Als Wii-Besitzer hat man es in letzter Zeit echt nicht leicht. Die Software-Dürre hält weiterhin an und in Anbetracht der WiiU-Ankündigung auf der E3 besteht kein Zweifel, dass der Wii kaum noch Beachtung geschenkt wird. Ein letztes, großes Festmahl wird es für alle hungrigen Spieler aber noch geben: Ende diesen Jahres wird mit Skyward Sword endlich das neueste The Legend of Zelda-Spiel erscheinen. Ironischerweise teilt es das Schicksal mit seinem Vorgänger Twilight Princess, welches ebenfalls das Ende einer Konsolenära, die des Gamecubes, besiegelte.
Zum Erfolg verdammt
Kaum eine andere Serie steht wie
The Legend of Zelda unter einem so wachsamen Auge der Fans. War
Wind Waker den meisten zu bunt und kindlich, brachte
Twilight Princess anderen wiederum zu wenig Neuerungen. Selbst die Neuauflage des Fan- und Kritikerlieblings
»Ocarina of Time für den 3DS wurde argwöhnisch beäugt. Mit
Skyward Sword lastet erneut ein großer Druck auf dem japanischen Spielehersteller, der sich an alten Erfolgen messen lassen muss.
Über den Wolken
Selbst nach 25 Jahren ändern sich manche Dinge nicht. Wieder einmal schlüpft ihr in die Rolle des spitzohrigen Link, dessen heldenhafte Pflicht darin besteht, Zelda aus den Fängen eines bösartigen Unholds zu befreien. Die altbekannte Geschichte wiederholt sich jedoch nicht komplett - Links Erzfeind Ganondorf wird angeblich keinen Auftritt in
Skyward Sword haben. Doch auch andere Story-Elemente sind neu für die Serie. Link und Zelda leben nicht im Königreich Hyrule, sondern auf einer Insel namens Skyloft, die hoch über den Wolken schwebt. Eine dichte Wolkenschicht versperrt die Sicht auf die Erde, die von dunklen Mächten bewohnt wird.
Auf Skyloft findet zu Beginn eures Abenteuers ein Wettkampf statt, die sogenannte Vogelreiter-Zeremonie. Auf der fliegenden Insel macht man sich riesige Vögel als Fortbewegungsmittel zunutze. Logisch, schließlich ist ein Pferd oben in den Lüften ein denkbar schlechtes Transportmittel. Wir nehmen als Link an dem Wettkampf teil, denn dem Gewinner winkt ein kostbares Geschenk von Zelda. Mit einem beherzten Sprung von der Klippe stürzen Link und seine Kontrahenten von der Klippe und werden im freien Fall von ihren Vögeln aufgefangen. Ziel des Wettbewerbes ist es, einen anderen Vogel einzuholen und dessen Statue einzufangen. Wir steuern unser beflügeltes Tier, indem wir unsere Wiimote neigen. Zeigen wir mit dem Controller nach unten nehmen wir Fahrt auf, das Drücken der „A“-Taste bewirkt einen kurzzeitigen Geschwindigkeitsschub. Elegant schwebt unser Vogel durch das Wolkenmeer, welches mit seiner Offenheit ein wenig an
Wind Waker erinnert. So verkehrt ist dieser Gedanke nicht, denn wie im Celshading-Abenteuer wird es auch bei
Skyward Sword möglich sein, verschiedene Inseln zu erreichen - nur eben in der Luft statt zu Wasser. Zurück zum Wettkampf: Wir nähern uns mit jedem Flügelschlag der goldenen Statue und greifen im richtigen Moment mit der „A“-Taste zu. Als strahlender Gewinner kehren wir zu Skyloft zurück und werden sehnsüchtig von Zelda erwartet.
Neuer Fiesling gesucht
Dass solche Flugtrips nicht immer gut ausgehen, werden wir früh genug erleben. Während eines Ausflugs zieht ein kräftiger Wirbelsturm auf, der Zelda von ihrem Vogel bläst. Dahinter steckt - wie kann es anders sein - eine böse Macht, die Zelda aufgrund ihrer heiligen Aura entführt. Da Link nicht einfach nur Däumchen drehen kann, schnappt er sich kurzerhand das titelgebende Schwert und die berühmte, grüne Heldenkluft. Auf geht es in das neue Abenteuer! Schon bald begegnet der frischgebackene Held dem Verursacher des Sturmes, der sich als Lord Ghirahim vorstellt. Mit seiner blassen Hautfarbe und einer Emo-Frisur wirkt dieser Geselle nicht besonders bedrohlich. Der äußere Eindruck täuscht jedoch, denn im Kampf stellt sich Ghirahim als eine Nummer zu groß heraus. Nur dank des Skyward-Schwertes können wir die Begegnung heil überstehen. Ob Ghirahim in der Geschichte von
Skyward Sword die Rolle des Oberbösewichtes einnehmen wird, steht noch nicht fest. Dafür wissen wir, dass Link auf seiner Reise durch die Welt sogar das sagenumwobene Master-Schwert schmieden wird. In der etwas undurchsichtigen Zeitlinie der Zelda-Serie wird
Skyward Sword chronologisch gesehen vor
Ocarina of Time spielen.
