Die Divinity-Reihe konnte sich mit Divine Divinity und Addon Beyond Divinity eine große Fangemeinde schaffen und lässt mit dem zweiten Teil die Vorgänger ebenso wie die betagte 2D-Grafik hinter sich. Ego Draconis bietet eine komplett in 3D gerenderte Spielwelt und setzt storytechnisch die Geschehnisse aus Beyond Dinity fort. Spezielle Vorkenntnisse sind allerdings nicht zwingend notwendig.
Rivellon - Eine schöne Spielwelt mit Schattenseiten
Wir erinnern uns an
»Gothic 3 und Konsorten: In vielen Rollenspiel-Titeln stehen wir am Anfang ohne jegliche Fähigkeiten da oder leiden unter Gedächnisverlust.
Divinity 2: Ego Draconis handhabt diesen Kniff ganz ähnlich, jedoch mit dem Unterschied, dass eure Erinnerungen erhalten bleiben. So wisst ihr auch, mit welcher Aufgabe ihr in die beschauliche Welt von Rivellon aufbrecht - nämlich mit dem Ziel, Drachentöter zu werden. Um den Heldenstatus zu erlangen, müsst ihr euch zwangsweise einer obligatorischen Zeremonie unterziehen, im Zuge derer ihr eurer gesamten Kampffertigkeiten beraubt werdet. Dafür bekommt ihr im Gegenzug immerhin ein paar extravagante Spezialfähigkeiten wie das Gedankenlesen spendiert, die einen angehenden Drachentöter offiziell zu einem vollendeten machen sollen. So gestaltet sich der Anfang des neuen Rollenspiels aus dem Hause
Larian Studios. Klar kann man sich denken, was im Anschluss daran ansteht: Quests lösen, Aufleveln, Fähigkeiten zurückerlernen, um schließlich amtlich als ein mächtiger Drachentöter angesehen zu werden. Doch damit ist nicht der gesamte Ablauf der Geschichte von
Divinity 2 erklärt. Recht schnell verschafft ihr euch nämlich den Titel als Drachentöter, bekommt dann aber zu hören, dass eine finstere Macht ihre Schatten auf das schöne Rivellon wirft. Alsbald folgen erste Anzeichen für eine multiple Persönlichkeit nebst der Möglichkeit, Drachengestalt anzunehmen. Als Highlight steht selbst die Herrschaft über einen berüchtigten Drachenturm an. Mehr als diesen groben Anriss möchten wir an dieser Stelle nicht preisgeben. Nur so viel: Die Story verschlägt euch an so manch geheimen sowie gruseligen Ort und arrangiert so manche Zusammenkunft mit allerlei schrulligen Charakterköpfen.
Klassisches Rollenspiel - Rudimentärer Charakterausbau
Divinity 2 besteht im Grunde aus all den Faktoren, die auch andere populäre Rollenspiele ausmachen. Euren Wunschcharakter stellt ihr zu Beginn aus einer Hand voll vordefinierter Skins zusammen, ohne selbigen bis ins kleinste Detail gestalten zu können - immerhin dürft ihr klassische Erscheinungsmerkmale wie Geschlecht, Frisur, Haarfarbe oder Bartformen wählen und später sogar bei Bedarf ändern. Auf eine anfängliche Charakterklassen-Wahl verzichtet
Ego Draconis, vielmehr dürft ihr im Laufe des Abenteuers nach Stufenaufstiegen verschiedene Fähigkeiten erlernen, die sich in fünf Stufen nochmals verbessern lassen. Dabei spielt es keine Rolle, ob ihr einem Krieger auch das Zaubern, oder einem Bogenschützen neue Schwertkampf-Manöver beibringt. Die Skills halten sich dabei angenehm im überschaubaren Rahmen, decken aber so gut wie alles ab, was ein Rollenspieler aufgetischt bekommen möchte. Von "Schlösserknacken", über "Kreaturen beschwören", bis hin zu konventionellen Gaben wie dem "Rundumschlag" oder dem "Sprungangriff" bietet das Spiel diverse Fertigkeiten. Normale Erfahrungspunkte verteilt ihr auf die fünf Charakterwerte "Stärke" (Nahkampfschaden), "Lebenskraft" (Lebensenergie), "Willenskraft" (Manavorrat), "Gewandtheit" (Fernkampfschaden) und "Intelligenz" (Magieschaden). Daran gekoppelt sind natürlich gewisse Rüstungsteile, Waffen oder auch die Restistenz gegen so manche Gegner. Erfüllt ihr eine Voraussetzung nicht, müsst ihr auf die folgenden Stufenaufstiege warten. Durch spezielle Bücher, welche überall in Rivellon verteilt sind, steigert ihr eure Werte sogar außerhalb von Stufenaufstiegen - das erhöht den Forschungsdrang.
