Mit seinem Streifen „1 1/2 Ritter: Auf der Suche nach der hinreißenden Herzelinde“ lockt Zelluloid-Guru Til Schweiger seit Mitte Dezember wieder Heerscharen ins Kino. Dass der Streifen nicht wirklich überzeugt, ist bei einem derartigen Staraufgebot (Udo Kier, Thomas Gottschalk und sogar Roberto Blanco) eher Nebensache. Dass Schweiger und die Vertriebsfirma Warner für die Umsetzung des Begleitspiels die Macher des hervorragenden „»Edna bricht aus“ engagiert haben, überrascht dann aber doch.
1 1/2 Ritter auf Knobeltour
Die Handlung orientiert sich wie zu erwarten an der der Filmvorlage. In der Rüstung des schüchternen Ritters Lanze versucht ihr Prinzessin Herzelinde, die heimliche Liebe des etwas verklemmten Leibwächters, aus den Fängen des schwarzen Ritters zu befreien. Bevor es jedoch an die Suche gehen kann, müsst ihr euch selbst erst einmal aus der Affäre ziehen – schließlich hat euch der erboste König für euer Versagen als Beschützer in den Kerker gesteckt. Glück im Unglück: In der Zelle trefft ihr den Hochstapler Erdal, der euch im Verlaufe des Spiels zwar eher eine Last, hin und wieder dann aber auch eine Hilfe sein kann. Nahezu der komplette Cast des Films ist auch virtuell vertreten: Til Schweiger, über dessen Sprecherqualität man geteilter Meinung sein kann, spricht auch im Spiel Ritter Lanze. Ebenfalls ins Tonstudio konnten die Jungs von Daedalic die Schauspieler Julia Dietze, Rick Kavanian, Ralph Herforth und Udo Kier zerren. Lediglich Promis wie Thomas Gottschalk und Johannes Heesters, die wie im Film nur einen kurzen Auftritt haben, bekamen neue Stimmen in den Mund gelegt.
Die Entwickler haben die bekannten Schauplätze des Films nachgebaut und sich zudem einige Zusatzsets einfallen lassen, um die Handlung etwas auszubauen und eine ordentliche (für eine Lizenzumsetzung sogar überraschend lange) Spielzeit von acht bis zehn Stunden zu garantieren. Das Gameplay gibt sich recht typisch: Ihr führt Gespräche, sammelt Gegenstände, kombiniert diese und löst somit Rätsel. Das Rätseldesign kommt ausgeklügelt daher und dürfte somit auch Kennern des Genres gefallen. Einsteiger freuen sich über die zuschaltbare Hotspotanzeige und das stetig überschaubare Inventar, stören sich aber an Logikschwächen – wer hier und da nicht um die Ecke denkt, bleibt des Öfteren stecken. Als Auflockerung dienen drei Minispiele, die in den Handlungsverlauf eingebaut sind. So duelliert ihr euch etwa beim Pferdequartett mit eurem Anhängsel Erdal oder versucht in einem mittelalterlichen Casino beim Hühnerroulette euer Glück. Die Spiele machen Spaß, dauern ingesamt aber etwas zu lange.
"Ja glaub’ ich’s denn!"
Die größte Stärke des Spiels sind die Dialoge - dank zahlreicher Seitenhiebe, Anspielungen und Schlagfertigkeiten avancieren die Gespräche stellenweise zu echten Meisterstücken und sorgen für Lacher, die man im Film so herzlich vermisst. Überhaupt hätten sich Schweiger und seine Drehbuchautoren von der Qualität Texte eine Scheibe abschneiden lassen - hier warten Einlagen auf LucasArts-Niveau!
Die optische Umsetzung ist gelungen. Im hübschen 2D-Look klickt ihr euch durch detaillierte, aber größtenteils unanimierte Hintergründe. Etwas störend sind die hölzernen Animationen, die einen Tick der Trickfilmatmosphäre rauben - ein Manko, an dem bereits "Edna bricht aus" litt. Die Vertonung ist ordentlich, wurden schließlich der gelungene Soundtrack des Films und die Stimmen der Schauspieler verwendet. Eine ausgefeilte Geräuschkulisse sollte man, wie bei Adventures üblich, aber auch hier nicht erwarten.