Die Adventure-Reihe mit Lerneffekt rund um Carmen Sandiego besteht bereits seit den frühen Neunzigern. Allerdings war es lange Zeit sehr still um die Meisterdiebin geworden. Nun darf die Frau im roten Dress ihre Rückkehr auf Nintendos DS feiern. Eine spannende Reise rund um die Welt - oder hätte Carmen doch besser im Ruhestand bleiben sollen?
Auf der Jagd nach Carmen Sandiego
Drei wertvolle Kunstschätze werden einfach so geklaut - die Aktionen tragen die Handschrift von Carmen Sandiego, der Meisterdiebin. Und so übernehmt ihr die Kontrolle über die ACME-Agenten Julia und Adam, die Carmen so schnell wie möglich dingfest machen sollen. Dazu reist ihr rund um die Welt, löst kleinere Rätsel und absolviert Minispielchen.
Seit ihren Anfängen ist die "Carmen Sandiego"-Reihe bekannt für ihren Lerneffekt. So vermitteln die Spiele dem (vornehmlich jüngeren) Spielern Kenntnisse der Geschichte und Geografie. Einige spätere Teile brachten auch noch diverse andere Bereiche unter, wie die Mathematik. Auch der neueste Teil mit dem Untertitel "Das Geheimnis am Ende der Welt" möchte dieser Maxime folgen. Ganz nebenher wird hier vor allem Geografie nahegebracht, aber auch über die zu suchenden Kunstwerke erfährt man ein wenig.
Lerneffekt, anyone?
Allerdings schafft das Spiel es nicht, dies interessant aufzubereiten und zu vermitteln. Mehr noch - diese Informationen sind völlig vernachlässigbar und für das Vorankommen nicht von Belang! Im Grunde ist es an jedem der 10 Orte - ihr reist unter anderem nach Russland, Italien, Peru und sogar Deutschland - stets das gleiche Spiel. Ihr kommt per Flieger an, seht dort zwei oder drei Bilder mit Impressionen von der Gegend und macht euch dann an die Arbeit: Leute befragen, Minispielchen lösen, Gegenstände zusammentragen, Carmen Sandiego hinterherjagen und so weiter.
Die meisten Infos über das Land und die Kunstwerke bekommt ihr auf der Karte, wo ihr euer nächstes Ziel auswählt. Dort versteckt sich hinter einem "i"-Symbol Wissenswertes über das Land, wie dessen Hauptstadt, Einwohnerzahl, Währung und dergleichen. Das Diamant-Symbol hingegen verrät einiges über das von Carmen gestohlene Kunstwerk. Allerdings: Alles nur als dröger Text - hier hätte eine schickere Aufbereitung dem Lernwillen sicherlich geholfen.
Rätsel und Minispiele
Kein Adventure ohne Rätsel. Hier sind diese allerdings keine große Herausforderung. Mal müsst ihr einen versteckten Code finden, mal Gegenstände kombinieren, nichts Weltbewegendes. Und das ist wörtlich zu nehmen: Man fragt sich schon, warum das Inventar so groß ausgefallen ist. Es gibt keine Gegenstände, die länderübergreifend zusammengetragen und kombiniert werden müssen. Alle Rätsel lassen sich direkt vor Ort lösen. Und wenn ihr mal nicht weiter wisst, hilft eventuell ein Blick in die eMails auf eurem PDA - dort findet sich manch versteckter Hinweis. Übrigens habt ihr auch immer nur Zugriff auf die Mails, die den aktuellen Ort betreffen. Das zeigt schon die starke Linearität des Titels auf.
Die Minispielchen hingegen sind eine nette Auflockerung, mehr jedoch nicht. Mal müsst ihr mit dem Touchpen Fingerabdruck-Pulver verteilen und dieses dann wegpusten, mal jagt ihr in einem dunklen Raum hinter der Meisterdiebin her. Frust kommt dabei keiner auf - scheitert ihr, könnt ihr das Spielchen jederzeit neu versuchen.
Ansprechend präsentiert
Bei der Aufmachung wurde soweit alles richtig gemacht. Die Darstellung im Zeichentrickstil ist zielgruppengerecht und die Hintergrundmusik unaufdringlich. Einzig manche Bugs stören das positive Bild, so bleiben Items beim Kombinieren - zum Beispiel beim Reichen an eine Person - gerne mal im Bild stehen, statt ins Inventar zurückzuwandern. Das ist allerdings nicht weiter hinderlich und stört den Spielfluß nicht. Aber die Erkennung des Touchscreens ist mitunter ein wenig fehlerbehaftet - an einer Stelle müsst ihr zehn Mal auf eine Person tippen, sobald diese auftaucht. Es kann dabei häufig passieren, dass das Spiel die Eingabe trotzdem nicht erkennt und ihr die Person so verfehlt. Da man jedoch nicht sterben oder scheitern kann, geht es halt direkt wieder von Null los.
Die Spielzeit zu bemessen ist nicht unbedingt leicht - im Schnitt kann man pro Abschnitt 5-10 Minuten veranschlagen, jüngere Spieler werden sich aber sicher länger mit dem Spiel beschäftigen lassen. Der Wiederspielwert ist allerdings gering. Wenn man den Titel beziehungsweise die Lösungen zu den Rätseln kennt, wird man kaum noch Neues entdecken können.