Passend zu dem vor ein paar Tagen angelaufenen Blockbuster Terminator: Die Erlösung ist noch kurz zuvor das fast unvermeidliche Spiel zum Film erschienen. Die Terminator-Reihe wurde bereits mehrfach versoftet, und auch der vierte Kinofilm soll mit einem adäquaten Spiel den Markt möglichst großzügig abschöpfen. In Terminator: Die Erlösung setzt ihr euch nicht nur gegen die Gegner, die bereits von der großen Leinwand her bekannt sind, zur Wehr, sondern auch gegen vollkommen neue. Als John Connor, der im Film prophetisch als der Erlöser der Menschheit von der Übermacht der Maschinen gilt, kämpft ihr im zwei Jahre vor dem Film angesiedelten Spiel in einem postapokalyptischen, zerstörten Los Angeles. Was Third-Person-Shooter- und Terminator-Fans genau zu erwarten haben, ob es sich für euch lohnt, selbst in den Krieg gegen die Maschinen zu ziehen, oder ob ihr lieber Pazifisten bleiben solltet, erfahrt ihr in unserem Review.
Der Retter naht
In
Terminator: Die Erlösung übernehmt ihr die Rolle von John Connor, der im Jahr 2016 als Widerstandskämpfer und prophezeiter "Messias" gegen Horden von bösartigen Skynet-Maschinen zu Felde ziehen muss. Die Handlung spielt zwei Jahre vor dem gleichnamigen Kinofilm und fungiert sozusagen als Brücke zwischen dem dritten
Terminator-Film und
Terminator: Die Erlösung. Connor ist nur ein einfacher Soldat, der sich mit seiner Berufung, der Menschheit die Erlösung von den Maschinen zu bringen, zurzeit nicht anfreunden kann. Dass Los Angeles an die Maschinen verloren ging, hat schwer an seinem Glauben gekratzt, jemals gegen Skynet siegen zu können. Doch kämpft er weiter, und bald wird sein verschütteter Retterinstinkt wieder geweckt, als einige Überlebende des tobenden Kriegs nach Hilfe rufen. Den anderslautenden Befehl seines Vorgesetzen verweigernd, begibt er sich mit Blair Williams, einer langjährigen Freundin, und einigen weiteren Mitkämpfern auf eine Rettungsmission durchs destruierte Los Angeles. Wirklich neue Einsichten in die Terminator-Welt abseits der Filme verwehrt uns die simpel gestrickte Handlung aber leider.
Überlebenskampf in Los Angeles anno 2016
Die Stadt ist ziemlich stimmungsvoll designt und vermittelt den Eindruck einer offenen Welt. Der Schein trügt jedoch, da ihr euch nie sehr weit vom aktuellen Kampfschauplatz entfernen könnt und daneben leider oft vor unsichtbaren Mauern zum Stehen kommt. Dass ihr kleinere Hindernisse nicht überspringen könnt und euer Aktionspotenzial fast ausschließlich auf Deckung suchen und Ballern beschränkt ist, mindert nicht gerade das Gefühl einschnürender Linearität in an sich großen Arealen. Die Kämpfe in der Third-Person-Perspektive reihen sich gegen detailarme und wenig intelligent agierende Roboter inspirationslos aneinander. Ein Schadensmodell der Maschinen ist lediglich punktuell realisiert, indem mal an einer vordefinierten Stelle ein Blechteil abfällt. Das Coversystem, das ganz klar im Vordergrund des Gameplays steht, ist aus
»Gears of War entlehnt und wurde auch im vor kurzem erschienenen
»Wanted integriert. Deckung bieten Trümmer, Autowracks, Hauswände oder andere Überbleibsel der Zivilisation zur Genüge. Per Knopfdruck sucht sich John seinen Schutz und kann so aus einer relativ sicheren Position heraus das Sperrfeuer eröffnen. Die Feinde sind dabei immerhin so schlau, dass sie sich in Johns Richtung drehen, wenn sie ein paar Kugeln von ihm abbekommen haben, und unnachgiebig zurückfeuern. Taktisches Vorgehen ist daher häufig klug, wenn auch nicht immer unvermeidlich. Von zwei Seiten sind die Gegner mit euren Teammitgliedern recht schnell überwunden. Schwachstellen werden dabei automatisch rot markiert und sind je nach Bewaffnung mal mehr, mal weniger einfach zu erreichen.
Der Kampf gegen die Maschinen...
Das teambasierte Kampfsystem ist einer der großen Pluspunkte des Spiels. Viele der Gegner erledigt man weitaus effektiver und sicherer im taktischen Teamplay als im Frontalangriff und Alleingang. Euch steht mindestens ein Verbündeter zur Seite, in der Regel aber gehören vier bis fünf weitere Mitglieder zu eurer Widerstandsfraktion. Im Grunde ist das Kampfprinzip eine schön umgesetzte Idee, die auch Spaß bringt, wenn sie funktioniert. Seid ihr jedoch mit drei oder mehr Gegnern zur gleichen Zeit konfrontiert, gestaltet es sich ziemlich schwierig, einem der Feinde aufzulauern, ohne unter Beschuss eines anderen zu geraten. Oft ist es da einfacher und nervenschonender, eine Granate zu werfen, die – gut gezielt –, insbesondere die
Spiders prompt aus dem Weg räumt.
