Wörter, die mit Krieg zu tun haben und mit der Silbe „End-„ beginnen, haben hierzulande einen historisch-bedingt schlechten Beigeschmack. Mit dem Namenspatron des Spiels, dem amerikanischen Autor für patriotisch durchtränkte Militär-Romane Tom Clancy sind wir jedoch ganz auf der Seite der Siegermächte. Also ziehen wir mit Amerikanern, Russen und Europäern in den Krieg, um die letzten verbleibenden Ölreserven auf dem Planeten zu sichern.
Gesichtsloser Konflikt
Interessanterweise ist die Geschichte von "Tom Clancy's EndWar" damit schon ausreichend beschrieben, denn wirklich Mühe, euch in die Story einzuführen macht sich das Programm nicht. Wer jetzt wen bekriegt, interessiert nur sekundär und passt damit perfekt in das Bild der Tom Clancy-Romane, die viele Fans nur wegen der akribischen Beschreibung militärischer Vorgänge lieben. Trotzdem kann ich mir so aber nicht die gesichtslosen Briefings vor jedem Einsatz erklären, denn sogar in der Taktik-Shooter-Reihe „Rainbow Six“ konnte man sich fast schon zu ausführlich über seine Teamkameraden informieren. Das Ganze erinnert stark an die Zeit, wo "Starcraft" gegen "Age of Empires" um die Echtzeit-Strategie-Krone kämpfte und der Science Fiction-Hit aus dem Hause Blizzard mit seinen fulminanten Videosequenzen klar gegen die öden Textwüsten von „Age of Empires“ punkten konnte.
Mittendrin statt nur dabei
Doch steckt man zumeist erst einmal mitten drin im tobenden Schlachtengetümmel, sind die anfänglichen Makel längst vergeben und vergessen. Klar, dank Kameraperspektive ist man zwangsläufig mittendrin statt nur dabei, aber das Gefühl, wie es beispielsweise die Hack’n’Slay-Adaptionen von Tolkiens „Herr der Ringe“ aufkommen lässt, will sich hier nicht einstellen. Zwar sind die Einheiten überdurchschnittlich gut in Szene gesetzt, man muss sie jedoch relativ simpel nach dem Schere-Stein-Papier aufeinander hetzen. Eine genretypische Draufsicht vermisst man dabei schmerzlich, denn der Blickwinkel „klebt“ fast auf dem Sichtradius der Einheit.
Über „Belanglosigkeiten“ wie ausgeklügelten Basisbau oder komplexes Ressourcen-Management machen wir uns schon mal gar keine Gedanken, sondern konzentrieren uns komplett auf unsere Truppen, die wir ganz in bester Action-Strategie-Manier à la „Dawn of War“ möglichst effektiv zum Zuge kommen lassen. Allzu simpel wird es dann aber doch nicht, denn bekämpfen wir den Feind gut, können wir den erwirtschafteten Erfolg zwischen den Einsätzen in teure Upgrades investieren, die später sogar kriegsentscheidend werden. Habt ihr euch bei der Verteilung der Boni allzu dämlich angestellt, hilft euch die KI wieder auf die Beine. Nicht etwa, dass sie euch sinnvolle Tipps zum persönlichen Vorgehen gibt, nein, sie schraubt eher die Intelligenz der gegnerischen Truppen zurück. Soll heißen, dass die Einheiten des Computers gerne mal, anstatt taktisch günstig Stellung zu nehmen, lieber den Freitod wählen, indem sie planlos über das Schlachtfeld laufen. Offensichtlich hat hier „Grand Ages Rome“ als Negativ-Vorbild herhalten müssen.
Wie, wo, warum?
Bei der Bedienung hingegen gibt sich „Endwar“ durchweg vorbildlich. Mit wenigen Mausklicks über die aussagekräftigen Symbole gibt man seinen Verbänden auch die komplexesten Befehle durch. Doch der eigentliche Clou kommt jetzt: Wenn ihr euch in bester Call-Center-Manier ein Headset aufsetzt, könnt ihr mittels eurer Stimme die Truppen über den Bildschirm dirigieren. Und dieses Feature funktioniert tatsächlich tadellos. Zwar hält euch eure Umgebung bei zunehmenden Selbstgesprächen mit dem PC für total bescheuert, aber die Eingabe „Einheit 2, Angriff, Feind 6“ wird von euren Einheiten ohne Umschweife ausgeführt. Sogar absichtlich mit Akzent gesprochene Inhalte erkennt das Programm. Bei aller Begeisterung für dieses Feature habe ich aus Nostalgie-Gründen allerdings nach einiger Zeit wieder bewusst zu Tastatur und Maus gegriffen. Das kann sich aber auch ändern, wenn andere Spiele diese Funktion erfolgreich aufnehmen und vielleicht schon bald zum neuen Standard machen.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
