30 Millionen Mal verkaufte sich „Die Sims“ inklusive Add-on’s bis jetzt – und wurde damit zum wohl erfolgreichsten Spiel aller Zeiten. Doch jetzt ist Wachablöse an der Spitze, zumindest wenn es nach Maxis geht. Denn die wollen sich mit „Die Sims 2“ selbst übertreffen. Ob dieses Kunststück gelingt? Lesen Sie es in unserem ausführlichen Test zum neuen Lebens-Simulator.
Eine Geschichte von 4 Städten. Und einem Bauernhof. Und Ameisen...
Eigentlich fing die Sache ganz harmlos an. Und zwar damit, dass ein kleines aber feines Spiel zum Welterfolg wurde: SimCity. Der Städtebau begeisterte Spieler jeden Alters, rund um den Globus. Kein Wunder, dass an Nachfogern (3 bis jetzt) und Ablegern nicht gespart wurde. SimFarm, SimEarth, SimAnt, SimCopter oder SimTower…doch keines erreichte die Beliebtheit des Originales. Doch dann…
…kamen „Die Sims“. Ein völlig neues Spielprinzip und noch war ungewiss ob der Mix aus Rollenspiel, Simulation und Strategie funktionieren würde. Doch das Spiel fegte alle Zweifel bei Seite und überzeugte selbst hartgesottene Kritiker; denn obwohl es weder Story noch Spielziel gab, fesselte die virtuelle Seifenoper doch für unzählige Stunden vor den Bildschirm. Nach mittlerweile 7 Erweiterungen findet nun der heiß ersehnte Nachfolger „Sims 2“ seinen Weg auf heimische Festplatten. Und will auch da punkten, wo Teil Eins es nicht vermochte – bei der Grafik.
Von Seitenscheiteln und neuen Dimensionen
Da hat sich auch wirklich eine ganze Menge getan. Das liegt vor allem an einem: die Sims haben eine zusätzliche Dimension für sich entdeckt; und nun leben und lieben sie in schickem, vor allem aber frei zoom-, kipp- und drehbarem 3D. Das ist nicht nur hübsch anzusehen, sondern auch spielerisch sinnvoll. Zum einem haben schüchterne Gegenstände nicht mehr die Chance, sich hinter Ecken oder in verborgenen Winkeln vor Mausklicks zu verstecken. Zum anderen ist es viel einfacher, wirklich einzigartige Sims zu erstellen. Und Einzigartigkeit fällt leicht. Von elementaren Dingen wie Haut- und Haarfarbe über Nasenlänge, Augenbrauenbuschigkeit, Neigungswinkel der Augen bis hin zur Breite der Nasenflügel, Länge der Stirn oder den Mundwinkeln ist jedes Detail selbst einstellbar. Ob Supermodel oder Fall für die Schönheits-OP bleibt dem Spieler überlassen.
Geklotzt statt gekleckert wurde auch bei Objekten und Animationen. Die Detailverliebtheit kennt kaum Grenzen. So kann man leicht unterscheiden, ob man sich gerade Spaghetti oder Pfannkuchen zubereitet. Nicht gemachte Betten deuten auf einen schlampigen Hausherren hin. Und mangelnde Körperpflege wird von giftgrünen Stinkwolken gewürdigt. Immer wieder gibt es neue Kleinigkeiten zu entdecken.
Neu und nett: ist man mit dem Aussehen eines Sims nicht mehr zufrieden, kann man Haare färben oder Make Up auflegen. Oder man begibt sich eine der sogenannten Gemeinschaftszonen, um sich mit neuen Kleidern einzudecken.
Fröhliche Handwerksgesellen
Doch mal langsam. Haben wir unseren Liebling erst mal mit Aussehen und Kleidung versehen, ist es an der Zeit ihm oder ihr ein Zuhause zu geben. Für baufaule Familienoberhäupter stehen in jeder der drei vorgefertigten Städte (die glücklicherweise umbenannt werden können, Schönsichtingen oder Merkwürdighausen können doch wirklich nur Übersetzungspatzer sein) einige Häuser und vorgefertigte Baupläne parat. Mehr Spaß macht es natürlich, sich sein eigenes Domizil zusammenzubasteln. Wobei man immer darauf aufpassen sollte, dass einer neuen Familie grundsätzlich nur 20.000 Simeloneons zur Verfügung stehen.
Mit diesem bescheidenen Startkapital ziehen wir ein paar Wände hoch, richten Schlafzimmer, Wohnzimmer, Bad und Küche ein, pflanzen Blumen und Bäume, tapezieren und verlegen Fliesen und sorgen allgemein für eine nette Atmosphäre. Das fällt eigentlich alles verhältnismäßig leicht, was nicht zu letzt an der dritten Dimension liegt, die uns alle gewünschten Blickwinkel zur Verfügung stellt. Gegenstände landen so (meist) beim ersten Klick da, wo sie landen sollen.
Gut 500 dieser Gegenstände sind Grundausstattung, da überholt das Maxis-Lama (und ich möchte Maxis für diesen Running Gag in so vielen Spielen ausdrücklich danken; Anm. v. Dr.Lama) den Ikea-Elch mit Leichtigkeit. Vom Einbauherd bis zum Designer-Sofa – kein Wunsch bleibt offen und kein Auge trocken. Und schon jetzt, kurz nach dem Release, stehen auf der offiziellen Seite neue Gegenstände zum Download bereit.