Immer wissen was zu tun ist - nicht überfordernd
Eine Sache beherrscht
Divinity 2: Ego Draconis sehr gut: Das Rollenspiel führt selbst Anfänger mit zu Beginn überschaubaren Arealen und Aufgaben in die Spielwelt ein, ohne euch dabei zu auffällig an die Hand zu nehmen. Dennoch fallen die Kämpfe nicht untaktisch aus: Wer in einem Gebiet ständig wegstirbt, wird indirekt dazu aufgefordert, erst einmal die anderen Gegenden zu erkunden und aufzuleveln, bevor er stärker in das bekannte Areal zurückkehrt und schließlich locker mit den bekannten Feinden umspringt. Damit verhindert das Programm auch das zu eilige Voranschreiten zu einem Hauptziel, lotst euch also vorübergehend in ein anderen Teil der Spielwelt. Ein Trick, den die Entwickler aufgrund der weitgehend begrenzten Karten angewandt haben. Denn weitere Gegenden eröffnen sich euch erst nach bestimmten Ereignissen. Die Ausflüge in andere Territorien (zum Beispiel Gruften oder verschütteten Tempeln) bringen nicht nur neue Gegenstände, die sich in verschiedenen Kategorien abstufen, sondern auch neue Questgeber, die sich meist grundlegend voneinander unterscheiden. So gibt es den verängstigten Bauern, der auf magische Art und Weise mit einem Huhn verbunden wurde, auch wie eines spricht und dessen Schicksal am seidenen Faden hängt. Sein Problem: stirbt das Huhn, stirbt gleichzeitig auch er. Tadellos gelungen: Die Erkundungstouren decken so manche neue Questgeber auf, sodass es sich lohnt, auch mal abseits des Weges nach neuen Quests und Gegenständen zu suchen. Ein weiterer Pluspunkt: Bei gelösten Aufgaben bekommt ihr nicht lediglich festgelegte Erfahrungspunkte und zumeist Gold geschenkt, sondern dürft darüber hinaus stets noch weitere Belohnungen auswählen. Hierbei müsst ihr euch entscheiden, beispielsweise zwischen einem seltenen Ring mit nützlichen Boni oder einer von zahlreich verfügbaren Rüstungsteilen (Arm- und Beinschienen, Helm, Brustpanzer etc.).
Getroffene Entscheidungen bewirken übrigens auch in
Divinity 2 hin und wieder absehbare Konsequenzen, von denen ihr entweder profitiert oder eben nicht. So könnt ihr euch gegen einen strahlenden Helden stellen, der ein unschuldiges Dorf unterjochen möchte, müsst dann aber erstmal gegen diesen bestehen. Zieht ihr im Gespräch jedoch die zweite Option, dürft ihr einen Pakt mit dem Strahlemann eingehen und erntet so neben Respekt auch neue Aufträge.
Kämpfe wie ein Jedi - Verbindungen zur Star Wars-Reihe
Vergleiche sollte man möglichst vermeiden, trotzdem dürfte die Gegenüberstellung mit dem Kampfsystem von
Gothic 3 zumindest angesichts der völlig anderen Kampf-Mechanik einige Rollenspieler zu erleichternden Gesten treiben. Denn anders als Pyranha Bytes Open-World-Titel erinnern die Gefechte von
Divinity 2 in ihrer Dynamik und Leichtfüßigkeit an die
Jedi Knight-Sammlung. Der Held wirbelt via Leertaste und anschließendem Druck auf die linke Maustaste durch die Luft, hinterlässt rasante Schwertkombos und rollt sich gekonnt zur Seite weg - ganz anders als es bei vergleichbaren Genre-Konkurrenten der Fall ist, wo sich der Umfang an Animationen oftmals an einer Hand ablesen lässt. Dank der Schnellzugriffsleiste am unteren Bildschirmrand habt ihr zu jeder Zeit auf Knopfdruck eure Spezialfähigkeiten parat, die es wie die Gesundheitstränke auch gekonnt einzusetzten gilt. Andernsfalls übersteht ihr manche Gefechte nicht lebendig, da das Spiel zum Teil fiese Fallen stellt und ganze Gegnerhorden von Goblins oder Skeletten auf euch einstürmen lässt. Ganz spezielle Kaliber sind die Endbosse wie Geister oder Trolle, die sich nur mit einem geschickten Zusammenspiel aus Angriff und Verteidigung aushebeln lassen. Beizeiten schlüft ihr sogar in die schuppige Haut eines Drachens, um entfernte Gegenden erkunden zu können und gegen andere Feuerspeier zu kämpfen. Die Steuerung geht dabei in Ordnung, der Kampf auf festem Terrain macht aber deutlich mehr Laune, weil euch am Boden abwechslungsreichere Attacken zur Verfügung stehen. Trotzdem streuen die Flugabschnitte ein wenig Abwechslung ein.
Minimale Grafik - Da gibt es Schöneres
In Kampfsituationen kommen die sonst äußerst schwachen Animationen zum Glück nicht zum Tragen, da sie dabei doch noch solide ausfallen. Dennoch merkt man beweglichen Objekten in der Umgebung an, dass irgendetwas nicht rund läuft. Mal fließt ein Bach nicht flüssig, sondern ruckelt einen Berg herunter, mal dreht sich ein Mühlrad eher unbeholfen als realistisch. Grafisch ist
Divinity 2 einfach nicht auf der Höhe der Zeit, was sich an allen Ecken und Enden bemerkbar macht. Die Innenlevel sind meist gleich texturiert, wirken aber noch stimmig und relativ scharf strukturiert. Die Außenlevel muten im farbenfrohen Rivellon mit teils kantigen Objekten sowie verwaschenen Texturen ziemlich betagt an. Besser als die Vorgänger präsentiert sich die Optik aber trotzdem - allerdings erscheint das auch kein zeitgemäßer Vergleich zu sein, wenn man Alter und 2D-Darstellung mit einbezieht.
Ein paar auf die Ohren - Brillante Akustik
Man könnte es schon fast als Prunkstück bezeichnen:
Divinity 2 geizt nicht mit einer tollen Soundkulisse. Seien es die Sprecher, die ihren Dienst genauso wie die Dialogschreiber tadellos abgeleistet haben oder die stimmungsvollen Melodien. Während der Testsessions erwischten wir uns manchmal dabei, wie wir ohne es zu merken angefangen haben, die Lieder mitzusummen. Und das muss schon was heißen!
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
