Simon der Zauberer hat eine lange Karriere hinter sich. Seitdem Simon 1993 durch seinen Schrank in eine magische Welt purzelte, hat er so manche Abenteuer hinter sich gebracht. Doch die Zeiten waren nicht immer so rosig. Als 2002 der dritte Teil erschien, war es die 3D Grafik, die viele Fans vor den Kopf stieß. Vorbei war es mit stimmigen Hintergründen und dem Eintauchen in eine magische Welt. Auch Teil 4, der in 2½ D gehalten war, stieß nicht unbedingt auf Gegenliebe. Nach diesem kritischen Einbruch in der Qualitätskurve tritt "Simon the Sorcerer 5" ein schweres Erbe an. Ob es diesem Gerecht wird, erfahrt ihr in diesem Test.
Eintauchen in eine magische Welt
Wie ich oben bereits erwähnte, als die Simon-Reihe den Schritt von handgezeichneten Hintergründen zu 3D machte, verlor sie ihren Reiz. Die sterile Grafik von Teil 3 und die Charakterdesigns tief aus dem uncanny valley machten es unmöglich, das Spiel wirklich zu genießen. Der Stil hat einfach nicht gepasst. "Simon 5" geht wieder in die richtige Richtung. Die Hintergründe sind zwar dreidimensional, farblich aber absolut passend gestaltet. Die magische Welt sieht wieder magisch aus, nicht wie ein misslungenes Experiment mit der Poser Software. Stimmungsvoll und abwechslungsreich sind die Lokalitäten. Statisch sind sie aber trotzdem. Das einzige was sich bewegt sind die Charaktere.
Apropos Charaktere: Die sind ebenfalls grafisch stimmig. Der Stil passt zu einer magischen Welt. Das einzige was stört, sind die Bewegungsabläufe und vor allem die Dialoganimationen. Die Mundbewegungen passen nicht zum Gesagten, das wirkt hölzern und unrealistisch.
Hirnsport im Zauberland
Die Rätsel, das zweite Standbein eines jeden Adventures, sind auch in Ordnung. Man sammelt in einem Abschnitt alle Gegenstände ein, die lose herumliegen und kombiniert sie um bestimmte Ziele zu erreichen, bis man den nächsten Abschnitt erreicht. Standard also. Der Schwierigkeitsgrad ist dabei recht gering. Die Rätsel sind logisch aufgebaut und erfordern keine sonderliche Hirnakrobatik. An einer Stelle mahlt man Kaffee, um einen betrunkenen Wolf zu ernüchtern, ein andermal belebt man einen toten Wissenschaftler. Alles in allem ist der Denkaspekt recht solide ausgefallen. Wer trotzdem Hilfe braucht, der erhält Tips im Questbuch. Außerdem kann man sich jederzeit die Hotspots zuschalten lassen.
Wort, Witz und Klang
Musikalisch macht "Simon the Sorcerer 5" nicht sonderlich viel her, das Gedudel was im Hintergrund läuft, könnte man auch getrost abschalten. Kein einziges Stück bleibt wirklich haften. Der Soundtrack ist aber leider nicht der schlimmste Aspekt des Spiel.
Die Sprachausgabe. Oh Gott, die Sprachausgabe. Es ist mir ein Rätsel wo man so unmotivierte Sprecher findet, wie The Games Company für "Simon 5" angeheuert hat. Simons Sprecher weiß nicht einmal annähernd, wie man eine Zeile ungestellt und natürlich vermittelt. Sämtliche Dialoge klingen konstruiert. Das Spiel versucht so angestrengt witzig zu sein, dass es ein bestimmtes Level an Peinlichkeit überschreitet. Was macht ein Storyschreiber, wenn er keinen Humor hat? Richtig, Popkultur-Anspielungen einbauen. Witze auf Fernseh-Comedian-Niveau und darunter. Ein Beispiel: Die überzogene Rotkäppchen Figur, die in dem Spiel die Rolle einer militanten Feministin einnimmt, tritt Simon ins Gemächt. Später hat man die Möglichkeit zu erfragen, wo Rotkäppchen denn Prügeln gelernt hätte „etwa in Berlin-Neukölln“. Rotkäppchen erwidert etwas in Kanacksprack (siehe Erkan und Stefan), was genau sie erwidert kann ich leider nicht wiedergeben, da ich in diesem Moment mit physischen Schmerzen am Boden lag. Soviel Dummheit und künstlicher Witz war mir einfach zu viel.
Zu allem Übel leidet das Spiel auch noch am "Oblivion-Syndrom". Anscheinend stand für die Synchronisierung so wenig Geld zur Verfügung, dass man nur eine Handvoll Sprecher verpflichten konnte. So kommt es mitunter vor, dass sich Simons Sprecher mit sich selbst unterhält. Wenn dieser wenigstens mehr als eine Stimme beherrschen würde, wäre das kein Problem, aber dann müsste ich mich hier auch nicht über die Sprecher echauffieren.
Um das Spiel dann doch noch durchzuspielen, stellte ich die Sprache aus und aktivierte Untertitel. Das führt zwar nicht dazu, dass die Dialoge besser werden, aber wenigstens halte ich mein Gehör davon ab Selbstmord zu begehen. Schade eigentlich, denn das Spiel ist, wie oben beschrieben, grundsolide. Die Story rund um Außerirdische und die Rettung von Simons Freundin ist zwar klischeegeladen aber akzeptabel. Ein gutes Spiel in schlechter Verpackung.