Wenn Turbane, Zwiebeltürme, und Krummsäbel im Spiel sind, dann kann das nur bedeuten, dass der Prince of Persia wieder da ist! In seinem 4. Abenteuer springt, hüpft und kämpft der Prinz in solch einer Pracht, dass Lara Croft und Indiana Jones vor Neid erblassen mögen. Für den Ruhm und um den König Sharaman von Persien zu ehren, erbeutet der Prinz einen magischen Dolch bei der Eroberung des Palasts des Maharadschas von Indien. Angekommen im Palast des Sultans von Azad, wird diesem die Sanduhr mit dem magischen Sand der Zeit als Geschenk überreicht. Auf Anweisung des bösen Wesirs öffnet der Prinz die Sanduhr mit seinem magischen Dolch und lässt damit dem Unheil freien Lauf. Der Sand der Zeit entrinnt verwüstet den halben Palast und verwandelt alle in Zombies, bis auf den Wesir, die gefangen genommene Tochter des Marahadschas von Indien, Prinzessin Farah, und den Prinzen selbst.
Wer die Suppe einbrockt, der...
Die Erbeutung des Dolches im indischen Palast des Marahadschas, dient als Tutorial des Spiels und vermittelt dabei gleich ein sehr dichtes atmosphärisches Gefühl, da um einem herum die Schlacht um den Palast tobt. Die Steuerung ist schnell erlernt und kommt auf dem PC mit recht wenigen Tasten aus. Mit W, A, S und D steuert man den Prinzen, und mit der Maus richtet man die Kamera aus, dies macht das Spiel aber auch automatisch. Mit der linken und rechten Maustaste führt man entsprechende Aktionen aus und mit Space springt man. Später braucht man noch die Tasten Q E R F X C , um spezielle Aktionen auszuführen. Zudem helfen dem Prinzen fünf magische Fähigkeiten das Abenteuer zu meistern. So kann er auf Wunsch die Zeit zurück drehen und so gemachte Fehler ausmerzen, oder er empfängt Visionen von dem was ihm bevor steht. In den Kämpfen kommt ihm die Beschleunigung, Verlangsamung und sogar der Stillstand der Zeit zugute. Sollte der Prinz trotz dieser Fähigkeiten doch mal das Zeitliche segnen, dann fängt er an fest definierten Punkten wieder an, die meist sehr sinnvoll gewählt sind. Sobald man das Spiel allerdings beendet, stehen einem nur die manuell gewählten Speicherpunkte zur Verfügung. Diese kann man nur an Lichtsäulen erstellen, alle Zwischenpunkte, die das Spiel selbst anlegt, sind dann weg. Dummerweise kann man die Lichtsäulen meist erst dann benutzen, wenn man einen Kampf erfolgreich beendet hat.
Licht und Schatten
In den Kämpfen zeigt der Prinz sein wahres Bewegungsrepertoire, hier wirbelt er um die Gegner, in einer Grafikpracht und sanften Animationsübergängen, wie man sie bisher noch nicht gesehen hat. Leider hat man meist keine Zeit, diese zu genießen, denn die Kämpfe sind sehr schwer zu überstehen und werden von mal zu mal anspruchsvoller. Man hat es meist immer gleichzeitig mit vier Gegnern zu tun, die einen umkreisen und anfängliche einfache Attacken reichen später nicht mehr aus, da die Gegner diese dann einfach blocken. Man muss also für jeden Gegnertyp die entsprechende erfolgreiche Strategie herausbekommen und diese dann auch effektiv einsetzen. Den Sandzombies kann man nur mit dem magischen Dolch endgültig den Garaus machen. Entweder muss man sie zu Boden schlagen und dann mit einem Finishing-Move mit dem Dolch ihren Sand aufsaugen, was gleichzeitig die Ladungen des Dolches für die Spezialfähigkeiten wieder auffüllt. Oder man sticht mit dem Dolch zuerst zu, woraufhin der Zombie für kurze Zeit eingefroren wird, in der bringt man zwei Treffer an um den Zombie endgültig zu vernichten. Die anderen Gegner, Skarabäus-Käfer, riesige Geier und Fledermäuse, benötigen nur einen oder wenige Treffer, um endgültig vernichtet zu werden. Sollte der Prinz verletzt werden, kann an er seine Lebensenergie an allen Wasserstellen auffüllen, welche man zu Hauf im Spiel vorfindet.
...muß sie auch auslöffeln!
