Im November erwartet Actionfans ein wahres Spielefest: „Crysis“, „Call of Duty 4“ und „Unreal Tournament“ sind nur drei der Titel, die jeder Shooterfan mindestens einmal gespielt haben sollte. Doch auch Liebhaber komplexer Kost sollten Ihr Sparschwein im vorletzten Monat des Jahres griffbereit halten: Mit „Mass Effect“ erscheint am 23. November BioWares neustes Rollenspiel – exklusiv für die Xbox360 und in seinem Umfang dermaßen groß, dass es euch für Wochen an den heimischen TV fesseln dürfte.
In a Far Future
In einer weit entfernten Zukunft. Die Menschheit hat erst vor wenigen Jahren den Sprung in die Gemeinschaft der weltraumreisenden Zivilisationen geschafft. In „Mass Effect“ schlüpft Ihr in die Haut von Commander Shepard, einem Elite-Soldaten und zugleich ersten menschlichen Spectre. Ein Spectre ist sozusagen ein galaktischer Boote unserer Rasse, ein außergewöhnliche Person, die über besondere Fähigkeiten verfügt. Als Anführer eines Erkundungsteams dringt Ihr in die Weiten des Weltraums vor, sucht Verbündete, erledigt zahlreiche Aufträge und seid stets darauf bedacht, für Frieden zwischen den verschiedenen Völkern zu sorgen. Die Faszination von „Mass Effect“ soll der eines „Knights Of The Old Republik“ ähneln. Allerdings bietet euch das spiel eine komplett eigenständige, atmosphärische Welt. Nebst der modernen Optik bringen die Entwickler zahlreiche frische Spielelemente ins Spiel, und konzentrieren sich, im Gegensatz zu den Vorgängertiteln stärker auf Ballereinlagen. Denn eines sicher: Laserschwerter dürfte es in „Mass Effect“ nicht mehr geben.
Spielstart
Zu Beginn wählt Ihr entweder den vorgefertigen Commander an, oder gestaltet euren eigenen Charakter. BioWare lässt euch diesbezüglich große Freiheiten und gibt euch nur den Nachnamen „Shepard“ vor: Egal ob Aussehen, Geschlecht, Klasse oder Spezialfähigkeiten – alles kann bis ins kleinste Detail eingestellt werden. Außerdem könnt Ihr aus diversen Hintergrundgeschichten wählen, die sich ebenfalls auf euren Charakter auswirken.Während des Spielens erhaltet Ihr Erfahrungspunkte, die Ihr in spezifische Fähigkeiten eures alten Egos investiert. Wer dazu keine Lust hat, kann die Punkte zudem auch automatisch verteilen lassen. Konzentriert Ihr euch auf bestimmte Fertigkeiten und habt somit ein gewisses Entwicklungslimit erreicht, schaltet das Spiel übrigens neue Talente frei, die Ihr ebenfalls weiterentwickeln könnt.
Lasst uns auf die Neuerungen gegenüber den quasi-Vorgängern eingehen: Da gibt es zum Beispiel das grundlegend überarbeitete Dialogsystem, das gepaart mit der modernen Optik des Spiels sehr realitätsnahe Gespräche auf den Bildschirm zaubert. So erkennt Ihr bereits an der Mimik und Gestik eures Gegenübers, wie dieser auf das Gespräch reagiert. Doch damit nicht genug: Ihr könnt auch selbst eine bestimmte emotionale Haltung einnehmen. Die Dialogauswahl unterscheidet sich ebenfalls etwas von den Vorgängern – zwar lassen sich wie gehabt verschiedenen Antwortmöglichkeiten wählen, allerdings stehen euch hierzu keine ausformulierten Sätze, sondern nur stichpunktartige Anmerkungen zur Verfügung, die euch die Richtung, aber nicht den Ausgang des Gesprächs vorgeben. So laufen die Gespräche nahezu in Echtzeit ab.
Galaktisch
„Mass Effect“ wird euch eine komplette, frei zugängliche Galaxis bieten, auf deren zahlreichen Planeten Ihr landen und diese, beispielsweise mit einem Fahrzeug, erkunden könnt. Wollt Ihr zwischen zwei Sonnensystemem wechseln, steht euch eine hübsche Sternenkarte zur Verfügung. Bereist werden die unendlichen Weiten mit der „Normandy“, einem Tarnkappenraumschiff der Human Alliance, das auf Wunsch sogar frei begehbar ist. Das Gefährt kann sich Tarnen, um so unbemerkt in fremde Sonnensysteme einzudringen, und hat genug Platz für eine große Crew, mit der Ihr euch sogar unterhalten könnt. Übrigens: Selbst steuern dürft Ihr den Koloss nicht.
Mit aller Gewalt
Da es auch in der Welt von „Mass Effect“ mitunter recht konfliktreich zugeht, sind Begegnungen mit feindlich gesinnten Rassen unumgänglich. Gut, dass euch für diese Fälle ein ausgeklügeltes Kampfsystem zur Verfügung steht. Shepard steuert Ihr aus der 3rd-Person Perspektive, geballert wird in Echtzeit. Fast jede Waffe lässt sich verbessern, wobei sich die Änderungen nicht nur auf die Durchschlagskraft, sondern auch optisch auf die Waffe auswirken. Übrigens: Auf Wunsch stehen euch Begleiter zur Verfügung, denen Ihr, ähnlich wie in einem Taktikshooter, Befehle erteilen könnt.
Apropos Gewalt: Eine direkte Entscheidung zwischen Gut und Böse, wie sie in „KotOR“ gab, wird es nicht mehr geben, allerdings stellt euch das Ziel permanent vor moralische Entscheidungen und lässt euch zudem verschiedenen Optionen, wie Ihr einen Auftrag erledigen wollt (friedlich, blutig, rücksichtslos ...).
Weiche Schale, rauer Kern
Inhaltlich zeichnet „Mass Effect“ zwar eine recht raues Zukunftsszenario, orientiert sich optisch dennoch eher an „Star Trek“, als an das etwas kantigere „Star Wars“. Das stört nicht, haben die Entwickler somit die Möglichkeit, eine sehr stylische, bunte Welt auf den Bildschirm zu zaubern. Technisch dürfte „Mass Effect“ vollends überzeugen, alleine die detailliert gestalteten Charaktere faszinieren.
Für die Stimmen der zig Charaktere wurden, zumindest für die englische Originalversion, zahlreiche Prominente Sprecher verpflichtet, den Soundrack steuern ein weiteres mal Jack Wall und Sam Hulick bei, die bereits die hervorragende Musik von „Jade Empire“ komponiert haben.