Nachdem ein deutsches Spiel aufgrund seiner Bombast-Grafik schon auf mehreren Messen der letzten Jahre für offene Münder sorgte, waren die Erwartungen an das endgültige Produkt natürlich dementsprechend hoch. Daran konnten auch die Skandale über angeblich fehlende Softwarelizenzen oder die Maßregelung der BPjM wenig ändern.
Ob das durch Grafikdemos bekannte Entwicklerstudio Crytek aber auch ein gelungenes Gesamtwerk abliefern konnte, oder ob es sich doch eher um einen spielbaren Benchmark handelt, erfahrt ihr in unserem ausfürhlichen Test. Wir haben uns mit Jack Carver durch die Tropenlandschaft von Far Cry geschlagen...
Keine Oskar-Nominierung für Ubisoft!
Auf einer tropischen Inselgruppe führt ein Wissenschaftler names Dr. Krieger Experimente im Auftrag des Militärs durch. Dabei wird die Wirkung mutagener Stoffe an verschiedenen Tieren untersucht. Da Wissenschaftler immer die hässliche Angewohnheit haben verrückt zu werden, sagt sich auch bereits erwähnter Dr. Krieger von seinen Auftraggebern los und bricht den Kontakt zur Regierung ab. Dies ruft den Geheimdienst auf den Plan, der diesem Treiben ein Ende machen will. Hier kommt der Hauptcharakter Jack Carver ins Spiel. Dabei handelt es sich wohl um den schlechtest angezogensten Action-Helden der letzten Jahre. Er muss eine Agentin auf die Insel bringen und gerät dabei wie erwartet in Gefahr und muss sich ab sofort allein durchschlagen. Dabei bekommt er Handlungsanweisungen von einer ominösen Person über einen Kommunikator. Im Verlauf der Geschichte kommt es dann zu einem Wiedersehen mit der Agentin, inklusive einer obligatorischen, sowie unpassenden romantischen Szene unter einem Wasserfall, die kitschiger nicht sein könnte.
Zusammenfassend kann mal also sagen, dass sich in Far Cry alles um einen verrückten Wissenschaftler, Mutanten, eine Romanze und einen über sich selbst hinauswachsenden Anti-Helden handelt. Im Bereich der Story also schon mal keine Lorbeeren für Ubisoft!
Was zum Spielen, mit Schokolade!
Da es sich beim Entwickler Crytek aber auch um eine Spieleschmiede und nicht um ein Filmstudio handelt, kann man diese Schwäche wohl verzeihen. Ihr wahres Handwerk verstehen sie aber umso besser! Dies wird am Gameplay deutlich.
Die Missionstypen sind sehr abwechslungsreich und reichen von der Zerstörung einer Kommunikationseinrichtung hoch auf einem Berg, über die Infiltration eines auf Grund gelaufenen Tankers bis zur wahnwitzigen Aufgabe eine Atombombe mit einem Gabelstapler in eine Forschungsstation zu verfrachten. Die Freiheit des Spielers ist bei all diesen Missionen sehr hoch, obwohl sie im Grunde genommen ziemlich linear sind. Durch die teils riesige Spielumgebung ist der Weg dennoch frei wählbar. Die Levels sind zwar letztlich nur große Flächen mit natürlichen Barrieren (bspw. Meer, Berge, Abhänge, ect.), doch sind diese viel größer als in anderen Spielen.
Bei eurer unfreiwilligen Reise durch die Tropenwelt trefft ihr immer wieder auf Soldaten, die euch als Eindringling ansehen und mit Waffengewalt aufhalten wollen. Im späteren Spielverlauf trefft ihr zudem auf die Ergebnisse der „kriegerschen“ Experimente. So z.B. auf sprunggewandte Gorrilas, Monster mit angewachsenem Raketenwerfer oder Maschinengewehr oder aber unsichtbare Zombies. Da deren Freilassung wohl eher unabsichtlich stattfand, dürft ihr häufig Gefechten zwischen Soldaten und Mutanten zusehen.
Hardware + Far Cry = WOW!
Über die optischen Qualitäten von Far Cry war ja schon vor dem Erscheinen viel bekannt geworden. Doch erst in Bewegung zeigt die eigens erstellte Cry Engine was in ihr steckt. Dabei hat sie viele Qualitäten und begeistert an vielen Stellen im Spiel. Angefangen von der realistischen Waldvegetation, über die enorme Weitsicht (alles was man mit dem Fernglas sehen kann, kann man auch erreichen) bis hin zur dynamischen Beleuchtung der Innenlevels ist Far Cry im optischen Bereich bahnbrechend. Weiterhin begeistern Partikeleffekte, wie z.B. die Unschärfe durch ausströmenden Dampf und der traumhafte Wassereffekt. Hier kann man wohl von der realistischsten Wasserdarstellung ever sprechen. Aber nicht nur in den weitläufigen Außenarealen kommt man auf seine Kosten, auch die Innenlevels ähneln mit der Verteilung von Licht und Schatten schon arg denen von Doom 3.
Ein weiterer Höhepunkt ist die Physikengine in Far Cry. Diese spielt ohne Zweifel auf dem Niveau von Havoc oder UT. Stühle und Gegner fliegen realistisch weg, Hubschrauber stürzen vom Himmel, zerbersten am Boden und bleiben natürlich dort liegen.
Somit kann man sagen, dass der Spieler mit Far Cry wohl die beste Grafik aller derzeit aktuellen Spiele vorgesetzt bekommt. Vorausgesetzt man verfügt über die nötige Hardware. Zwar lässt sich die Grafik an so gut wie jedes System anpassen, doch verliert das Spiel dadurch deutlich an Qualität und gleicht im schlimmsten Fall der Optik von Half-Life. Empfehlen würden wir euch einen PC mit 2500 MHz, 1024 MB RAM und einer Radeon 9800 Grafikkarte. Zwar läuft das Spiel auch mit 512 MB RAM, doch treten dabei häufig starke Ruckler auf.