Auf seinem Weg, das Unglück wieder ungeschehen zu machen, bekommt der Prinz bald die Gesellschaft und Unterstützung der schönen Prinzessin Farah. Diese reagiert selbstständig und folgt dem Spieler. In Kämpfen unterstützt sie den Prinzen mit Pfeil und Bogen, sollte Sie angegriffen werden schreit Sie um Hilfe und ihr Lebensbalken in Form eines Bogens wird eingeblendet. Sinkt dieser auf Null, ist das Spiel vorbei. Zudem kann Sie sich durch Maueröffnungen zwängen und damit an Orte gelangen, die für den Prinzen nicht zu erreichen sind. Auf diese Art und Weise lösen die beiden Schalterrätsel oder die Prinzessin nimmt den einfachen Weg, wohingegen der Prinz sämtliche Fallen überwinden muss. Hierfür kann er klettern, balancieren, springen, hangeln, an Säulen/Seilen auf und ab klettern, schwingen und sogar an Wänden entlanglaufen. Zusätzlich darf er auch noch einige Gegenstände verschieben, um dahinter liegende Öffnung freizulegen, oder sich einen höheren Standpunkt zu verschaffen. Auf seinem Weg durch den Palast durchquert der Prinz Gästequartiere, die Bäder, die geheimen Katakomben unterhalb des Palastes, den Folterkerker, die Bibliothek bis hin zum Harem. Hierbei zeigen die Designer wirklich Einfallsreichtum, denn jede Location im Spiel ist einzigartig und sehr schön in Szene gesetzt. Häufig gibt es kleine, schwer zu erreichende Öffnungen oder brüchige Wände, die man einschlagen kann. Hinter ihnen verbirgt sich der Zugang zu speziellen Brunnen. Wenn der Prinz aus diesen trinkt, füllt sich nicht nur seine Lebensenergie ganz auf, sondern wird dauerhaft erhöht. Auch die leuchtenden Sandwolken, die man mit dem Dolch aufsaugen kann, erweitern dessen Ladung und füllen diese auf. Im Laufe des Spiels bekommt der Prinz drei Upgrades für seinen Krummsäbel, womit er brüchige Wände durchschlagen kann oder mit weniger Treffern die Gegner niederstreckt.
Über den Wolken
Ziel der Reise durch den Palast ist der Turm der Dämmerung. Ganz oben befindet sich die Schatzkammer, wohin die Sanduhr verschleppt wurde. Und während sich unser Pärchen dorthin vorkämpft, kommen die beiden sich auch näher, wie die automatisch ablaufenden Dialoge auf sehr humorvolle Art und Weise illustrieren. Wenn die Prinzessin mit ihren schönen Augen den Prinzen einwickelt, verliert dieser immer mehr seiner Oberbekleidung, bis er mit gänzlich nacktem Oberkörper umherwandert. Während man also in luftigen Höhen über die Mauerreste von eingestürzten Bauten balanciert oder von Fahnestange zu Fahnenstange schwingt, werden die Sprungabfolgen immer komplexer und auch die Story spitzt sich zu, nimmt aber noch einmal einen kleinen Umweg. Erzählt wird die Geschichte zu Beginn und am Ende durch sehr schön gerenderte Filme, dazwischen wird alles in der InGame-Grafik weitergeführt.
Happy End?
Ob der Prinz die Prinzessin Farah am Schluss in seinen Armen halten wird, werde ich hier nicht verraten, wer es selber erleben will sollte über einen PC verfügen, der ca. eine 1Ghz schelle CPU hat und über 256 MB Ram verfügt. Die Grafikkarte muss zwingend DirectX 8 unterstützen, hiermit bleiben die weit verbreiteten GeForce 4 MX Karten leider außen vor, da diese das Spiel überhaupt nicht darstellen können. Die Grafik setzt teilweise Maßstäbe und zeigt eindrucksvoll, dass wenige aber sinnvoll eingesetzte Effekte und flüssige Animationen für eine dichte Atmosphäre ausreichen. Soundtechnisch wird EAX 3.0 unterstützt und auch angenehm eingesetzt, allerdings sorgt das ganz selten auch dafür, dass einige Dialoge zu leise sind. Musik wird recht selten im Spiel verwendet, wenn, dann um an der entsprechenden Stelle für mehr Atmosphäre zu sorgen. Negativ anzumerken ist eigentlich nur der sehr hohe Schwierigkeitsgrad des Spiels, hier hätte man die Kurve moderater steigen lassen sollen und nicht von Null auf Hundert. Die Kamera-Justierung, welche an einigen Stellen verbesserungswürdig ist, erhöht unnötigerweise den Schwierigkeitsgrad. Belohnt wird man mit tollen Hüpfabfolgen und „Wie-weiche-ich-den-Fallen-aus-Rätseln“, wie man sie seit Tomb Raider II nicht mehr gesehen hat. Kleiner Tipp: einfach mal einige Sekunden nichts tun, um zu sehen was der Prinz dann macht!
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
