Lange brodelte es in der Gerüchteküche: Werkelt "Battlefield"-Entwickler DICE an einem weiteren Mehrspielershooter? Selten lag die Spielergemeinde dermaßen falsch! Gerade ein auf Fortsetzungen spezialisiertes Team arbeitet an etwas gänzlich Neuem. An einem Titel, der im Genre der First-Person-Actioner für ordentlich Furore sorgen, ja, es sogar umkrempeln könnte. Na, haben wir euch neugierig gemacht? Dann wagt mit uns einen Sprung in die Welt von "Mirror's Edge".
Runaway Train
Irgendwie stört sie schon, die gelbe, nicht unbedingt leichte Plastiktasche, die ihr mit euren Fingern so fest umschliegt. Doch davon hängt alles ab: Euer Auftrag, euer Leben ... und vielleicht noch mehr? Keine Zeit zum Philosophieren. Sie haben euch gefunden. Sie kommen unaufhaltsam näher. Zeit zu verschwinden – oder zu sterben. Verdammt, wo kam dieser vermummte Mann plötzlich her? Einen Kampfanzug trägt er, und einen Schutzhelm, dieser Feigling. Doch auch das wird ihm nicht helfen. Ihr wisst wie man kämpft, wie man überlebt. Blitzschnell kickt ihr ihm die Waffe aus den Händen, um sie einen Moment später aufzufangen. Mit einem Hieb setzt ihr euren Gegner außer Gefecht. Ihr hättet ihn töten können, doch nicht heute, nicht jetzt. Es gab schon genug Tote – und wahrscheinlich wird es wieder dazu kommen. Doch das ist ein nötiges Übel. Für uns alle, für die Freiheit. Schon wieder keine Zeit zum Abschweifen. Die Verstärkung des Vermummten ist eingetroffen. Sie sind in der Überzahl – Kämpfen wäre sinnlos. Nicht mit einer Waffe, die nur noch eine Handvoll Kugeln im Magazin hat. Ihr rutscht ein Geländer hinunter – links rauscht in Zug vorbei. Ihr seid in einer U-Bahn-Station. Der kühle Fahrtwind lässt eure Haare sanft flattern – fast, als würde euch eine frische Meeresprise den Kopf streicheln. Doch hier gibt es kein Meer, hier gibt es nur diesen einen Albtraum.
Einige Zeit später, ihr seid auf einem Häuserdach – eure Verfolger immer noch in Sichtweite. Da, ein Rohr, über das ihr zum nächsten Dach balancieren könnt. Unter euch hunderte Meter Tiefe. Nur nicht nach unten sehen, Gleichgewicht halten. Mist, sie lassen sich einfach nicht abschütteln. Zeit, einen Gang zuzulegen. Leicht außer Atem hechtet ihr über einen Zaun, an einer Wand entlang, nehmt Anlauf und springt waghalsig in die Tiefe. Zurück bleibt ein verblüffter Verfolger. Dem Tod entgegensegelnd entsichert ihr eure beiden Pistolen und schießt – in Zeitlupe. Der verdutzte Scherge geht, sich durch euren Fall immer weiter entfernend, zu Boden. Der Aufprall kommt immer näher. Werdet ihr überleben? War etwa alles umsonst?
Out Of Control
Diese Szene stammt direkt aus dem Spielgeschehen von "Mirror's Edge". Darin schlüpft ihr in die Haut von Faith. Die agile Dame ist nicht etwa eine Superheldin oder jemand, der Unmenschliches leisten kann. Faith ist lediglich gut trainiert. Das muss sie auch sein, schließlich ist sie ein sogenannter
Runner. Eine Berufssparte, die in der Welt von "Mirror's Edge" unabdinglich ist. Doch warum? Wir befinden uns in der nahen Zukunft. Auf den ersten Blick wirkt die Stadt, in der die Handlung angesiedelt ist, wunderschön, aufgeräumt, beinahe schon steril. Doch der Schein trügt. An der Macht ist ein skrupelloser Überwachungsapparat – unter der Fuchtel eines Diktatoren - der die Bewohner der City rücksichtslos unterdrückt. Freie Meinungsäußerung gibt es nicht, Kritiker werden gnadenlos verfolgt, Telefone, Post und das Internet überwacht.
Die einzige Möglichkeit, Informationen und Objekte sicher von A nach B zu bringen, sind die
Runner. Diese hechten – unter Einsatz ihres Lebens – möglichst ungewöhnliche Strecken entlang, um ihre Fracht zu überbringen. Natürlich machen die Regierungsschergen unerbitterlich Jagd auf die ungeliebten Informationsboten. So kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen, durch die ihr euch kämpfen müsst. Gut so, schließlich ist "Mirror's Edge" ein, wenn auch ungewöhnlicher, Egoshooter. So verteidigt ihr euch mit Fäusten und Füßen gegen die Schergen, oder nutzt Feuerwaffen. Da die Entwickler sehr viel Wert auf Realismus legen, kann Faith natürlich nur eine begrenzte Anzahl leichter Waffen mit sich führen. Überhaupt soll sich "Mirror's Edge" sehr realistsich anfühlen. Faith ist voll animiert und folgt den Gesetzen der Physik. Sprünge, Slides, Aktionen und Kämpfe machen bereits beim Zusehen einen unglaublich dynamischen, echten Eindruck. Während eines Sprungs hält Faith mit Armen und Beinen beispielsweise das Gleichgewicht, beim Klettern greift sie sichtbar nach Absprüngen und Objekten. Klasse!
Jump!
Damit das Gehüpfe nicht in Frust ausartet, haben sich die Entwickler einiges einfallen lassen. So hat Faith beispielsweise erweiterte Fähigkeiten; soll heißen, auf Wunsch kann sie sich die beste Route zum Ziel im HUD anzeigen lassen. Auch die Steuerung klingt interessant – sie soll lediglich mit zwei Tasten auskommen. Sprünge werden per Knopfdruck ausgeführt, wichtig ist, in welche Richtung ihr den Analogstick drückt. Merkt ihr, dass ihr euch übernommen habt, könnt ihr dem virtuellen Tod durch einen Absturz von der Schippe springen, indem ihr den Analogstick erneut in die gewünschte Richtung drückt. Ist eine Wand oder ein Vorsprung in Reichweite, klammert sich Faith daran fest und kann somit wieder zum Ausgangspunkt zurückkehren. Übrigens: "Mirror's Edge" wird euch verschiedene Routen, aber keine offenen Spielwelt bieten.
What A Wonderful World
Gleichermaßen ungewöhnlich wie faszinierend ist die optische Umsetzung. Von der mächtigen, im Hintergrund werkelnden "Unreal Engine 3" merkt man, bis auf die Leistungsfähigkeit, wenig. Das ist positiv gemeint, schließlich ähneln sich viele Titel, die auf diesem Gerüst aufbauen, in optischer Hinsicht doch sehr stark. Nicht so "Mirror's Edge". Die virtuelle Stadt wirkt sauber, sehr stilisiert. Hier herrschen größtenteils Blau- und Weiß-, in Innenräumen auch schoneinmal Grün- und Orange-Weiße Töne. Nur Objekte, die für das Gameplay relevant sind – etwa Plattformen und Wände - werden in knalligem Rot, Orange oder Gelb dargestellt. Daraus ergibt sich ein wunderbarerer, leicht futuristischer Stil, der an Filme wie "Ultraviolett" erinnert.