Ganz und gar nicht pauschal!
Zwar befindet ihr euch im gesamten Spiel auf einer tropischen Inselgruppe, doch gibt es trotzdem große Unterschiede im Leveldesign. Mal geht’s am fast schon romantischen Strand zur Sache, mal im Inneren einer Forschungsstation, mal im Bauch eines Schiffs, mal im Herzen der Insel oder aber an der nächtlichen Küstenlandschaft entlang. Die Areale sind alle sehr groß und die darauf verteilten Speicherpunkte in akzeptablen Abständen verteilt. Jeder neue Abschnitt stellt neue Herausforderungen an den Spieler, so müsst ihr euch in einer Sekunde in klaustrophobischer Enge durch Mutantenhorden ballern, in der nächsten dann im weitläufigen Dschungel gegen eine Handvoll Soldaten.
Schlau durch KI-Tablette!
Auch in Punkto KI haben die Jungs aus Coburg ihre Hausaufgaben gemacht. Während die Mutanten durch Schnelligkeit und Waffengewalt zur Plage werden, überzeugen die Angestellten von Dr. Krieger durch unvorhersehbare Reaktionen. Sobald Gegner auf euch aufmerksam werden, beginnen sie euch zu suchen, kreisen euch ein oder schleichen sich an. Daher kann man deren Reaktion nur selten vorhersagen. Die altbewährte Taktik in einen neuen Raum „hineinzuballern“, in einen sichern Bereich zurückzugehen und zu warten funktioniert hier nicht mehr. Denn erstens ist das Gelände meist zu weitläufig und uneinsehbar und zweitens suchen die Gegner dann nach einer Möglichkeit euch doch irgendwie von hinten anzugreifen.
Keine Ammu-Nation Filiale auf dieser Insel?!?
Um euch trotz dieser digitalen Klugscheißer eurer Haut erwehren zu können, steht euch ein relativ überschaubares Waffenarsenal zur Verfügung. Durch die begrenzte Tragfähigkeit des Helden, liegt die Wahl der mitzunehmenden Waffen immer bei euch. In Frage kommen z.B. diverse Maschinengewehre (mit oder ohne Zoom), ein Snipergewehr, ein Raketenwerfer, Pistole, Sturmgewehr, Pumpgun und verschiedene Granattypen. Ein taktisch sinnvolles Feature: Maschinengewehre können auch auf Einzelfeuer umgestellt werden, dies macht weniger Lärm und spart Munition. Diese ist nämlich recht knapp in Far Cry und so kommt es häufig vor, dass ihr eine bestimmte Waffe durch mehrere Levels schleppt, ohne dafür auch nur einen Schuss Munition zu finden. Doch trotz dieses Umstands wird jeder schnell seine Lieblingswaffe finden, die man dann aber auch mal schweigen lassen muss, weil die passende Munition fehlt.
Auch die Gadgets sind nicht so zahlreich wie in anderen Titeln des Genres. So trägt Jack ein Fernglas mit sich, mit welchem er erspähte Gegner dauerhaft auf dem Radar sichtbar machen kann. Dies bringt eine gewisse Sicherheit, vor allem bei schnellen Mutanten, die sich im Dickicht verstecken. Weiterhin kann man damit auch Gespräche belauschen und kommt so an aufschlussreiche Informationen oder aber auch nur an sinnlose Unterhaltungen der Soldaten. Weiterhin hat Jack eine Taschenlampe für uneinsehbare Bereiche dabei. Doch Vorsicht: Die Wachen sehen euch natürlich auch, wenn ihr im dunklen Wald „herumfunzelt“. Sicherer ist das da Thermosichtgerät, welches eure Gegner auch anzeigt, wenn sie sich im Gebüsch verstecken. Der dadurch entstehende taktische Vorteil ist aber nur von kurzer Dauer, denn die Batterie hält nicht sonderlich lange.
Folgen sie diesem Taxi!
Damit ihr euch in den weitläufigen Welten von Far Cry nicht nur zur Fuß durchschlagen müsst, stehen euch häufig ganz verschiedene Fahrzeuge zur Verfügung. Diese sind teilweise gut bewaffnet und steuern sich wie in HALO. Mit der Tastatur gebt ihr Gas und mit der Maus ist die Kamera jederzeit schwenkbar (in der Außenansicht). Zum Einsatz kommt z.B ein Jeep mit Maschinengewehr und Raketenwerfer, ein waffenloses Schlauchboot, Motorboote mit oben beschriebener Bewaffnung, ein Buggy, ein Paraglider oder sogar ein Gabelstapler. Die Gegner sind allerdings auch motorisiert und machen euch mit Jeeps, Booten oder Hubschraubern das Leben zur Qual. Ohne die passende Deckung und Bewaffnung (vorzugsweise einem Raketenwerfer) sind diese nur schwer zu besiegen.
Mache deine Freunde zu Feinden!
Der Multiplayer kommt mit bekannten Modi wie Deathmatch, Team Deathmatch oder Assault daher. In letzterem kann sich jeder Spieler für einen speziellen Charakter, wie z.B. Ingenieur oder Scharfschütze entscheiden. Leider stehen der Vollversion nur 11 Maps zur Seite, die aber schon jetzt durch den mitgelieferten Editor erweitert wurden. Links dazu findet ihr rechts im Artikel. Da es keine Botunterstützung gibt, seid ihr auf die Internet-Server angewiesen oder aber ihr leistet euch mit Freunden ein Match auf einer LAN.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
