Aller guten Dinge sind Drei. So sagt man zumindest. Nun will auch THQ mit dem neuestem Teil der „Baphomets Fluch“-Reihe, der die 3 zwar nicht im Namen trägt, die Grenzen dieser Weisheit ausloten. Ob der Volksmund Recht behält oder sich als Binsenweisheit erweist, lesen sie hier – im Test zu „Baphomets Fluch – Der schlafende Drache“
Reporter, Anwälte und das abgrundtief Böse
An manchen Tagen sollte man das Bett besser nicht verlassen. Diese schmerzhafte Lektion muss auch George Stobbart, seines Zeichens junger Patentanwalt aus Idaho und einer der Helden des Spieles, lernen. Nicht nur, dass er beruflich den nicht wirklich einladenden Dschungel Kongos zu besuchen hat – nein, auf dem Weg dorthin lässt ein Sturm auch noch sein Flugzeug abstürzen. Dass er dann auch noch Zeuge eines Mordes wird, trägt nicht dazu bei, seine Stimmung zu heben.
Und auch bei Nicole Collard, Reporterin einer Pariser Zeitung und seit „Baphomets Fluch“ Teil 1, Co-Heldin, läuft so einiges schief. Denn auch wenn sie sich aufregendere Aufträge als das Interview mit einem jugendlichen Hacker, der den Weltuntergang prophezeit, wünschen würde, so ist es ihr doch nicht Recht, plötzlich unter Mordverdacht zu stehen.
Dass die beiden sich plötzlich wieder gemeinsam auf Abenteuerreise befinden, braucht nicht gesagt zu werden, und auch dass die Rettung der gesamten Welt vor Oberbösewicht und Ex-Tempelritter Susarro auf dem Programm steht ist selbstverständlich.
Die Story des Spieles lässt über weite Teile nichts zu wünschen übrig, auch wenn sie so manchem vielleicht ein wenig zu unrealistisch erscheinen mag. Gerade gegen Ende lässt sich ein Augendrehen kaum vermeiden. Wie immer ist dies jedoch Geschmacksache. Unumstritten sind jedoch die Schauplätze: In bester Indiana Jones-Manier reisen die Helden quer über den Globus. Der Kongo, Paris oder Prag sind nur einige der Stationen.
3D – Segen oder Fluch?
Alle dieser Lokalitäten präsentieren sich nun auch in der hübschen dritten Dimension. Mit diesem Wechsel wurde auch die Maussteuerung über Bord geworfen – unsere Heroen werden per Tastatur oder Gamepad befehligt. Zumindest dieses Experiment kann man als erfolgreich bewältigt betrachten. Die Steuerung ist in wenigen Minuten erlernt und geht dann leicht von der Hand. Einzig die häufigen Kamerawechsel, besonders in der einen oder anderen Weglauf- oder Schleich-Szene können den Spieler den letzten Nerv rauben – und das virtuelle Leben kosten. Glücklicherweise ist das Programm hier allerdings so fair, dass meist nur wenige Sekunden wiederholt werden müssen. Wer also vergisst zu speichern, der braucht nicht auf den letzten Spielstand zurückzugreifen. Allerdings hat die optisch ansprechende Präsentation auch ihre Schattenseiten. Gelegentlich stehen sich die Spielfiguren gegenseitig im Weg oder laufen gegen vorher nicht sichtbare Wände.
Spieltechnisch ändert sich gegenüber 2D-Adventures jedoch wenig. Mit der Leertaste wird ein Inventar aufgerufen, benutz- oder betrachtbare Gegenstände werden durch ein kleines Sternchen gekennzeichnet, sobald man in die entsprechende Richtung blickt.
Lang lebe Sokoban!
Erinnert sich noch jemand an jenes Kistenverschiebespiel aus längst vergangen Zeiten, Sokoban genannt? Zumindest die Entwickler schienen es in guter Erinnerung zu haben. Oft genug müssen George oder Nico Holz- oder Steinquader an bestimmte Stellen befördern, um ihren Weg fortzusetzen. Das mag zwar anfangs ganz nett sein, nervt aber nach einer gewissen Zeit einfach nur noch. Denn leider sind anderweitige Rätsel rar gesät. Man hat das Gefühl, dass die 3D-Grafik nur einem endlosen „Schiebe diese Kiste hier hin“ und „Klettere auf diesen Vorsprung und springe dann weiter“ dient. Echte Kombinationsgabe ist selten gefragt. Nur ein einziges Mal müssen mehr als zwei Gegenstände zusammen benützt werden. Ganz allgemein fällt „Baphomets Fluch“ ziemlich leicht aus. Knackige Logik-Rätsel scheinen aus der Mode gekommen zu sein. Dazu wurde anscheinend der Versuch gemacht, dieses Manko mit mehr schlecht als recht geratenen Action-Sequenzen und Schleicheinlagen auszugleichen. Wenigstens sind diese nicht wirklich schwer geraten, was man auch vom Rest des Spiels nicht behaupten kann. In knapp 10 Stunden wird ein mittelmäßiger Adventure-Spieler den Abspann betrachten können.
Ziemlich…äh…dialogig
Um nun auch etwas Positives zu sagen: extrem gut gelungen sind die Dialoge. Die Synchronsprecher haben exzellente Arbeit geleistet, was natürlich auch an den ausgezeichneten Texten liegt. Denn obwohl „Baphomets Fluch“ kein Spaß-Adventure a lá Monkey Island und Konsorten ist, bringen die sarkastischen Kommentare, genau wie die perfekt ausgearbeiteten Haupt- und Nebendarsteller, einen fast immer zum Schmunzeln. Auch die musikalische Untermalung ist stimmig. Ob bedrohlich oder romantisch – immer passt der Sound zur Szenerie. Was die Effekte angeht, so kann das Spiel auch hier Pluspunkte sammeln.
Fazit
An manchen Tagen sollte man besser im Bett bleiben. Wenn man dann abends dann aber doch aufsteht, bleibt noch Zeit, schnell mal Baphomets Fluch durchzuspielen. Für ein Adventure ist die Spielzeit extrem kurz. Die Stimmung macht zwar vieles wett, aber eben nicht ganz. Eingefleischte Fans werden es wohl sowieso kaufen – alle anderen sollten entweder auf eine Budget-Version oder, falls Teil 1 und 2 noch nicht durchgespielt wurden, auf eine kleine Sammlung warten.