Lange mussten wir auf die Rückkehr der Zombies warten, aber nun sind sie endlich da. Doom³ öffnet erneut die Pforten der Hölle - und alle sind eingeladen, sie zu durchschreiten. Aber ob sich ein Besuch auch wirklich lohnt? Das erfahren sie in unserem Test zum heißersehnten Shooter von id Software.
Mars Attacks
Preisfrage. Warum sollte man irre Wissenschaftler immer bei Laune halten? Die Antwort lautet natürlich: C - Weil sie sonst das Tor zur Hölle öffnen und den Planeten mit Angst und Schrecken überziehen. Der Wissenschaftler heißt im Falle Doom³ Dr. Betruger (man beachte bitte die subtile Anspielung auf seine nicht allzu freundliche Gesinnung) und der Planet Mars. Wie vorteilhaft, dass die UAC, die auf dem roten Planeten eine Forschungsstation betreibt, gerade ihre Privatarmee verstärkt hat. Denn kaum haben wir unseren ersten Kontrollgang in Angriff genommen, da nimmt das Grauen auch schon seinen Lauf. Und der Spieler ist, nur mit einer lumpigen Pistole, einer Taschenlampe und einem PDA bewaffnet, auf sich allein gestellt, um den neu angekommenen Höllenkreaturen und dem sinisteren Doktor Betruger das Handwerk zu legen.
Kommt einem irgendwie bekannt vor? Kein Wunder, denn ID schöpft entweder mit beiden Händen aus einem Topf voll mit Klischees oder versäumte es, im Budget das Gehalt für einen Storywriter einzuplanen. Was immer auch der Grund sein mag: bessere Geschichten sind leicht zu finden. Wenigstens gibt es abseits der Storyline einiges zu entdecken: oft findet man die PDA’s anderer UAC-Mitarbeiter, die uns ein wenig in das Leben auf der Mars-Station einführen. Private E-Mails, Audio-Logbücher und ab und zu auch ein kleines Video lockern den linearen Spielablauf zumindest ein wenig auf.
Kuck mal wer da stöhnt
Denn dieser ist mehr einfach, man möchte fast sagen: nicht mehr zeitgemäß. Auf der Suche nach Schlüsseln, Türcodes und Öffnungsmechanismen stapfen wir schwerbewaffnet durch dunkle Gänge, dunkle Zimmer, dunkle Büros, dunkle Luftschächte oder auch dunkle Laboratorien und schießen auf alles, was sich bewegt. Oder, besser gesagt, hinter einer (dunklen) Ecke hervorspringt beziehungsweise hinter uns teleportiert wird.
Das geschieht leider so oft, dass der Schockeffekt eines stöhnend herantorkelnden Zombies oder eines wütend fauchenden, mit Feuerbällen um sich werfenden Dämonen schnell verloren geht. Von diesem Punkt an gilt die größte Furcht eher den langen Ladezeiten.
Apropos Furcht: die Ausgeburten der Hölle kennen diese bekanntermaßen nicht. Was bedingt, dass die meisten Gegner sich an den Spruch “Angriff ist die beste Verteidigung” halten - und stumpfsinnig auf uns zulaufen, beziehungsweise uns stur mit Feuerbällen oder den jeweiligen Waffen beharken. Ein Schuft, wer böses (wie: Wo zur Hölle ist die KI?) dabei denkt.
Auf diese Weise bahnen wir unseren Weg durch diverse Laboratorien, bis hin zu den obligatorischen Abgründen des Höllenschlunds, um dem (wiederum dunklen) Treiben ein Ende zu setzen. Das nötige Werkzeug dazu ist vorhanden: Pistole, die klassische Schrotflinte, Maschinengewehr, Railgun, Plasmagun und natürlich die Doom-typische Kettensäge (sowie zwei Spezialwaffen zwecks Besiegung der Zwischen/Endgegner) geben uns die nötige Feuerkraft.
Es werde Licht? Anscheinend nicht...
Es ist eines der ungelösten Rätsel der Menschheit: warum schafft es eine Firma, die interstellare Raumschiffe baut, nicht, ihre Räumlichkeiten mit Glühbirnen auszustatten, die mehr als 25 Watt haben? Die Antwort darauf werden wir wohl niemals erfahren. Zum Glück stattet uns die UAC wenigstens mit einer Taschenlampe aus, die zwar ebenfalls zu schwach scheint, dafür über einen endlosen Energievorrat verfügt. Damit gleichen wir das Beleuchtungs-Manko zumindest geringfügig aus. Schade nur, dass es nicht möglich ist, gleichzeitig Lampe und Waffe zu halten. So bekommen wir die Grafikpracht der uns angreifenden Monster nur selten zu Gesicht.
Wirklich schade, denn die Grafik wäre einer größten Pluspunkte, die Doom³ zu bieten hätte. Selbst auf nicht mehr ganz aktuellen PC’s(sprich: auch mit meiner Geforce 4 MX 440) und niedrigen Details sieht das ganze verdammt gut aus. Vor allem die nahezu perfekt animierten Zombies können einen immer wieder in Erstaunen versetzen. Aber auch die Umgebung gibt uns das Gefühl, wirklich auf einer Forschungsstation auf einem fremden Planeten zu sein. Alles in allem ein großes Plus. Wenn es doch nur ein wenig heller wäre...
Augen zu, Ohren auf...
Da wir, wie gesagt, oftmals den Augen nicht ganz trauen können müssen wir auf andere Sinne zurückgreifen. Und hier offenbart sich die größte Stärke des Spieles: der Sound. Von weitem schon hören wir die Schritte und das Ächzen eines potentiellen Angreifers. Andere Angriffe kündigen sich mit dem hysterischen Kichern eines Monster-Arbeitgebers an.
Auch abgesehen vom taktischen Vorteil, den man dadurch bekommt, trägt die Geräuschkulisse viel zur Atmosphäre bei. Sei es nun die sich automatisch schließende (oder vielleicht doch öffenende?) Tür in der Dunkelheit, das Luftschachtgitter, das hinter uns krachend zu Boden fällt oder ein Schrei, irgdenwo vor uns - der Horror ist vorprogrammiert.
Geteiltes Doom ist halbes Doom
Ja, Doom³ hat auch einen Multiplayer-Modus. Und, nein, er ist nicht sonderlich aufregend. Seit den Anfängen der Trilogie scheint man nichts dazugelernt zu haben. Auf bisher lediglich 5 Mehrspielerkarten tummeln sich immer noch maximal 4 Spieler, um sich im Deathmatch gegenseitig den Garaus zu machen. Nicht genügend, setzten bitte. Da hätten wir wirklich mehr erwartet...
Aus gutem Grund ab 18
Viel diskutiert ist ein anderes Thema, im Speziellen, sowie im Generellen: Altersbeschränkungen. Was immer man davon auch halten mag: Doom³ gehört definitiv nicht in Kinderhände. Auch wenn besiegte Gegner schnell verschwinden, so ist der Grad der Gewaltdarstellung ziemlich hoch. Blutverschmierte Wände und Gänge, abgetrennte Körperteile und ähnliches bestimmen den Spielalltag. Und genau wie Horrorfilme kann auch das Spiel sanftere Gemüter leicht überfordern. Was nicht bedeuten soll, dass man Doom³ entschärfen sollte. Doch man sollte wissen, ob man der Zielgruppe Horror-Fans angehört, bevor man das Spiel nachts startet.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
