Remakes sind so eine Sache. Während der Eine sofort die Kreativität des Entwicklers in Frage stellt, jubelt der Andere, weil er endlich auf einer aktuellen Konsole in den Genuss eines geliebten Klassikers kommt. Doch da hört es noch nicht auf! Einige wollen nur eine Verbesserung der Technik, andere hingegen würden gerne das Gameplay ein wenig umgekrempelt sehen. Ob uns Intelligent Systems' "Fire Emblem: Shadow Dragon", das ursprünglich 1990 auf dem Famicom mit dem Zusatz "and the Blade of Light" erschienen ist, auf dem DS überzeugen konnte, lest ihr im Test.
Altea am Abgrund
Die Story wurde dabei natürlich beibehalten: Der böse Drache Medeus wird getötet, was mit der Geburt eines neuen Königreichs gleichzusetzen ist: Altea. Nach einhundert Jahren scheint es ihm dann jedoch besser zu gehen und, als wäre das nicht genug, greifen die Nachbarskönigreiche an. Da der König in der Schlacht fällt, ist es die Aufgabe des Prinzen, das Reich vor dem Untergang zu bewahren. Die aussichtslose Lage zwingt Marth, der vielen wohl aus den Spielen der "Super Smash Bros."-Reihe bekannt sein dürfte, zur Flucht. Als er jedoch genug Verbündete gesammelt hat, macht er sich auf, das Altea zu befreien und seinen Vater zu retten.
Quadratisch, taktisch, gut
Auf dem Weg dahin müsst ihr jedoch erst die 25 Kapitel meistern. Ihr bewegt dabei die Einheiten, die ihr vorher aus eurem stetig wachsenden Repertoire auswählt, über ein in Quadrate eingeteiltes Spielfeld und greift die Gegner an - stark vereinfacht ausgedrückt, denn es gibt natürlich einiges zu beachten. Einiges davon hebt "Fire Emblem" dabei von anderen Genrevertretern ab: der endgültige Tod. Wenn eine Figur sämtliche KP im Kampf verliert, seht ihr sie nie wieder, außer ihr startet vom letzten Speicherpunkt aus neu. Gespeichert wird entweder zwischen den Kapiteln oder an den Speicherpunkten auf dem Schlachtfeld. Man kann den Spielstand auch jederzeit sichern, jedoch wird er nach dem Laden gelöscht. So kommt es, dass ihr den DS sehr oft neustartet, denn Schwierigkeitsgrad ist echt knackig.
Einfach nur Heiler und Bogenschützen nach hinten und gepanzerte Einheiten nach vorne stellen ist in den rundenbasierten Kämpfen noch lange keine Garantie für den Sieg (aber ein Schritt in die richtige Richtung). So gibt es beispielsweise das Waffendreieck: Nach dem Schere-Stein-Papier-Prinzip schlagen Schwerter Äxte, Äxte Lanzen Und Lanzen Schwerter. Wer also meint, sich mit dem Schwertträger Marth den feindlichen Lanzenträgern stellen zu müssen, hat damit auf's falsche Pferd gesetzt. Sogar doppelt, denn Marths Tod beendet sofort die Mission. So zwingt euch das Spiel, die Charakterwahl und -aufstellung an die Gegner anzupassen, damit ja kein Charakter stirbt. Auf der anderen Seite sollten jedoch die schwachen Charaktere nicht vernachlässigt werden, denn auch die wollen Erfahrung sammeln, um ihre Statuswerte zu verbessern. Manchmal sind sie sogar die beste Wahl, weil sie einen Klassenvorteil haben. Pegasusritter, die gegen reitende und gepanzerte Gegner ein wahrer Segen sind, sind den Treffern von Bogenschützen beispielsweise schutzlos ausgeliefert.
Jedoch warten nicht nur Feinde auf euch. In Häusern findet ihr Bürger, die beim gemütlichen Pläuschchen gerne einen Tipp herausrücken. Die Bewohner von Dörfern schenken Marth auch gerne Waffen, Gegenstände, Geld oder sogar neue Verbündete. Diese gibt es auch in den feindlichen Reihen. Sie sind daran zu erkennen, dass sie im Gegensatz zum Rest der Truppen einen Namen haben und reden. Treffen sie die richtige Person, lassen sie sich bekehren und kämpfen fortan an eurer Seite. Leider tun das die Bossgegner nicht, die am Ende jedes Kapitels auf euch warten. Neben vielen KP sind sie auch mit sehr guten Waffen bestückt und besetzen immer das Feld, das Marth "einnehmen" muss, um den Abschnitt erfolgreich abzuschließen.
Die Waffen eines Helden
Wer bis hierher aufmerksam gelesen hat, wird festgestellt haben: Das Spiel ist bockschwer und komplex. Daher ist es sehr nett von Intelligent Systems, euch mit der Steuerung einen treuen Partner zur Seite zu stellen. Ihr könnt das Spiel wahlweise mit Touchpen oder mit den Knöpfen spielen, wobei Letzteres einfach besser funktioniert. Eine Figur wird bewegt, indem ihr sie antippt (oder mit dem Digikreuz ihr Feld wählt und A drückt) und als nächstes ein Feld in ihrer Reichweite wählt, wo dann ein Menü mit den vom Ort abhängigen Auswahlmöglichkeiten (warten, angreifen, Items einsetzen, tauschen, kaufen) erscheint.
Technikkur
Wenn ein NES-Spiel eine Neuauflage bekommt, ist es selbstverständlich, dass die Technik von vorne bis hinten überarbeitet werden muss. Auch wenn das hier grundsätzlich geschehen ist, wäre wohl doch etwas mehr drin gewesen. Die Areale wirken sehr steril und leblos und die Animationen beim Kampf lassen auch zu wünschen übrig. Die Sequenzen und Dialoge sind lediglich Standbilder. Das Intro kann ein wenig trösten, jedoch den Gesamteindruck der Standardgrafik nicht verbessern. Der Sound bietet zwar einige schöne und auch sehr passende Musikstücke, wiederholt sich jedoch sehr schnell. Die gerade angesprochenen Dialoge wurden leider auch nicht vertont, so dass der Titel insgesamt technisch eher Mittelmaß ist.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards: