Zur Freude aller Horror-Fans kündigte Publisher Capcom in der vergangenen Woche eine spielbare Demo zu „Resident Evil 5“ an. Während sich europäische PlayStation 3- und Xbox 360-Besitzer noch ein wenig gedulden müssen, steht die Probierversion bereits seit 5. Dezember auf dem japanischen Xbox Live Marktplatz zum Download bereit. Wir haben uns mit Chris und Sheva nach Afrika gewagt und berichten im Folgenden von unserem Überlebenskampf auf dem schwarzen Kontinent.Allgemeine Infos zum neuesten Ableger der Resi-Reihe findet ihr in unserer großen Vorschau: >> »Resident Evil 5 Preview
Schleichendes Krisen-Management
Die Xbox 360-Demo zu „Resident Evil 5“ beinhaltet ganze zwei Levels mit deren Bewältigung ihr aufgrund des knackigen Schwierigkeitsgrads schon mal locker ein bis zwei Stunden zubringen könnt. Die erste Mission führt euch an der Seite der hübschen Agentin Sheva in ein afrikanisches Dorf. Dort gilt es eine Versammlung aufständischer Einheimischer zu zerstreuen und sich anschließend beinahe nicht enden wollenden Gegner-Horden zu stellen. Gleich zu Beginn fällt auf, dass sich „Resident Evil 5“ fast genau so spielt wie der Vorgänger. Der Protagonist, Chris Redfield, steuert sich recht träge und legt auch mit Druck auf die „Rennen“-Taste nur wenig an Tempo zu. Aber gerade aufgrund der Tatsache, dass ihr den Charakter nie wirklich zu 100 Prozent unter Kontrolle habt, kommt in „Resident Evil 5“ eine unvergleichliche Spannung auf. Könntet ihr in „Gears of War“-Manier hinter jede beliebige Deckung springen, unbegrenzte Munitionsvorräte nutzen und wie der Blitz durch die Gegner-Reihen stürmen, bliebe von Survival- oder gar Horror-Elementen nicht mehr viel übrig. Anstelle dessen müsst ihr eure Blei-Vorräte durch gezielte Kopfschüsse schonen und könnt Nahkampf-Angriffe nur mit dem perfekten Timing beim Aufleuchten der „X“-Taste erfolgreich anbringen. Auch Verletzungen lassen sich nicht einfach durch Verstecken in wenigen Sekunden heilen. Hier ist ebenfalls Ressourcen-Management in Form eines sparsamen Einsatzes eurer Kräuter-Sprays gefragt.
Volle Jackentaschen und leere Gesundheitsanzeige
„Resident Evil 4“-Spieler dürften sich trotz des neuen Settings gleich nach wenigen Minuten wie zu Hause fühlen, denn an den Gameplay-Elementen hat Capcom nur minimale Änderungen vorgenommen. Schießen könnt ihr nur, indem ihr Gegner mit Hilfe eines roten Laserpointers anvisiert. In dieser Zeit könnt ihr euch jedoch nicht bewegen und seid somit Angriffen von hinten oder von der Seite schutzlos ausgeliefert. Rückt euch einer der Zombies zu nah auf die Pelle, hilft ein Hieb mit eurer Machete, um den Angreifer ins Straucheln zu bringen. Diese Taktik empfiehlt sich jedoch nicht als Ersatz für euer Schießeisen, denn dafür sind eure Widersacher viel zu robust und der erzeugte Schaden zu gering. Beim Wechseln der Waffe stoßt ihr dann auch auf eine der wenigen Neuerungen: Das Inventar. Während der Blick in die Hosen- bzw. Jackentaschen im Vorgänger noch über ein Pause-Menü möglich war und zum ausgiebigen Sortieren anregte, solltet ihr euch in „Resident Evil 5“ lieber eine ruhige Ecke suchen, um euer Hab und Gut unter die Lupe zu nehmen. Über die „Y“-Taste aufgerufen, bietet das Inventar zu Beginn des Spiels Platz für neun Gegenstände. Im Vergleich zu „Resident Evil 4“ nimmt dabei jeder Gegenstand, unabhängig von seiner Größe, nur ein Inventar-Feld in Anspruch, wodurch umständliches Sortieren der Vergangenheit angehört. Auch Munitionsschachteln, ganz egal wie viele Patronen sie beinhalten, besetzen nun nur noch eines der Felder. Während das Inventar mehr Übersicht bietet, hat die Runderneurerung auch einen Nachteil, denn ähnlich wie bei „Alone in the Dark“ seid ihr hier nicht mehr ungestört und könnt beim Durchschauen eurer Ressourcen jederzeit angegriffen werden. Das sorgt auf der einen Seite zwar für mehr Spannung, kann euch in einer brenzligen Situation jedoch auch zum Verhängnis werden. Seid ihr beispielsweise von Gegnern eingekreist und braucht dringend einen Gesundheits-Auffüller, kann es passieren, dass ihr tot zu Boden fallt, bevor ihr euer Kräuter-Spray überhaupt benutzen konntet.
Sheva, kommst du mal eben?
In solchen Fällen erweist sich die zweite Gameplay-Neuerung als äußerst nützlich: Eure hilfreiche Partnerin Sheva. Die Betonung liegt hier auf „hilfreich“, denn im Vergleich zu Ashley aus „Resident Evil 4“ packt die einheimische Schönheit ordentlich mit an, anstatt nur um Hilfe zu schreien. Sheva gibt euch Feuerschutz, eilt in verzwickten Situationen an eure Seite und heilt eure Wunden, wenn ihr dem Tode nah seid. Über das Inventar könnt ihr Gegenstände tauschen und Kräuter-Sprays kommen bei der Anwendung beiden Charakteren zugute. Die Devise lautet hier jedoch in jedem Fall zusammenbleiben. Wird Sheva beispielsweise gerade von einem Zombie in die Mangel genommen, erscheint der Hinweis „Helfen“ auf dem Bildschirm. Nun gilt es, so schnell wie möglich zu eurer Partnerin zu gelangen und sie durch Drücken der „B“-Taste aus den Fängen der Angreifer zu befreien. Ist ihre Energieleiste nahezu aufgebraucht, könnt ihr ebenfalls die „B“-Taste benutzen, um ohne umständliches Inventar-Durchsuchen ein Kräuterspray zu verwenden. Was sich hier vielleicht nach zeitraubenden Beschützer-Aufgaben anhört, ist überaus nützlich, denn Sheva tut dasselbe auch für euch. Zudem ist die junge Afrikanerin sehr agil, wodurch sie mit eurer Hilfe auf Dächer gelangt, um mit dem Sniper-Gewehr für Rückendeckung zu sorgen.
Zu zweit ist man nie allein
Im Unterschied zu „Resident Evil 4“, wo ihr ausschließlich mit einer KI-Begleiterin unterwegs gewesen seid, könnt ihr Chris Redfields Afrika-Abenteuer nun auch zu zweit auf dem heimischen Sofa oder per Internet-Verbindung mit einem Freund bestreiten. In ersterer Variante wird der Bildschirm horizontal geteilt und euer Begleiter schlüpft in die Rolle von Sheva. Hier zahlt sich ein großer Fernseher besonders aus, denn in der Demo-Version nutzt „Resident Evil 5“ noch nicht die volle Auflösung, wodurch beide Spieler mit einem schwarzen Balken am Bildschirmrand leben müssen. Der Spielspass wird dadurch jedoch in keinster Weise getrübt, denn im Koop-Modus entfaltet der Horror-Titel seine wahren Qualitäten. Während ihr Sheva im Einzelspieler-Modus lediglich einen Folgen-Befehl erteilen könnt, gewinnt „Resident Evil 5“ zu zweit sehr viel an taktischer Tiefe. Mit welcher Strategie behaltet ihr die beste Übersicht bei einer Angriffswelle? Wie lässt sich die Munition am effektivsten aufteilen? Wann solltet ihr euren knappen Vorrat an Kräutersprays anreißen? Besonders in Spielpassagen bei denen sich eure Wege trennen und ihr eurem Partner beispielsweise mit dem Scharfschützengewehr Feuerschutz geben müsst, während er sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite durch ein mit Zombies bevölkertes Wohnhaus kämpft, kommt Hochspannung auf. Auch in den beiden Bossgegner-Kämpfen der Demo ist gute Team-Arbeit gefragt. So könnt ihr den Axt-schwingenden Henker und den Irren mit der Kettensäge nur besiegen, indem ihr euren gesamten Munitionsvorrat verballert oder ihn anhand eines Ablenkungsmanövers in die Falle tappen lasst.
Metzel-Orgie mit Urlaubs-Feeling
Während „Resident Evil 4“ als eines der schicksten Spiele der letzten Konsolen-Generation gehandelt wird, setzt der neueste Ableger der Horror-Reihe noch eins drauf. Die beiden Hauptcharaktere strotzen nur so vor Details, wie dem glänzenden Schweißtropfen auf Chris’ muskulösen Oberarmen. Fast so, als wären sie gerade einer Render-Sequenz entsprungen. Auch die Umgebungen, bei denen es sich in der Demo um afrikanische Städte und Dörfer handelt, sind überaus realistisch in Szene gesetzt. Gleißendes Sonnenlicht lässt in den Hinterhöfen dunkle Schatten entstehen, hinter denen sich so manche Überraschung verbirgt. Und besonders die Explosionseffekte, wenn ihr beispielsweise auf eines der typischen, roten Fässer schießt, lassen aktuelle, für ihre Feuereffekte gelobte Konkurrenten, alt aussehen. Lediglich die Animationen der Zombie-Gegner sehen denen in „Resident Evil 4“ zum Verwechseln ähnlich, was den optischen Gesamt-Eindruck des Spiels jedoch nicht wirklich trüben kann.