Euer Waffenrepertoire, um den Maschinen das Blech zu zerbeulen, fällt ziemlich standardmäßig aus. In erster Linie gehören Maschinengewehre, Shotgun, Raketen- und Granatenwerfer dazu, von denen ihr jedoch nur zwei zur gleichen Zeit bei euch tragen könnt. Schießeisen liegen im ganzen Spiel verstreut herum; mit Munition, die euch grundsätzlich schnell ausgeht, versorgen euch auch eure Teammitglieder. Neben den bereits erwähnten
Spiders, welche euch von Anfang an belästigen, gehören vor allem noch die
Aerostats bzw.
Wespen zu euren Hauptgegnern. Im Vergleich zum Rest der Feindesmacht sind diese aber recht zügig vom Himmel geholt – mit der Shotgun reicht ein gezielter Schuss. Die berüchtigten Killercyborgs dagegen -
T600 und der mit Plastikhaut überzogene
Skin Job - sind äußerst zähe Widersacher und werden vor allem zum Ende des Spiels zahlreicher, wenn man auch nie davon sprechen könnte, dass ihr häufig mit ihnen konfrontiert wäret. Die berühmten humanoiden Killerroboter gehören keinesfalls zu euren Hauptgegnern. Damit sind jedoch auch schon fast alle Gegnertypen benannt. Vereinzelt müsst ihr euch noch gegen Kampfschiffe zur Wehr setzen oder die auch aus dem Film bekannten Motorrad-Terminators – dann jedoch von einem Vehikel aus. Ihr seid nämlich nicht nur zu Fuß unterwegs, sondern ballert auch von Pick-up, Buggy oder U-Bahn aus. Das Highlight ist ein riesiger Roboterpanzer, von dem aus ihr mühelos Maschinen, Autowracks und Geschütztürme aus dem Weg räumt. Dennoch mangelt es insgesamt arg an Abwechslung in den Gefechten.
Ein ursprünglich geplanter Online-Multiplayermodus fiel leider weg. Außer im Alleingang könnt ihr euch nun noch zu zweit im Koop-Modus via Splitscreen durch jedes der Level ballern. Hierfür wird jedoch zwingend ein Xbox 360-Controller benötigt.
...und der Krampf gegen die Maschinen
Mit der Steuerung beginnt die Negativwelle über das Spiel zu schwappen. Es gibt keine Sprintfunktion, keine Möglichkeit, schnell zur Seite auszuweichen geschweige denn zu springen. Von einer Deckung löst man sich erst wieder per Knopfdruck, was einen nicht zu rechtfertigenden Komfortverlust darstellt. Das ganze Gameplay wirkt wie durch vordefinierte Bahnen gelenkt, ohne dem Spieler echte Freiheiten zu geben. Vor dem Hintergrund der
Open-world-Tendenz bei Computerspielen fühlt man sich irgendwie eingeschnürt, nur auf das unverzügliche Missionsende hin ausgerichtet, welches in der Tat stets rascher erreicht ist, als ihr wahrscheinlich erwartet hättet.
So ist an dieser Stelle der schwerste Kritikpunkt am Spiel zu nennen: Es ist viel zu kurz. Am Stück auf einfachstem Schwierigkeitsgrad gespielt, hat man es in sechs bis sieben Stunden durch, wonach es keinen Grund gibt, das Spiel erneut zu starten. Dafür einen Spiele-Vollpreis zwischen 40 und 50 EUR zu verlangen ist eine unverschämte Zumutung! Auch mit dem Koop-Modus seid ihr nicht länger beschäftigt, dafür lässt das gemeinsame Maschinen-Verschrotten über einige Designmängel hinwegsehen.
Die Spielcharaktere wirken ausdrucksschwach und zu synthetisch in den mal mehr, mal weniger gelungenen, zahlreichen Zwischensequenzen. Auf den digitalisierten Christian Bale als John Connor müsst ihr übrigens verzichten, und das obwohl sich Bale kürzlich als Videospielfan geoutet hat – jedoch nicht explizit als einer von diesem. Das digitale Pendant zur Schauspielerin Moon Bloodgood alias Blair Williams kommt dem Vorbild dagegen schon um einiges näher.
Grafisch gibt es neben den wenig detaillierten Spielfiguren kaum etwas zu bemängeln. Die Umgebung wird mit der von GRIN gern genutzten
Diesel Engine (
»Wanted,
»Bionic Commando,
»Ghost Recon Advanced Warfighter) auf dem Bildschirm generiert. Die heruntergekommenen Areale in Anlehnung an den Film kommen dabei gut zur Geltung. Flora, die dem atomaren Krieg getrotzt hat, gedeiht wieder auf einigen Spielabschnitten und überwuchert zum Teil Zivilisationrückstände. Grafikeffekte wie Tiefen- und Bewegungsunschärfe sowie eine gelungene Beleuchtung, setzen die einstmals lebendige Metropole LA und den Untergrund, in dem ihr oft unterwegs seid, hübsch in Szene, gehören aber heute bereits zum Standard in Computerspielen. Ebenfalls standardmäßig scheint die Optionsarmut bei Multiplattform-Titeln zu werden, denn auch bei
Terminator: Die Erlösung lassen sich außer der Auflösung und des Bildschirmformats keine weiteren Grafikanpassungen vornehmen.
Was den Sound betrifft, parallelisiert sich die an sich gute englische Sprachausgabe leider oft nicht mit den Lippenbewegungen der Charaktere. Die musikalische Komposition hingegen bekräftigt das Spielgeschehen grundsätzlich sehr passend und macht ausgiebig Gebrauch vom imposanten Filmthema Brad Fiedels. Leider wiederholen sich jedoch einige der Sequenzen sehr oft, und das Kampfgeschehen ist musikalisch immer gleich untermalt. Nichtsdestotrotz gehört die Musik mit zum Besten, was das Spiel zu bieten hat.