Nintendos Gamecube hat ja des Öfteren den Ruf eines Spielzeugs für kleine Kinder. Auch beim kunterbunten Pikmin 2 wird dieses Klischee zunächst bedient. Ihr solltet euch aber davon nicht täuschen lassen, denn hinter den süßen Charakteren und der Knuddeloptik erwartet euch ein Strategiespiel allerfeinster Güte. Bekam der Vorgänger schon sehr gute Kritiken, wurde der Nachfolger in allen Belangen verbessert.
Der Olli wird’s schon machen!
Captain Olimar hat es echt nicht leicht. Kaum kommt er von einer langen Weltraumreise von einem fremden Planeten zurück, erfährt er, dass die Firma, für die er arbeitet, kurz vor dem Ruin steht. Ein Souvenir, das er von seinem ersten Abenteuer mitbringt, könnte sich jedoch als rettender Strohhalm erweisen. Unverhofft ist das gute Stück nämlich recht viel Geld wert. Olimar sieht also nur eine Chance: Er muss auf den geheimnisvollen Planeten (der frappierende Ähnlichkeit mit der Erde hat) zurück und noch mehr Schätze finden und so den drohenden Konkurs seiner Firma abwenden. Diesmal ist er aber nicht allein unterwegs, sondern wird von seinem treuen Freund Louie begleitet.
Größe ist nicht alles!
Kaum auf dem Planeten angekommen, stoßen die beiden auf die ersten Pikmin. Deren Hilfe könnt ihr auch schon bald gebrauchen, denn dank ihrer winzigen Körpergröße werden für Olimar und Louie Baumstämme zu unüberwindbaren Hindernissen und kleine Insekten zu lebensgefährlichen Bedrohungen. Insgesamt gibt es fünf verschiedene Arten von Pikmin, die alle unterschiedliche Fähigkeiten haben. Während die roten Pikmin die klassischen Allrounder und dazu immun gegen Feuer sind, können ihre blauen Geschwister schwimmen und die gelben nicht durch Stromstöße verletzt werden. Im Vergleich zum Vorgänger neu hinzugekommen sind weiße und lila Pikmin. Die kleinen weißen sind immun gegen Gift und können in der Nähe gelegene Schätze »spüren« und die etwas dicklichen lila Pikmin haben die Kraft und das Gewicht von zehn normalen Pikmin. Nur wer die Fähigkeiten der kleinen Wesen geschickt nutzt, hat gegen die zahlreichen Gegner eine Chance.
Steuern könnt ihr die Pikmin übrigens nur indirekt, nachdem ihr sie ausgewählt habt, laufen sie zunächst einfach immer hinter euch her. Mit dem gelben C–Stick könnt ihr sie jedoch etwas manövrieren, zum Beispiel wenn ihr die Bande auf einen Gegner hetzt oder sie um ein Hindernis herumlotsen wollt. Auf Knopfdruck trennen sich Olimar und Louie, sodass dann jeder der beiden eine Gruppe führen kann. So kann Olimar eine Gruppe von blauen Pikmin durch einen Fluss führen, während Louie mit seinem Trupp woanders herumwuselt. Obwohl es sich anbietet, könnt ihr den Storymodus leider nicht zu zweit spielen. Im seperaten Zweispielermodus habt ihr die Wahl, ob ihr mit- oder gegeneinander spielen wollt, die Szenarien beschränken sich jedoch immer nur auf kleine Level ohne eine zusammenhängende Story. Schade, hier wurde viel Potential verschenkt.
Evolution leicht gemacht!
Wenn eure Pikmin im Kampf fallen, ist das noch kein Grund zum Verzagen. Da das Tagelimit des Vorgängers aufgehoben wurde, könnt ihr öfters mal »Zuchttage« einlegen, um euren Bestand wieder nach oben sprießen zu lassen. Bei den roten, blauen und gelben Pikmin geht das recht fix. Jedes getötete Monster wird von den Pikmin zu ihrem Schlafplatz, der so genannten Zwiebel, gebracht. Dann wird der Leichnam aufgesaugt und schon bekommt ihr abhängig von der Größe des Monsters eine unterschiedliche Zahl von neuen Pikmin dazu. Wer es lieber gewaltlos mag, sucht stattdessen nach Blüten, die euch auf dieselbe Weise zu mehr Nachwuchs verhelfen. Die weißen und lila Pikmin müsst ihr anders nachzüchten. Dafür müsst ihr bestimmte Blüten suchen, in die ihr die normalen Pikmin werfen müsst und die dann verwandelt werden.
Während ihr also an der Oberfläche kaum Nachschubprobleme haben solltet, sieht in den zahlreichen Höhlen die Sache schon wieder anders aus. Dort können nämlich keine Pikmin nachgezüchtet werden, ihr müsst also mit denen auskommen, die ihr mit in den Dungeon genommen habt. Es empfiehlt sich also, vorher auf eine ausgewogene Mischung zu achten, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein.
Nicht nur für Kinder!
Die Grafik von Pikmin 2 ist ein zweischneidiges Schwert. Zum einen sind die einzelnen Figuren, egal ob Pikmin oder Gegner, allesamt sehr detailliert. Auch die verschiedenen Level fügen sich perfekt in das Gesamtbild ein und strotzen nur so vor Abwechslungsreichtum. Ihr steuert eure Pikmin zum Beispiel durch Waldgebiete, dunkle Höhlen und Eislandschaften. Andererseits richten sich Strategiespiele normalerweise eher an ältere Spieler. Und da diese sonst eher massive Panzer in Kriegs- oder edle Recken und gefährliche Monster in Fantasyszenarien gewohnt sind, könnte die Bonbonoptik zunächst erst einmal abschreckend wirken. Auch der Sound ist etwas gewöhnungsbedürftig. Am Anfang sind die vor sich hin brabbelnden Pikmin ja noch süß. Auch die Pieptöne, die ihr anstatt Sprachausgabe von Olimar und Co. hört, stören zunächst nicht weiter, was sich aber nach einigen Spielstunden schnell ändert.
Überlegt euch also, ob ihr mit diesem Knuddellook und dem Sound klarkommt. Wer das aber kann und schon lange ein gutes Strategiespiel für eine Konsole sucht, sollte unbedingt zuschlagen!
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:

