Die "Crystal Chronicles" haben sich seit ihrem ersten Teil 2003 auf dem Gamecube ordentlich gemacht. Vier Spiele sind bislang von dem "Final Fantasy"-Spinoff veröffentlicht worden, ausschliesslich für Nintendo-Konsolen. Seit dem ersten Teil setzt die Reihe auf kooperativen Mehrspieler - man kann die Spiele alleine bestreiten oder mit menschlichen Mitspielern. Nun geht SquareEnix einen Schritt weiter und vereint Wii- und DS-Spieler in einem Spiel. Ob das gut gehen kann?
Vergessene Krankheiten
Direkt zu Beginn der neuen Episode aus den "Kristall-Chroniken" könnt ihr euch euren Charakter zusammenstellen. Ihr bestimmt die Rasse (vier verschiedene stehen zur Wahl) sowie Geschlecht und Namen eures Helden. Danach geht es in sein Dorf - und dort steht eine Feierlichkeit an. Es ist nämlich euer 16. Geburtstag, was bedeutet, dass ihr nunmehr volljährig seid. Allerdings nicht ohne eine Prüfung! Die müsst ihr im nahegelegenen Wald ablegen. Klar, dass ihr zuvor einige Grundlagen erklärt bekommt. Nach eurer Prüfung - einem recht simplen Kampf - kehrt ihr in das Dorf zurück, wo Eryll - eine Freundin von euch - zusammenbricht. Sie leidet an Krysthma, einer Infektion durch Kristalle. An sich eine gute Sache, stärkt diese doch die Immunabwehr - doch gilt diese Krankheit längst als ausgestorben und die nötige Medizin ist nicht mehr verfügbar. Also macht ihr euch auf in die nahegelegene Stadt, um dort nach der dringend benötigten Arznei zu suchen.
Damit hat euer Abenteuer allerdings erst begonnen. Zwar habt ihr schnell die Medizin, müsst aber sehr bald schon die Welt vor einer Katastrophe bewahren. Wer hier allerdings ein klassisches Rollenspiel erwartet, kann den Stylus gleich wieder wegstecken. "Crystal Chronicles" versteht sich eher als ein Action-Adventure mit Rollenspiel-Elementen... oder auch "Rollenspiel light". Das zeigt sich schon beim Kampfsystem: Sämtliche Kämpfe mit den immer sichtbaren Gegnern werden direkt vor Ort ausgetragen, ähnlich wie in der sehr erfolgreichen "Zelda"-Reihe. Simples Knöpfchendrücken genügt, und euer Charakter teilt Hiebe aus. Die Stärke hängt von der verwendeten Waffe und den Statuswerten der Figur ab, welche konstant mit jedem Stufenanstieg mitleveln.
Die Welt ist, nachdem ihr das Dorf vom Anfang verlassen habt, komplett frei erkundbar. Allerdings müssen erst die einzelnen Dungeons auf der Karte erscheinen, bevor ihr sie betreten könnt. Somit ist die Welt zu Anfang recht leer, was sich erst im weiteren Verlauf der Story ändert. Von Spielbeginn an vorhanden ist allerdings euer Magiesystem. Auf dem unteren DS-Bildschirm oder über R+links bzw R+rechts habt ihr Zugriff auf eure Magie. Feuer, Eis, Blitz, Heilung... natürlich ist deren Nutzung an Magiepunkte gekoppelt. Das Magiesystem bietet aber auch eine besondere Feinheit: Zauber-Stapel. Ihr wählt einen Zauber, schiebt die Markierung ans Ziel, betätigt die linke Schultertaste und der Zauberkreis bleibt an Ort und Stelle "liegen". Nun könnt ihr einen weiteren Zauber aussprechen an dieser Stelle und so die Wirkung vervielfachen.
Gut gerüstet?
Bei der Ausrüstung kommt schnell "Diablo"-Feeling auf: Jede Menge Items und Materialien lassen sich in den Dungeons finden. Wer also gerne mit unterschiedlichen Kombinationen von Ausrüstungsteilen herumexperimentiert, wird hier jede Menge Freude haben. Besonders schön gelungen sind die optischen Veränderungen, die Ausrüstungsteile auf eure Charaktere haben - beispielsweise seht ihr eine Katzenohrkapuze dann auch direkt an eurem Charakter. Wenn euch die Items noch nicht reichen, lasst euch in der Stadt einfach welche machen! Dazu braucht ihr lediglich eine Skizze und die entsprechenden Materialien, welche ihr entweder beim Händler kaufen oder bei besiegten Gegnern einsammeln könnt. Auch könnt ihr eure Ausrüstung durch die Kopplung mit Edelsteinen verbessern und so mit Zusatzeffekten ausstatten. Anders als in "Diablo" können die Edelsteine hier aber sogar wieder entfernt werden, um sie für andere Items zu verwenden.
Das komplette Spiel ist sehr stark auf Multiplayer ausgelegt. Wenn ihr nicht auf die anheuerbaren KI-Mitstreiter setzen wollt, könnt ihr auch eure Freunde mit ins Spiel holen. Und nicht nur DS-Spieler dürfen dabei sein, auch Besitzer der Wii-Fassung sind dazu eingeladen. Bis zu vier Spieler pro Spiel sind möglich. Es kann die komplette Story gemeinsam gezockt werden, aber auch kleinere Nebenmissionen in der Stadt profitieren von menschlichen Mitspielern. Gemeinsam Kühe vor der Entführung durch Aliens in UFOs bewahren, Gegnerverstecke aufmischen und dergleichen - es wird eine nette Auswahl an Varianten geboten. Der Wechsel zum Multiplayer ist denkbar einfach: An jedem Speicherstein könnt ihr zwischen den Spielmodi wählen.
Speichern macht das Leben leicht? Von wegen!
Natürlich lässt sich an den Speichersteinen auch der Spielstand sichern. Hat man zunächst den Eindruck, recht häufig einen solchen zu finden, ändert sich das sehr bald. Oftmals befindet sich ein solcher Wegpunkt lediglich am Eingang und vor der Tür des Endgegners eines Dungeons. Dazwischen kommt ihr nur selten in den Genuß der Speicherfunktion - und könnt sehr häufig nicht einmal zum Speicherstein am Eingang zurück! Das sorgt dafür, dass ihr manchesmal recht lange Etappen ohne Sicherung des Spielsstands überstehen müsst.
Dadurch wird euch das Spiel oftmals unnötig schwer gemacht. Aber auch die Kamera trägt ihren Part zur Schwierigkeit bei. Dadurch, dass diese nicht justierbar ist, lassen sich viele der Sprungpassagen fast schon als "Glückssache" einordnen.
Technisch macht auch der neueste Teil der Kristall-Chroniken einen guten Eindruck. Nette Optik, viele kleine Details, interessant gestaltete Gegner und ein angenehmer Soundtrack - das sind klare Pluspunkte. Dazu gibt es noch einige Render-Sequenzen mit US-Synchro zu sehen. Diese wirken zwar nicht sehr spannend inszeniert, bringen die Geschichte aber ganz passabel rüber.