Fuchteln war gestern
Im Zentrum des Spiels stehen weiterhin das Erkunden von Dungeons, spannende Schwertkämpfe und knifflige Rätsel im Vordergrund. Im Gegensatz zu
Twilight Princess kann dieses Mal das volle Potential der Bewegungssteuerung genutzt werden. Im Vorgänger hat wildes Fuchteln zum Kämpfen mit dem Schwert ausgereicht. In
Skyward Sword kann dank Wii MotionPlus die Bewegung des Controllers eins zu eins umgesetzt werden. Link hält sein Schwert in dem gleichen Winkel, wie der Spieler seine Wiimote. Es wird demnach möglich sein, Baumstämme und Äste in jedem möglichen Winkel zu zerschneiden. Der hohe Grad an Genauigkeit ist auch dringend erforderlich. Denn die Gegner lassen sich nur durch zielgenaues Schlagen besiegen. Ein Skelettkrieger lässt beispielsweise nur an einer Stelle seines Körper die Deckung offen. Nur wenn das Schwert aus der korrekten Richtung geschwungen wird, kann die verwundbare Stelle getroffen werden. Wie in der
Zelda-Serie üblich könnt ihr mit dem Druck auf die Schultertaste den Gegner umtanzen.
Auch bei Rätseln kommt Wii MotionPlus zum Einsatz. Hier ein Beispiel: Eine Tür versperrt den Weg zum Weiterkommen. Ein großes Auge an der Tür sieht verdächtig aus, doch rohe Gewalt bringt uns nicht weiter. Wir führen also mit dem Schwert eine Kreisbewegung aus. Da das Sehorgan der Spitze des Schwertes folgt, wird es schwindelig und öffnet vor lauter Schwindelanfällen die Tür. An einer anderen Tür müssen wir ein dreidimensionales Objekt in die richtige Position drehen, damit es in einen Spalt reinpasst. Bei solchen Hindernissen ist viel Geschick notwendig.
Pimp my beetle
Ein Schwert ist immer nützlich, wenn man auf Prinzessinnenrettung geht. Doch auch seine diversen Items sind für Links Mission unersetzlich. Ein Druck auf die „B“-Taste öffnet ein rundes Inventar, in dem schnell auf alle gesammelten Items zugegriffen werden kann. Neben traditionellen Items wie Bogen oder Bomben steht neuerdings auch ein Käfer bereit. Das fliegende Insekt eignet sich hervorragend, um die Gegend zu erkunden. Es sammelt hochliegende Objekte, wie zum Beispiel Rubine, ein oder aktiviert für Link ansonsten unerreichbare Schalter.
Zum ersten Mal in der
The Legend of Zelda-Serie lassen sich die Items auch aufrüsten. Unser Käfer erhält nach gefundenem Update ein Paar kräftiger Vorderbeißer. Netze und Spinnenweben lassen sich nun kinderleicht durchtrennen. Ein Schwachpunkt der bisherigen
Zelda-Teile war es, dass manche gefundenen Hilfsmittel außerhalb eines Dungeons kaum gebraucht werden konnten. Man kann nur hoffen, dass
Skyward Sword einen größeren Gebrauch der Items macht und genug versteckte Schätze bereithält.
Eine weitere Neuerung findet sich in der Ausdaueranzeige. Macht der Spieler zu viele Schlagbewegungen auf einmal, leert sich diese Leiste. Ist die Ausdauer vollständig aufgebraucht, ist Link für einen kurzen Moment kampfunfähig. Nach geringer Verschnaufspause ist die Anzeige wieder gefüllt. Beim Sprinten wird die Ausdauer auch auf gleiche Weise verbraucht.
Wie gemalt
Der Grafikstil von
Skyward Sword lässt sich am besten als Mischung aus
Wind Waker und
Twilight Princess beschreiben. Bunte Farben bestimmen eindeutig den optischen Gesamteindruck, während die Charaktere und insbesondere Link realistischere Züge tragen. Einen Link mit riesigen Glubschaugen werdet ihr also nicht zu sehen kriegen. Der Stil erinnert stark an Pastell- und Wasserfarben. Jeder Dungeon und jeder Spielabschnitt erhält dank individueller Farbpalette eine eigenständige Atmosphäre. Der farbenfrohe Pastelllook wird jedoch mit matschigen Texturen bezahlt. Aufgrund der geringen technischen Leistung der Wii kann man die Comicgrafik durchaus als Kompromiss akzeptieren. Wer eine realistische Grafikbombe erwartet, muss auf den Release der WiiU warten, die eine eindrucksvolle Tech-Demo rund um den spitzohrigen Helden zur Schau stellte.
Beim Sound erwarten uns die typischen
Zelda-Melodien. Einige Stücke werden sogar mit einem Orchester eingespielt. Diese Entscheidung ist mehr als wünschenswert, denn orchestrale Klänge passen wunderbar zu dem epischen Erlebnis eines
Zelda-Spiels. In Sachen Synchronisation bleibt sich die Serie weiterhin treu. Das bedeutet, dass die Figuren in
Skyward Sword keine Stimme haben werden und Dialoge allein über Texteinblendungen geführt werden. Bis auf die üblichen Kampfgeräusche bleibt auch unser Held mit der grünen Zipfelmütze stumm.