Die Siedler von Catan gilt als eines der erfolgreichsten deutschen Brettspiele der Neuzeit. Kein Wunder, dass es sich bis 2002 bereits 10 Millionen Mal verkauft hat, mehrfach ausgezeichnet wurde und Catan jedem zweiten Deutschen ein Begriff ist. Und Erfolg will, ähnlich wie die Siedlungen im Spiel, ausgebaut werden - so folgt nun der Sprung auf den Nintendo DS. Ob das Brettspiel auch auf einem kleinen Modul funktioniert? Wir haben es getestet.
Ohne Vorkenntnis verständlich?
Vorab möchte ich festhalten: Ich habe die Brettspiel-Vorlage nicht ein einziges Mal gespielt, also keinerlei Vorkenntnisse bezüglich des Spielprinzips. Das ist auch nicht weiter tragisch, verspricht zumindest die Spielhülle. Eure Aufgabe ist es, die Insel Catan zu besiedeln. Diese besteht aus mehreren sechseckigen Flächen, welche unterschiedliche Landschaftstypen repräsentieren. Je nach Typ generiert dieses Feld eine bestimmte Ressource - Wald liefert Holz, Gebirge Erz, Acker Getreide, Weide Wolle und Hügellandschaft Lehm. Wüste und Meer bieten keine Rohstoffe.
Ihr seid nie alleine auf der Insel. Mindestens zwei weitere Spieler sind immer dabei, maximal drei. Um zu siegen, müsst ihr 10 Siegpunkte erringen. Diese bekommt ihr nicht für das Besiegen eurer Mitspieler, denn Kämpfe sind nicht möglich, sondern durch den Ausbau eurer Siedlungen. Und hier kommt dann Taktik ins Spiel: Eure Mitstreiter sind zwar einerseits Konkurrenten, gleichzeitig aber auch häufig die einzige Möglichkeit, günstig an bestimmte Rohstoffe zu kommen.
Ressourcen-Management
Soweit die Grundzüge des Spiels, ohne Feinheiten wie Entwicklungskarten, dem Räuber und dergleichen. Gespielt wird reihum - es wird zufällig ein Startspieler ermittelt, der seine erste Siedlung gründen darf. Diese wird grundsätzlich an die Knotenpunkte der Landschaften gesetzt. Danach setzt der nächste Spieler seine erste Siedlung, und so weiter, bis alle Spieler zwei Siedlungen haben. Bei der Positionierung ist Taktik gefragt: Ihr müsst schauen, dass ihr möglichst so baut, dass ihr mit wichtigen Rohstoffen von den Landschaften versorgt werdet.
Im eigentlichen Spiel seid ihr dann abwechselnd am Zug. Der erste Schritt ist fast immer: Würfeln. Die Zahl der Augen der beiden Würfel bestimmt die Felder, von denen etwas "geerntet" wird. Umliegende Siedlungen bekommen dann Rohstoffe geliefert - als Siedlung nur einmal, zur Stadt ausgebaut zweimal. Danach müsst ihr dann schauen, dass ihr eure Handelsstraße erweitert, Entwicklungskarten einkauft oder neue Siedlungen gründet. Um an Rohstoffe zu kommen, könnt ihr nicht nur mit den Mitspielern handeln, sondern auch mit der Bank. Hier könnt ihr Rohstoffe zu entsprechenden Konditionen eintauschen. Geld oder dergleichen gibt es nicht. Dummerweise ist der Handel über die Bank oft der einzige Weg, an Rohstoffe zu kommen - eure Mitspieler stellen sich manchmal sehr stur an, wenn es darum geht, mit euch zu handeln. Dann lehnen sie auch schonmal selbst lukrative Angebote vehement ab. Ob da Taktik hintersteckt und wenn ja, welche - das bleibt offen.
Gelungene Umsetzung
Die Umsetzung ist insgesamt absolut gelungen, soweit ich das ohne Kenntnis der Vorlage sagen kann. Die Kampagne ist für erfahrene
Catan-Spieler sicherlich eine einfache Sache, für Einsteiger jedoch anfangs recht schwierig. Das liegt zum einen an den herausfordernden KI-Gegnern, aber auch an mangelnder Information. Es braucht einige Zeit, sich in die Feinheiten des Spiels einzuarbeiten und die 16 Szenarien zu meistern. Der auf der Verpackung angepriesene Almanach ist mit seinen trockenen Texteinblendungen dabei zwar weniger eine Hilfe, die Anleitung dagegen schon eher. Hat man sich in das Spiel reingefunden, geht es dann auch gut von der Hand.
Technisch präsentiert sich
Catan mehr als nur ordentlich: Der schicke Zeichentrickstil ist angenehm, die Steuerung funktioniert tadellos und die Hintergrund-Musik ist unaufdringlich. In insgesamt vier Slots kann das Spiel zu jeder Zeit (wenn man am Zug ist) gespeichert werden. Neben dem Basis-Spiel hat es auch die Seefahrer-Erweiterung auf das Modul geschafft.
Catan-Fan, was willst du mehr?
Genau, einen Multiplayer-Modus. Den hat auch diese Umsetzung, keine Sorge - allerdings handelt es sich um ein Multikarten-System. Heisst: Wer mitspielen will, muss vor Ort sein und einen eigenen DS samt Spiel besitzen. Einen Hot-Seat-Modus, in dem der DS rumgereicht wird, gibt es leider unverständlicherweise nicht, genausowenig wie das Spielen über WLAN im Internet.