Life is live
Gut untergebracht und vielleicht sogar gut aussehend werfen wir unsere Sims nun in den harten Alltag des Lebens. Das beginnt meist mit der Suche nach einem Job. Schließlich wollen Rechnungen und Essen bezahlt werden. Also starten wir eine von insgesamt zehn Karierremöglichkeiten; als Faulenzer, Wissenschaftler, Gesetzeshüter, Politiker, Gastronom, Mediziner, Sportler, Verbrecher, beim Militär oder in der Wirtschaft kämpfen wir uns die Karriereleiter bis ganz nach oben. Dazu ist es notwendig, gewisse Eigenschaften zu verbessern. Am Spiegel steigern wir Charisma, am Schachbrett die Logik, an der Hantelbank den Körper-Wert. Auch Lehrbücher aus dem Bücherregal helfen uns weiter. Und auch die häuslichen Pflichten sowie Bedürfnisse sind nicht zu vernachlässigen. Es muss gekoch, gepinkelt und geputzt werden. Und die Blumen gießen sich auch nicht von alleine… Im Vergleich zum Vorgänger bleibt den Sims in Teil 2 trotz all dieser Aufgaben noch genügend Freizeit. So arten die Grundbedürfnisse nicht mehr in monotone Arbeit aus.
Aber, wie ein englisches Sprichwort so schön sagt: All work and no play makes Jack a dull boy (Nur Arbeit und kein Vergnügen machen aus Jack einen traurign Jungen; freie Übersetzung). Deshalb, und weil es zu zweit doch viel schöner ist als alleine, lernen wir bestenfalls schon früh neue Leute kennen. Die kommen entweder von ganz alleine zu Besuch, sind Arbeitskollegen oder werden in einer der Gemeinschaftszonen (wie im Supermarkt oder im Park, die per Taxi erreichbar sind) getroffen. Regelmäßige Konversation oder gemeinsame Aktivitäten steigern die Freundschaft; oder in manchen Fällen auch die Feindschaft. Auch hier wurde einiges verbessert. Für jeden Bekannten gibt es nun zwei Werte: einen kurzfristigen und einen langfristigen Freundschaftswert. Erst wenn letzterer sich (langsam) unter eine kritische Marke bewegt, verliert man einen Freund. So ist es viel einfacher, gesellschaftliche Verpflichtungen einzuhalten und trotzdem noch Zeit für Arbeit, Familie und anderes zu finden.
Apropos Familie: mit ein wenig Glück und netten Gesten findet man schon bald einen Partner (oder eine Partnerin) für Singles, wobei das Geschlecht hier keine Rolle spielt. Alternative Lebensgemeinschaften haben nur den einen Nachteil, keine eigenen Kinder zeugen zu können (was per „Techtelmechtel“, der wahnwitzigsten Umschreibung des Jahres, geschieht), sondern müssen diese adoptieren. Hat der Klapperstorch jedoch mal seinen Landeplatz gefunden, geht der Stress erst richtig los. Vom Baby bis zum Teenager brauchen Kinder viel Liebe und Aufmerksamkeit. Ansonsten droht ein Besuch des Jugendamtes…
Ob nun Nachwuchs da ist oder nicht, der Zahn der Zeit nagt an allen Sims. Nach 30 Tagen als Erwachsener werden die Haare grau und die Stirn gerunzelt. Nun wird es Zeit, den Lebensabend als Knacker noch mal so richtig zu genießen – ungefähr 15 Tage lang. Denn so unangenehm das sein mag – der Tod holt Jedermann…irgendwann.
Wünsche, Beschwerden und Anregungen…
Irgendwann, denn wer ein erfülltes Leben hatte, kann sein Ableben ein wenig hinauszögern. Und zwar per Lebenselexier. Das ist nicht im Supermarkt erhältlich, sondern nur mit Laufbahnpunkten zu bezahlen. Wann immer man einen Wunsch der Sims erfüllt, von denen jederzeit 4 verschiedene angezeigt werden, füllt man sein Punktekonto. Diese Begierden können simpel sein, wie der Wunsch, Spaghetti zu essen (+500 Punkte) oder etwas größer (ein Baby bekommen +8000). Aber Vorsicht: jeder Sim hat auch seine Ängste. Wenn ein Feuer ausbricht oder ein Angehöriger stirbt, kann es auch Punktabzüge geben.
Mit diesen Punkten erwirbt man Spezialgegenstände wie das erwähnte Lebenselexier, das den Tod hinauszögert, Geldbäume, die ein wenig Bares in die Haushaltskasse bringen oder ein Denkerkäppchen, mit dem das Lernen leichter fällt.
Let there be rock
Zu guter Letzt noch ein Wort zu den soundtechnischen Aspekten. Wie schon aus Teil 1 gewohnt sprechen die Sims ihre eigene Sprache. Dieses „Simisch“ ist zwar nicht verständlich, trotzdem lassen Tonfall und Lautstärke meist den Gesprächsverlauf erkennen. In kleinen Sprechblasen über den Köpfen werden symbolisch die Gesprächsthemen dargestellt. Hintergrundmusik und Effekte sind solide, wenn auch nicht wirklich aufregend. Schmankerl: statt der Standard-Radiosender kann man eigene Musikdateien importieren und abspielen, auch über das Optionsmenü. Und um noch eins draufzulegen: im Fernseher kann man sogar eigene Videodateien laufen lassen. Zum Beispiel jene, die man mit dem integrierten Video-Tool aufzeichnet.