PCs. Ob er Sneak-Opa Sam Fischer dabei ernsthafte Konkurrenz machen kann, erfahrt ihr in unserem Review.
Gefährliche DNA-Spezialisten mit eisigen Absichten
Die Handlung von Aurora Watching ist zwei Jahre nach den Ereignissen von Gorky Zero, jedoch noch vor Gorky 17 angesiedelt. Stein des Anstoßes ist ein versunkenes russisches U-Boot. Schenkt man Insider-Quellen glauben, ereignete sich das Unglück in der Nähe eines bis dahin unbekannten Militärkomplexes. Dieser erstreckt sich laut Satellitenaufnahmen bis weit unter das antarktische Eis und soll mysteriöse Laboratorien beherbergen. Nachforschungen zufolge soll sich der berühmte und fragwürdige DNA-Sezialist Jack Parecki ebenfalls dort aufhalten. Die Geheimdienste gehen vom Schlimmsten aus und drängen darauf, einen Spezialisten in die Antarktis zu schicken. Für diesen Job kommt natürlich nur einer in Frage – Cole Sullivan alias White Fox, Hauptcharakter der Gorky-Reihe, der inzwischen einen ernstzunehmenden Hang zum Alkoholismus entwickelt hat. Völlig verkatert gabeln ihn die ehemaligen Kollegen auf und schicken ihn kurzerhand ins ewige Eis, um die Forschungseinrichtung zu untersuchen und Pareckis Absichten auf den Grund zu gehen.
Unterirdischer Spielplatz für Hobby-Fallensteller
Kaum aus dem Helikopter gesprungen, geht es auch schon richtig zur Sache. Eure Aufgabe ist es, möglichst lautlos in die verschneite Militärbasis einzudringen, um dort Zugang zu den unterirdischen Labors zu bekommen. Cole könnt ihr dabei aus zwei unterschiedlichen Perspektiven steuern. Entweder schaut ihr ihm in typischer Stealth-Manier über die Schulter oder ihr nutzt die isometrische Perspektive, um das weitere Vorgehen besser planen zu können. Durch Druck auf die Leertaste wird die Perspektive gewechselt und so könnt ihr bequem um Ecken oder hinter verschlossene Türen schauen. Für eine gute Übersicht sorgt ebenfalls die eingeblendete Minimap, auf der Wachen und Kamerasichtfelder angezeigt werden. Coles Laufgeschwindigkeit lässt sich schnell und effektiv per Mausrad regulieren. Um zu schleichen oder vor alarmierten Wachen davonzulaufen, genügt ein kurzer Dreh nach vorn oder hinten. In der genretypischen, kleinen Waffenauswahl finden sich Pistolen, Sniper-Gewehr, MP5, Pumpgun, sowie ein Messer für Stealth-Kills. Diese werden ausgeführt indem ihr euch von hinten an eine Wache heranschleicht und dann die linke Maustaste drückt. Für Pistole und Sniper-Gewehr steht euch außerdem schallgedämpfte Munition zur Verfügung. Neben der herkömmlichen Waffenpalette trägt Cole auch Spezialausrüstung wie Giftgas oder Explosionsfallen bei sich. Diese gibt es in verschiedenen Ausführungen: in Kugelform rollen sie einfach auf den Gegner zu und mit Zielsensor oder Bewegungssteuerung lassen sich gemeine Fallen auslegen. Ein laut piepender Signalgeber lenkt die Feinde ab, so könnt ihr seelenruhig an ihnen vorbei schleichen. Im Gegensatz zu Splinter Cell geht das Hacken von Computern in Aurora Watching wesentlich schneller, aber auch anspruchsloser von der Hand. Dazu müsst ihr Cole einfach nur vor einem PC postieren, dann werden die gewünschten Daten automatisch auf dem tragbaren Minicomputer gespeichert.
Weibliche Unterstützung als Herausforderung
In Bezug auf akrobatische Einlagen, bleibt Cole ebenfalls hinter Kollege Sam zurück. Denn außer der Möglichkeit zu springen, deren Fehlen in den Vorgängern bemängelt wurde, könnt ihr lediglich hin und wieder in einen Lüftungsschacht klettern. Um nicht in wilde Ballerorgien verwickelt zu werden, kann sich Cole zum Schießen um Ecken lehnen. Dafür müsst ihr zuerst zielen, daraufhin macht Cole einen Ausfallschritt zur Seite, um freie Schussbahn zu haben. Mit dieser Möglichkeit schießt man zwar nicht dauernd auf die schützende Mauer, jedoch gehen viele Schüsse trotzdem ins Leere, wenn sich die Gegner zwischenzeitlich bewegen. Die chronische Munitionsknappheit erhöht den Schwierigkeitsgrad des Spiels, unentdeckt zu bleiben ist dabei unabdingbar. Im späteren Spielverlauf schlüpft ihr noch in die Rolle eines zweiten spielbaren Charakters. Mit Coles weiblicher Kollegin ist allerdings große Vorsicht geboten, da sie nur sehr wenige Treffer aushält. Die Gegnerintelligenz in Aurora Watching ist eine echte Herausforderung für Schleichprofis. Oft stoßt ihr in engen Räumen auf viele Feinde, die Verstärkung rufen und in Deckung gehen, wenn sie euch erspäht haben. Aufgrund des anspruchsvollen Schwierigkeitsgrades empfiehlt sich auch die Quicksave-Funktion, um Frust-Attacken vorzubeugen. Um etwas Abwechslung in die Schleicheinlagen zu bringen, ist Cole auch mit einem Schneemobil unterwegs. Meist müsst ihr damit in einem engen Zeitlimit eine knappe Strecke zurücklegen und über Schanzen springen oder Lawinen ausweichen. Mit der hakeligen Steuerung gestaltet sich das aber gar nicht so einfach, so dass man meist mehrere Anläufe braucht, um die Hürden zu meistern.
Glow-Effekt für Metall-Wände
Mit Hilfe der RenderWare Physik Engine verhalten sich eure Gegner nicht nur im lebenden Zustand realistisch, sondern auch, nachdem sie Bekanntschaft mit eurem Messer gemacht haben. Die Charaktere sind durch den Einsatz von Pixel Shadern sehr viel detaillierter als noch im Vorgänger. Die potentiell schöne Grafik mit einem leichten Glow-Effekt wurde leider nicht voll ausgeschöpft, denn in den unterirdischen Forschungslabors schleicht man meist nur durch eintönige Gänge. Anschließend besucht ihr noch Eishöhlen und ein geflutetes U-Boot, dort wird grafische Abwechslung geboten. Auch im dritten Teil der Gorky-Reihe sorgt der hauseigene Sounddesigner Scorpik für dezent elektronische Musikuntermalung. Die Sprechrollen sind gut besetzt und die Soundeffekte geben dem Spiel die nötige Atmosphäre, obwohl es teilweise den Anschein macht, dass diese aus dem Vorgänger übernommen wurden.